Nachdem das Nothing Phone 3 viele Fans der ersten Stunde herb enttäuscht zurückgelassen hat, schien die Luft bei dem jungen Unternehmen aus London fast schon raus zu sein. Viele Experten hatten die Marke bereits abgeschrieben, da weder das Design noch die technischen Spezifikationen den hohen Erwartungen gerecht wurden und man das Gefühl hatte, die ursprüngliche Vision sei verloren gegangen. Doch mit dem Nothing Phone (4a) Pro meldet sich der Hersteller nun lautstark zurück und liefert ein Gerät ab, das in der Mittelklasse für ordentlich Wirbel sorgt und die Konkurrenz das Fürchten lehrt.
Das Smartphone wurde nach einer Phase der Stagnation zu einem Zeitpunkt veröffentlicht, als kaum noch jemand mit einem echten Befreiungsschlag rechnete. Preislich bewegt sich das Gerät in einem attraktiven Rahmen von 479 Euro bis 549 Euro, wobei es eine Brücke zwischen der soliden Mittelklasse und der prestigeträchtigen Oberklasse schlägt. Es ist ein Smartphone für Individualisten, die genug von der Einheitsware der großen Player haben und wieder Lust auf echte Innovation am Gehäuse verspüren.
Der Schock über das enttäuschende Vorgängermodell sitzt bei vielen zwar noch tief, doch dieses neue Modell zeigt eindrucksvoll, dass Nothing zugehört hat und bereit ist, den Markt erneut zu revolutionieren. Tatsächlich stellt sich beim Testen schnell das Gefühl ein, dass eigentlich niemand da draußen mehr Smartphone braucht, als das, was hier geboten wird.
Ein Designstück aus Aluminium und Licht
Optisch ist das Nothing Phone (4a) Pro ein absolutes Highlight und ein mutiges Statement gegen die Langeweile im Smartphone Einerlei. Das Gehäuse besteht aus einem hochwertigen Aluminium Unibody, der in den Farben Silber, Schwarz und Pink erhältlich ist, was insbesondere in der pinken Variante eine beachtliche Portion Mut beweist. Besonders die silberne Variante wirkt wie ein echtes Schmuckstück und ist hervorragend verarbeitet, wobei die Haptik durch die präzisen Tasten und die exzellente Materialwahl unterstrichen wird. Mit einer Gehäusetiefe von nur 7,95 Millimetern gehört es zu den dünnsten Geräten am Markt und liegt trotz des Gewichts von 210 Gramm sehr wertig und massiv in der Hand.
Ein markantes Merkmal ist das riesige Plateau auf der Rückseite, unter dem die bekannte Glyph Matrix sitzt. Diese ist im Vergleich zum Nothing Phone 3 noch einmal deutlich gewachsen und bietet eine faszinierende Optik, auch wenn die Materialwahl des Plateaus Fragen aufwirft. Bei genauerer Betrachtung lässt es sich leicht eindrücken, was stark auf Kunststoff hindeutet, selbst wenn es optisch wie dünnes Glas wirkt. Dennoch wirkt die gesamte Konstruktion wie aus einem Guss. Die rote LED Leuchte, die bei Videoaufnahmen aktiv ist, rundet das verspielte, aber detailverliebte Design ab und sorgt für einen hohen Wiedererkennungswert, der dieses Smartphone unverwechselbar macht.
Brillantes Display mit rasanter Bildrate
Auf der Vorderseite erwartet die Nutzer ein beeindruckendes 6,83 Zoll großes AMOLED Display, das mit einer Spitzenhelligkeit von bis zu 5000 Nitz extrem strahlend ist und damit selbst teuerste Flaggschiffe in den Schatten stellt. Selbst unter direkter Sonneneinstrahlung bleibt der Bildschirminhalt perfekt ablesbar, ohne dass man die Augen zusammenkneifen muss. Eine Besonderheit in dieser Preisklasse ist die Bildwiederholrate von 144 Hertz, die für eine butterweiche Bedienung sorgt, auch wenn der Unterschied zu den üblichen 120 Hertz im direkten Vergleich oft nur minimal ausfällt. Die Ränder um das Display sind angenehm dünn gehalten, was dem Smartphone ein sehr modernes und immersives Aussehen verleiht.
