Netflix hat einen ersten Vorgeschmack auf Ghostbusters: Night Shift gegeben. Die neue Animationsserie soll im Laufe des Jahres 2027 beim Streaming Dienst starten und das bekannte Franchise in eine bisher nur wenig beleuchtete Zeit zurückführen. Statt erneut die aktuellen Kinofilme fortzusetzen, springt die Handlung in das New York der neunziger Jahre und stellt eine vollkommen neue Gruppe von Geisterjägern in den Mittelpunkt.
Übernatürlicher Ausnahmezustand im New York des Jahres 1994
Die Geschichte spielt 1994 und damit fünf Jahre nach den Ereignissen von Ghostbusters II. Damals gelang es den Geisterjägern, die Freiheitsstatue zum Leben zu erwecken und durch Manhattan marschieren zu lassen. Die Stadt konnte vor einer übernatürlichen Katastrophe bewahrt werden, doch dauerhaft verschwunden sind Geister, Monster und andere paranormale Erscheinungen offenbar nicht.
In Ghostbusters: Night Shift wird New York erneut von einer übernatürlichen Bedrohung heimgesucht. Diesmal stehen allerdings nicht Peter Venkman, Ray Stantz, Egon Spengler und Winston Zeddemore im Zentrum der Geschichte. Stattdessen folgt die Serie einer neuen Gruppe ganz normaler New Yorkerinnen und New Yorker, die plötzlich mit einer Situation konfrontiert wird, auf die sie kaum vorbereitet ist.
Die neuen Hauptfiguren müssen sich nicht nur mit Geistern und anderen gefährlichen Erscheinungen auseinandersetzen, sondern offenbar auch mit den Folgen eigener Entscheidungen. Zumindest deutet die bisherige Beschreibung an, dass die Gruppe an der neuen Geisterplage nicht vollkommen unschuldig sein könnte. Um das entstandene Chaos wieder unter Kontrolle zu bringen, bleibt den unerfahrenen Heldinnen und Helden schließlich nichts anderes übrig, als selbst zu Protonenrucksäcken und Geisterfallen zu greifen.
Dieser Ansatz könnte der Serie eine angenehm neue Perspektive verleihen. Während die Kinofilme der vergangenen Jahre stark auf die ursprünglichen Ghostbusters, deren Familien und das Vermächtnis der alten Truppe setzten, beginnt Night Shift weitgehend bei null. Die neuen Figuren müssen den Umgang mit der Ausrüstung erst lernen, ihre eigenen Ängste überwinden und vermutlich auch herausfinden, wie man als Team gegen übernatürliche Gegner besteht.
Gleichzeitig bleibt die Serie eng mit der bekannten Filmwelt verbunden. Der zeitliche Abstand zu Ghostbusters II fällt vergleichsweise gering aus und bietet ausreichend Möglichkeiten, bekannte Orte, Ereignisse oder Figuren aufzugreifen. Ob die ursprünglichen Geisterjäger persönlich auftreten werden, ist bislang nicht bekannt. Angesichts des Schauplatzes und der zeitlichen Einordnung wären zumindest Gastauftritte aber durchaus denkbar.
Die neunziger Jahre könnten der Serie einen eigenen Charakter geben
Die Entscheidung, die Handlung im Jahr 1994 anzusiedeln, ist mehr als nur eine nostalgische Spielerei. Die Welt der neunziger Jahre unterscheidet sich deutlich von der heutigen. Smartphones, soziale Netzwerke und jederzeit verfügbare Informationen spielen keine Rolle. Wer damals einen Geist gesehen hat, konnte nicht einfach ein Video aufnehmen, es innerhalb weniger Sekunden veröffentlichen und die gesamte Welt daran teilhaben lassen.
Für die Geschichte bietet diese Zeit daher einige interessante Möglichkeiten. Die Figuren müssen Informationen auf klassische Weise beschaffen, direkt miteinander kommunizieren und sich stärker auf ihre eigene Beobachtungsgabe verlassen. Auch die Technik der Ghostbusters passt hervorragend in dieses Umfeld. Protonenrucksäcke, Geisterfallen, Messgeräte und umgebaute Fahrzeuge wirken in einer Welt voller analoger Geräte deutlich natürlicher als zwischen modernen Smartphones und vollständig vernetzten Haushalten.
Auch optisch dürfte New York im Jahr 1994 einiges hergeben. Alte Taxis, Videotheken, Münztelefone, Leuchtreklamen und der typische Großstadtlook der Zeit könnten der Serie eine starke eigene Atmosphäre verleihen. Gerade Ghostbusters war schon immer eng mit New York verbunden. Die Stadt war nie nur eine austauschbare Kulisse, sondern ein wichtiger Bestandteil des Humors, des Tempos und der Identität der Filme.
Die neunziger Jahre erlauben es den Verantwortlichen außerdem, an den Stil der klassischen Produktionen anzuknüpfen, ohne die Handlung direkt in die achtziger Jahre zurückzuversetzen. Dadurch könnte die Serie vertraut wirken und dennoch genügend Abstand zu den bisherigen Filmen gewinnen. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, den besonderen Charme der Marke einzufangen, ohne sich zu stark auf bekannte Bilder, Ausrüstung und nostalgische Anspielungen zu verlassen.
