Xiaomi bereitet offenbar den Einstieg in einen weiteren Produktbereich vor. In China ist erstes Werbematerial zu einem Netzwerkspeicher aufgetaucht, der unter der Bezeichnung Xiaomi Smart Storage auf den Markt kommen soll. Die bislang verfügbaren Informationen zeigen nicht nur das mögliche Design, sondern nennen auch mehrere Speichervarianten und erste Preise. Ergänzt werden die Angaben durch technische Details zu einer Engineering-Version des Geräts.
Eine offizielle Vorstellung steht bislang allerdings noch aus. Entsprechend sollten die Informationen mit einer gewissen Vorsicht betrachtet werden. Gerade bei Vorseriengeräten können sich die Hardware, einzelne Anschlüsse oder der Funktionsumfang bis zum Verkaufsstart noch ändern. Dennoch entsteht bereits ein recht klares Bild davon, welche Zielgruppe Xiaomi mit seinem ersten eigenen NAS ansprechen könnte.
Drei Modelle mit bis zu 16 TB Speicher
Nach aktuellem Stand soll das Xiaomi Smart Storage in drei Speichervarianten angeboten werden. Das Gehäuse selbst scheint bei allen Modellen identisch zu sein. Unterschiede gibt es offenbar nur bei den bereits eingesetzten Festplatten.
Das Einstiegsmodell soll mit zwei Festplatten zu jeweils 2 TB ausgestattet sein und damit eine Gesamtkapazität von 4 TB bieten. Als Preis werden 2.299 Yuan genannt, was umgerechnet ungefähr 275 Euro entspricht. Darüber soll eine Variante mit zwei 4 TB großen Festplatten und insgesamt 8 TB Speicher folgen. Diese soll für 2.899 Yuan, also umgerechnet rund 345 Euro, angeboten werden. Das größte Modell bringt es den geleakten Informationen zufolge auf 16 TB, verteilt auf zwei Festplatten mit jeweils 8 TB. Dafür werden 4.699 Yuan beziehungsweise ungefähr 560 Euroaufgerufen.
Bei den genannten Kapazitäten dürfte es sich zunächst um den gesamten physisch verbauten Speicher handeln. Entscheidend ist daher, welche RAID-Konfiguration Xiaomi ab Werk vorsieht. Werden die beiden Laufwerke zur höheren Ausfallsicherheit gespiegelt, steht Nutzern nur etwa die Hälfte der beworbenen Gesamtkapazität zur Verfügung. Beim 4-TB-Modell wären dann beispielsweise rund 2 TB tatsächlich nutzbar. Im Gegenzug bleiben die Daten beim Ausfall einer einzelnen Festplatte weiterhin erhalten.
Alternativ könnte Xiaomi auch eine Konfiguration anbieten, bei der die Kapazität beider Laufwerke vollständig genutzt wird. Das würde mehr Speicherplatz ermöglichen, allerdings auf Kosten der Ausfallsicherheit. Denkbar wäre außerdem, dass Nutzer selbst zwischen unterschiedlichen Betriebsarten wählen können. Genauere Informationen zur Speicherverwaltung liegen bislang jedoch nicht vor.
Der Verkaufsstart in China soll laut dem aufgetauchten Material bereits am 1. Juli 2026 erfolgen. Ob damit eine reguläre Markteinführung oder zunächst nur eine Ankündigung beziehungsweise Vorbestellphase gemeint ist, bleibt offen.
Schlichtes Gehäuse mit zwei Laufwerksschächten
Optisch folgt das Xiaomi Smart Storage offenbar der bekannten Designsprache des Herstellers. Das Gehäuse wirkt schlicht, kompakt und weitgehend unauffällig. Damit dürfte sich das Gerät problemlos in ein Wohnzimmer, ein Arbeitszimmer oder neben einen Router stellen lassen, ohne wie klassische Serverhardware zu wirken.
Im Inneren befinden sich offenbar zwei Laufwerksschächte. Damit tritt Xiaomi grundsätzlich gegen kompakte 2-Bay-NAS-Systeme von Herstellern wie Synology, QNAP, Asustor oder Ugreen an. Ein System mit zwei Laufwerken eignet sich vor allem für private Haushalte, kleine Büros oder Nutzer, die ihre wichtigsten Daten zentral speichern und zusätzlich absichern möchten.
Als mögliche Einsatzbereiche nennt das Werbematerial Fotos, Videos, Dokumente und Backups. Darüber hinaus dürfte sich das Gerät als Medienzentrale im Heimnetzwerk verwenden lassen. Filme, Musik oder private Videoaufnahmen könnten zentral gespeichert und anschließend über Smartphones, Tablets, Computer oder Fernseher abgerufen werden.
Gerade für Familien wäre eine solche Lösung interessant. Anstatt Fotos und Videos auf mehreren Smartphones, Computern und externen Festplatten zu verteilen, könnten sämtliche Dateien automatisch an einem zentralen Ort zusammengeführt werden. Voraussetzung dafür wäre allerdings eine gut funktionierende Software, die auch weniger technikaffine Nutzer nicht mit komplizierten Einstellungen überfordert.