Zur Sicherheit ist das Panel mit Gorilla Glas 7i geschützt, was einen soliden Schutz gegen Alltagskratzer bietet. Der integrierte optische Fingerabdrucksensor arbeitet zwar zuverlässig und schnell, ist jedoch für den Geschmack vieler Nutzer etwas zu weit unten am Bildschirmrand platziert, was die Ergonomie bei der einhändigen Bedienung ein wenig stört. Dennoch macht der Konsum von Medien auf diesem hochauflösenden Panel in Full HD Plus einfach nur Spaß und lässt in Sachen Farbdarstellung und Kontrast kaum Wünsche offen.
Kamera Performance mit Periskop Power
Die Kameraausstattung zeigt deutlich den Anspruch, in die Oberklasse vorzustoßen und dort die etablierten Marken anzugreifen. Nothing verbaut auf der Rückseite gleich drei Sensoren mit jeweils 50 Megapixeln, die ein breites Spektrum an fotografischen Möglichkeiten abdecken. Während die Hauptkamera mit Sony Sensoren sowie optischer und elektrischer Bildstabilisierung punktet, ist das eigentliche Highlight die Periskop Kamera. Sie bietet einen 3,5 fach optischen Zoom, was in dieser Preisregion eine absolute Seltenheit darstellt und sogar einen digitalen Zoom bis zu einer 140 fachen Vergrößerung ermöglicht, der massiv durch AI unterstützt wird.
Die Aufnahmen der Hauptkamera überzeugen durch gute Schärfe und eine gelungene Dynamik, die selbst in schwierigen Lichtsituationen besteht. Weniger euphorisch fällt das Urteil zur Ultraweitwinkelkamera aus, die qualitativ noch deutlich Luft nach oben hat und nicht ganz mit der Brillanz der anderen Sensoren mithalten kann.
Ein spannendes Feature für Kreative ist das Nothing Playground, über das sich Community Presets und Filter installieren lassen, die beispielsweise den Look von Fuji oder Hasselblad Kameras emulieren.
Bei den Videos schwächelt das Gerät leider an der Front, da die 32 Megapixel Selfie Kamera lediglich Aufnahmen in Full HD bei 30 FPS ermöglicht und kein 4K unterstützt, was für Vlogger ein kleiner Wermutstropfen sein könnte.
Alltagsleistung und Software Experience
Unter der Haube verrichtet der Snapdragon 7 Gen 4 seinen Dienst, ein moderner Prozessor, der speziell für die gehobene Mittelklasse entwickelt wurde. Auch wenn dies kein absoluter High End Chip der 8er Serie ist, liefert der im 4 Nanometer Verfahren gefertigte Prozessor im Alltag eine Performance ab, die sich vor den Flaggschiffen kaum verstecken muss und keinerlei spürbare Hänger produziert.
Das System fühlt sich extrem flott an, was auch an der hervorragenden Optimierung liegt. Unterstützt wird das Gerät je nach Modell von 8 GB oder 12 GB RAM, wobei für eine langfristige Nutzung und die Vorzüge der neuen Software definitiv die größere Variante mit 256 GB Speicher zu empfehlen ist. Die Software Nothing OS 4.1 auf Basis von Android 16 ist eine der optisch ansprechendsten Oberflächen auf dem Markt und bietet einzigartige Widgets sowie Anpassungsmöglichkeiten, die das Betriebssystem fast schon wie ein interaktives Kunstwerk wirken lassen.
Der Akku ist mit 5080 mAh üppig bemessen und ermöglicht eine Screen on Time von etwa sechs bis sieben Stunden, was locker für einen intensiven Tag reicht. Geladen wird mit soliden 50 Watt, auf Wireless Charging muss man aufgrund des speziellen Alugehäuses leider komplett verzichten, was für Nutzer von Ladepads eine Umstellung bedeuten könnte.