Denn Ghostbusters lebte nie allein von Protonenstrahlern, Geisterfallen und dem berühmten Einsatzfahrzeug. Mindestens ebenso wichtig waren der trockene Humor, die unterschiedlichen Persönlichkeiten innerhalb des Teams und der Kontrast zwischen alltäglichen Problemen und völlig absurden paranormalen Ereignissen. Eine glaubwürdige neue Gruppe wird daher entscheidend dafür sein, ob Night Shift auch abseits des bekannten Namens funktioniert.
Ghostbusters hat eine lange Geschichte als Animationsserie
Die Rückkehr ins Animationsformat ist für Ghostbusters keineswegs Neuland. Bereits in den achtziger Jahren wurde die Marke mit The Real Ghostbusters erfolgreich ins Fernsehen übertragen. Die Serie griff viele Elemente der Filme auf, erweiterte das Universum aber gleichzeitig um zahlreiche neue Geister, Monster und Schauplätze. Für eine ganze Generation wurde die Zeichentrickserie mindestens ebenso prägend wie die ursprünglichen Kinofilme.
Später folgte mit Extreme Ghostbusters eine weitere Animationsserie, die ebenfalls auf ein junges und weitgehend unerfahrenes Team setzte. Schon damals ging es darum, neue Figuren an die ungewöhnliche Arbeit als Geisterjäger heranzuführen und gleichzeitig eine Verbindung zur bekannten Welt herzustellen. Das Grundkonzept von Ghostbusters: Night Shift erinnert daher durchaus an diesen Ansatz.
Der Vergleich muss allerdings nicht bedeuten, dass Netflix lediglich eine modernisierte Neuauflage plant. Animation bietet den Verantwortlichen deutlich mehr gestalterische Freiheit als ein Realfilm. Geister können größer, ungewöhnlicher und visuell kreativer ausfallen. Auch Actionszenen, Verfolgungsjagden und die Zerstörung ganzer Straßenzüge lassen sich umsetzen, ohne dass jedes Bild von den Grenzen eines Effektbudgets bestimmt wird.
Gleichzeitig wird die Serie vor der Aufgabe stehen, unterschiedliche Zuschauergruppen anzusprechen. Langjährige Fans erwarten vermutlich eine respektvolle Fortsetzung der bekannten Welt, während jüngere Zuschauerinnen und Zuschauer die Marke möglicherweise erstmals durch Night Shift kennenlernen. Die Produktion muss deshalb einen Mittelweg zwischen vertrauten Elementen und neuen Ideen finden.
Zu den bislang noch offenen Fragen gehört auch, an welche Altersgruppe sich die Serie hauptsächlich richten wird. Ghostbusters funktionierte schon immer als Mischung aus Komödie, Abenteuer und leichtem Grusel. Eine zu harmlose Umsetzung könnte einen Teil des typischen Reizes verlieren. Wird die Serie dagegen zu düster, könnte sie sich von der lockeren Grundstimmung der Marke entfernen. Gerade bei einer Animationsserie dürfte die richtige Balance daher eine wichtige Rolle spielen.
Konkrete Informationen zur Sprecherbesetzung, zur Anzahl der Folgen und zur jeweiligen Episodenlänge hält Netflix derzeit noch zurück. Auch ein genauer Veröffentlichungstermin wurde bislang nicht genannt. Ebenso offen bleibt, ob die Geschichte innerhalb einer Staffel abgeschlossen wird oder ob Ghostbusters: Night Shift von Beginn an als längerfristige Serie geplant ist.
Viel Potenzial, aber noch zahlreiche offene Fragen
Die bisher bekannten Informationen reichen noch nicht aus, um die neue Serie zuverlässig einzuordnen. Das Grundkonzept klingt jedoch vielversprechend. Eine neue Gruppe von Figuren, das New York der neunziger Jahre und eine Handlung, die bewusst an Ghostbusters II anschließt, bieten genügend Raum für eine eigenständige Geschichte.
Besonders spannend ist, dass die Serie nicht einfach versucht, die Handlung der aktuellen Kinofilme in animierter Form fortzusetzen. Die zeitliche Rückkehr ins Jahr 1994 schafft Abstand und erlaubt es den Verantwortlichen, eine Phase des Ghostbusters Universums zu erkunden, über die bislang vergleichsweise wenig bekannt ist.
Trotzdem wird entscheidend sein, wie mutig Netflix und die beteiligten Studios tatsächlich mit der Marke umgehen. Eine Serie, die lediglich bekannte Ausrüstung zeigt und regelmäßig auf die alten Filme verweist, dürfte auf Dauer kaum ausreichen. Ghostbusters: Night Shift braucht interessante Figuren, eigene Ideen und eine Bedrohung, die mehr zu bieten hat als einen weiteren großen Geist über Manhattan.
Für viele Fans besitzt Ghostbusters bis heute einen ganz eigenen Charme, der sich nur schwer künstlich nachbauen lässt. Humor, Musik, Figuren und die Atmosphäre New Yorks griffen in den besten Momenten der Reihe perfekt ineinander. Genau diesen Spirit sollte die neue Serie bewahren, ohne dabei ausschließlich auf Nostalgie zu setzen.
Ob Ghostbusters: Night Shift diesen Spagat schafft, wird sich frühestens 2027 zeigen. Der bisherige Einblick macht aber durchaus neugierig. Eine Animationsserie mit neuen Figuren, einem Schauplatz in den neunziger Jahren und genügend kreativer Freiheit könnte genau das richtige Format sein, um die Geisterjäger auf frische Weise zurückzubringen.
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Bildquelle: Netflix, Sony Pictures