Technische Ausstattung deutet auf ein Einstiegsmodell hin
Zu einer Engineering-Version des Xiaomi Smart Storage kursieren bereits erste technische Angaben. Genannt werden unter anderem ein Realtek RTD1619B, ein mit 1,2 GHz arbeitender Prozessor, 2 GB DDR3L-Arbeitsspeicher und 8 GB interner Flash-Speicher. Außerdem soll das System Festplatten mit einer Gesamtkapazität von bis zu 40 TBunterstützen.
Hinzu kommen offenbar USB 3.0, HDMI 1.4 und ein klassischer Gigabit-Ethernet-Anschluss. Ob diese Ausstattung unverändert in das finale Verkaufsmodell übernommen wird, ist derzeit nicht bekannt. Einige der kursierenden technischen Angaben wirken zudem noch nicht vollständig eindeutig, weshalb eine abschließende Bewertung der Plattform erst nach der offiziellen Präsentation möglich sein wird.
Sollten sich die Daten bestätigen, würde Xiaomi das Smart Storage klar als Einsteigerlösung positionieren. Für automatische Backups, die zentrale Speicherung von Fotos, das Teilen von Dateien innerhalb eines Haushalts und einfaches Medienstreaming dürfte die Leistung ausreichen. Anspruchsvollere Aufgaben könnten das System dagegen schnell an seine Grenzen bringen.
Mit lediglich 2 GB Arbeitsspeicher wäre beispielsweise nur begrenzt Spielraum für zusätzliche Anwendungen vorhanden. Moderne NAS-Systeme werden längst nicht mehr ausschließlich als Datenspeicher verwendet. Viele Nutzer betreiben darauf zusätzliche Dienste, kleinere Datenbanken, Überwachungslösungen, Download-Manager oder eigene Medienserver. Auch Container-Anwendungen über Docker und virtuelle Maschinen spielen bei leistungsfähigeren Modellen eine immer größere Rolle.
Ob das Xiaomi Smart Storage solche Funktionen überhaupt unterstützen wird, ist momentan unklar. Möglich ist auch, dass Xiaomi bewusst auf ein geschlossenes und besonders einfach zu bedienendes System setzt. Für die anvisierte Zielgruppe wäre das nicht zwangsläufig ein Nachteil. Wer lediglich seine Smartphone-Fotos sichern oder wichtige Dateien im Heimnetzwerk verfügbar machen möchte, benötigt schließlich keinen vollwertigen Server mit unzähligen Konfigurationsmöglichkeiten.
Gigabit-Ethernet könnte zum Flaschenhals werden
Weniger zeitgemäß wirkt der bislang genannte Gigabit-Ethernet-Anschluss. Damit liegt die theoretisch mögliche Übertragungsrate bei höchstens einem Gigabit pro Sekunde. In der Praxis bleibt nach Abzug des Netzwerk-Overheads üblicherweise deutlich weniger übrig.
Für normale Backups, das Streamen von Filmen oder den Zugriff auf Dokumente reicht Gigabit-Ethernet grundsätzlich aus. Sobald jedoch größere Datenmengen übertragen werden, kann die Netzwerkverbindung zum begrenzenden Faktor werden. Besonders bei umfangreichen Fotoarchiven, hochauflösenden Videoaufnahmen oder regelmäßigen Komplettsicherungen mehrerer Computer macht sich eine schnellere Verbindung deutlich bemerkbar.
Viele aktuelle NAS-Hersteller statten zumindest einen Teil ihrer Modelle inzwischen mit 2,5-Gigabit-Ethernet aus. Dadurch lassen sich Daten bei passender Netzwerkinfrastruktur wesentlich schneller übertragen. Bei einem vollständig eingerichteten Heimnetzwerk mit kompatiblem Router oder Switch kann dies einen spürbaren Unterschied ausmachen.
Xiaomi könnte den Gigabit-Anschluss allerdings bewusst gewählt haben, um den Preis niedrig und die Einrichtung möglichst unkompliziert zu halten. In vielen Haushalten sind weiterhin Router und Netzwerkgeräte im Einsatz, die ohnehin nicht mehr als Gigabit-Ethernet unterstützen. Für die breite Masse wäre der Anschluss deshalb vermutlich ausreichend. Zukunftssicher wirkt er im Jahr 2026 dennoch nur eingeschränkt.
Der offenbar vorhandene HDMI-Anschluss könnte wiederum darauf hindeuten, dass sich das Xiaomi Smart Storage direkt an einem Fernseher oder Monitor betreiben lässt. Denkbar wäre eine lokale Medienoberfläche, über die Fotos, Videos und Musik ohne zusätzliches Streaming-Gerät wiedergegeben werden können. Ohne weitere Informationen zur Software lässt sich die genaue Funktion des Anschlusses aber noch nicht beurteilen.