Licht und Schatten beim Support
Trotz der vielen positiven Aspekte gibt es beim Nothing Phone (4a) Pro auch Anlass zur berechtigten Kritik, insbesondere wenn es um die langfristige Unterstützung und die Nachhaltigkeit geht. Der Hersteller verspricht lediglich 3 Jahre OS Updates, was bedeutet, dass nach Android 18 bereits Schluss ist und das Gerät softwareseitig veraltet, obwohl die Hardware noch locker länger durchhalten würde. Das ist in der heutigen Zeit ein deutlicher Schwachpunkt, den man auch mit dem attraktiven Preis nur schwer rechtfertigen kann, wenn man bedenkt, dass Nachhaltigkeit oft als Markenwert beworben wird. Immerhin gibt es 6 Jahre lang Sicherheitspatches, was die grundlegende Sicherheit der Daten zumindest langfristig absichert.
Das Gerät verfügt über einen soliden Gehäuseschutz nach IP65, was es gegen Staub und Strahlwasser schützt. Die Glyph Matrix bleibt ein faszinierendes Alleinstellungsmerkmal für alle, die sich von der Masse abheben wollen, zeigt sich in der Praxis jedoch manchmal noch etwas fehleranfällig und wirkt wie ein Beta Produkt, das gelegentliche Neustarts oder das Aus und Einschalten der Software benötigt, um korrekt zu funktionieren.
Wer jedoch ein Smartphone sucht, das durch sein außergewöhnliches Design und eine starke Hardware in fast allen Bereichen überzeugt, findet hier ein sehr potentes Paket mit kleinen Software Kompromissen.
Fazit
Das Nothing Phone (4a) Pro ist die dringend benötigte Kurskorrektur für ein Unternehmen, das nach dem Phone 3 kurzzeitig seinen Weg verloren schien. Es beeindruckt durch ein hochwertiges Aluminium Design, ein rekordverdächtig helles Display und eine Kamera Performance, die dank der Periskop Linse weit über das übliche Mittelklasse Niveau hinausgeht.
Es ist ein Gerät, das zeigt, dass man für ein erstklassiges Smartphone Erlebnis nicht zwangsläufig über tausend Euro ausgeben muss. Während die Performance im Alltag über jeden Zweifel erhaben ist, trüben der Verzicht auf kabelloses Laden und die etwas knappe Update Politik das ansonsten exzellente Gesamtbild. Dennoch ist das Fazit nach zwei Wochen Testzeit eindeutig: Nothing hat mit diesem Gerät bewiesen, dass sie noch immer in der Lage sind, den Markt mit mutigen Entscheidungen und echter Innovation zu bereichern.
Für einen Preis ab 479 Euro erhalten Käufer ein Smartphone mit echtem Charakter, das technisch so viel bietet, dass der Griff zum teuren Flaggschiff für die meisten Nutzer hinfällig wird. Es ist ein echtes Statement Piece für Technikbegeisterte.
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Test
Nothing Phone (4a) Pro
Das Nothing Phone (4a) Pro ist ein beeindruckendes Comeback nach dem enttäuschenden Vorgänger. Es punktet mit einem extrem hellen 144 Hz Display, edler Aluminium-Verarbeitung und einer für diese Preisklasse seltenen Periskop-Kamera. Kritik gibt es nur für die kurze Update-Garantie.
PROS
- Hochwertiger Aluminium-Unibody und exzellente Verarbeitung
- Extrem helles 5000 Nits AMOLED Display mit 144 Hz
- Starke Triple-Kamera inklusive 50 MP Periskop-Linse
- Sehr faires Preis-Leistungs-Verhältnis
CONS
- Nur 3 Jahre Betriebssystem-Updates garantiert
- Kein Wireless Charging
- Ultraweitwinkel-Kamera fällt qualitativ etwas ab
- Selfie-Kamera ohne 4K-Video-Option