Die Software wird über Erfolg oder Misserfolg entscheiden
Wichtiger als die reine Hardware dürfte beim Xiaomi Smart Storage letztlich die Software sein. Ein modernes NAS muss nicht nur Dateien speichern, sondern diese möglichst komfortabel verwalten, sichern und auf unterschiedlichen Geräten verfügbar machen.
Zu den entscheidenden Funktionen gehören automatische Backups von Smartphones und Computern, eine übersichtliche Fotoverwaltung, leicht verständliche Freigaben und ein zuverlässiger Fernzugriff. Besonders interessant wäre eine automatische Sortierung von Bildern nach Personen, Orten oder Aufnahmezeitpunkten. Xiaomi könnte dabei auf Erfahrungen aus seinen Smartphone- und Cloud-Diensten zurückgreifen.
Auch die Einbindung in das bestehende Xiaomi-Ökosystem wäre ein wichtiger Vorteil. Nutzer könnten Fotos von Xiaomi-Smartphones automatisch sichern, Aufnahmen von Überwachungskameras zentral speichern oder Dateien unkompliziert zwischen Fernsehern, Tablets und Computern austauschen. Eine enge Integration in Xiaomi Home wäre ebenfalls denkbar.
Dabei muss Xiaomi allerdings ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Komfort und Offenheit finden. Ein stark vereinfachtes System dürfte Einsteiger ansprechen, könnte erfahrene NAS-Nutzer aber schnell einschränken. Diese erwarten häufig Unterstützung für verschiedene Netzwerkprotokolle, externe Anwendungen, Container, Medienserver und Erweiterungen durch Drittanbieter.
Ebenso wichtig ist die langfristige Versorgung mit Sicherheitsupdates. Ein NAS ist dauerhaft mit dem Heimnetzwerk verbunden und enthält oft persönliche oder geschäftliche Daten. Sicherheitslücken können daher schwerwiegende Folgen haben. Xiaomi müsste transparent kommunizieren, wie lange das Gerät aktualisiert wird und wie schnell kritische Schwachstellen behoben werden.
Hinzu kommt die Frage nach dem Fernzugriff. Eine private Cloud ist für viele Nutzer gerade deshalb attraktiv, weil die eigenen Dateien nicht dauerhaft auf Servern eines externen Cloud-Anbieters gespeichert werden. Wenn der Zugriff von unterwegs jedoch zwingend über Xiaomi-Konten und Xiaomi-Server abgewickelt wird, könnte dies den Datenschutzvorteil einer lokalen Speicherlösung teilweise relativieren.
Spannender Einstieg mit noch vielen offenen Fragen
Das Xiaomi Smart Storage wirkt nach den bisherigen Informationen weniger wie ein klassisches NAS für Power-User und stärker wie eine unkomplizierte Speicherzentrale für den Haushalt. Der Schwerpunkt dürfte auf automatischen Backups, Fotos, Videos und einem möglichst einfachen Zugriff liegen.
Damit könnte Xiaomi eine Zielgruppe erreichen, die bislang vor klassischen NAS-Systemen zurückgeschreckt ist. Viele Geräte etablierter Hersteller bieten zwar einen enormen Funktionsumfang, verlangen bei der Einrichtung und Verwaltung aber zumindest grundlegendes technisches Verständnis. Xiaomi könnte versuchen, diesen Prozess ähnlich einfach zu gestalten wie die Einrichtung eines Routers oder eines Smart-Home-Geräts.
Die genannten Preise wirken angesichts der offenbar bereits enthaltenen Festplatten grundsätzlich interessant. Ein direkter Vergleich mit anderen NAS-Systemen ist allerdings erst möglich, wenn die tatsächlich nutzbare Speicherkapazität, die eingesetzten Laufwerke, die Garantiebedingungen und der vollständige Funktionsumfang bekannt sind.
Offen bleibt außerdem, ob das Xiaomi Smart Storage außerhalb Chinas erscheinen wird. Eine internationale Version müsste nicht nur lokalisiert, sondern auch an regionale Datenschutzanforderungen und Cloud-Infrastrukturen angepasst werden. Gerade in Europa dürfte der Umgang mit persönlichen Daten eine wichtige Rolle spielen.
Bis zur offiziellen Vorstellung sollten die bisherigen Angaben deshalb weiterhin als vorläufig betrachtet werden. Sollte Xiaomi jedoch eine komfortable Software, zuverlässige Smartphone-Backups und eine überzeugende Integration in sein bestehendes Ökosystem liefern, könnte das Smart Storage für viele Privatanwender eine interessante Alternative zu klassischen NAS-Systemen werden. Mit der bislang genannten Hardware dürfte das Gerät etablierte Lösungen für anspruchsvolle Nutzer zwar kaum verdrängen. Als unkomplizierte private Cloud für Fotos, Videos und Backups könnte es dennoch einen durchaus attraktiven Einstieg bieten.
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