Die Suche nach dem perfekten Preis-Leistungs-Verhältnis gleicht in der Welt der Consumer-Electronics oft der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Manchmal braucht man keine High-End-Technik für dreistellige Beträge, um im Alltag glücklich zu sein. Manchmal reicht es vollkommen aus, wenn die Kopfhörer einfach funktionieren, nicht nach drei Stunden den Dienst quittieren und beim Staubsaugen oder in der S-Bahn das monotone Dröhnen der Umgebung ein wenig dämpfen. Genau in diese Kerbe schlägt der chinesische Tech-Gigant Xiaomi mit den neuen Redmi Buds 8 Lite.
Für einen schmalen Taler von gerade einmal 22,99 Euro verspricht der Hersteller Features, die man sonst eher in der gehobenen Mittelklasse vermutet. Ich habe mir die kleinen Stöpsel im intensiven Alltagstest genau angeschaut und verrate euch, ob der Sparzwang hier an der richtigen Stelle ansetzt oder ob man am Ende doch doppelt kauft.
Design und Komfort im harten Alltagstest
Schon beim ersten Auspacken der kleinen Schachtel wird klar, dass Xiaomi hier das Rad nicht neu erfunden hat, sondern auf bewährte Konzepte setzt. Das Ladecase kommt in einer gewohnten Kieselsteinform daher und ist in den klassischen Farben Schwarz, Weiß und Blau erhältlich. Was beim ersten In-die-Hand-Nehmen sofort auffällt, ist das extrem geringe Gewicht. Mit nur 4,5 Gramm pro Earbud sind die Dinger fast schon beängstigend leicht. Das sorgt in der Praxis zwar für einen sehr angenehmen Tragekomfort, da man sie nach ein paar Minuten im Ohr schlichtweg vergisst, lässt sie aber haptisch auch ein wenig wie Spielzeug wirken.
Der verwendete Hochglanz-Kunststoff sieht schick aus, wenn er frisch aus der Packung kommt, doch ich gebe euch mein Wort: Nach zwei Wochen in der Hosentasche zusammen mit dem Hausschlüssel oder dem Kleingeld werden die ersten Mikrokratzer nicht lange auf sich warten lassen. Wer damit leben kann, bekommt ein ergonomisch gut geformtes In-Ear-Design, das dank der drei mitgelieferten Silikon-Aufsätze in verschiedenen Größen auch bei hektischen Bewegungen oder beim Sprint zu den Öffis stabil im Gehörgang bleibt.
Die Passform ist dabei so gewählt, dass auch nach zwei Stunden Dauernutzung kein unangenehmes Druckgefühl entsteht, was bei preiswerten Modellen oft die größte Schwachstelle ist.
Soundcheck mit ordentlichem Tiefgang
Kommen wir zum Kern der Sache, dem Klang, denn hier scheidet sich meist die Spreu vom Weizen. Xiaomi verbaut in den kleinen Gehäusen einen 12,4 Millimeter großen Titan-Membran-Treiber. Das ist für diese Preisklasse eine echte Ansage, da viele Konkurrenten hier eher auf kleinere 10-Millimeter-Einheiten setzen. In der Praxis liefern die Buds ein Klangbild, das vor allem eines ist: konsequent spaßorientiert. Die Bässe sind präsent und haben ordentlich Wumms, ohne dabei die Mitten komplett zu verschlucken oder in ein matschiges Dröhnen zu verfallen. Wer audiophile Offenbarungen oder eine chirurgische Trennung der Instrumente erwartet, ist hier natürlich an der falschen Adresse, aber für den täglichen Podcast in der Bahn oder die motivierende Playlist beim Sport reicht es locker aus.
Die unterstützten Codecs beschränken sich auf SBC und AAC, was absolut klassenüblich ist und sowohl unter Android als auch iOS für eine stabile Übertragung sorgt. Ein echtes Plus ist die tiefe Integration in die Xiaomi Earbuds App, über die man zwischen fünf verschiedenen EQ-Presets wählen kann. Wenn euch die Standard-Abstimmung zu dumpf oder zu basslastig ist, hilft der Modus für verstärkte Höhen spürbar nach und bringt etwas mehr Klarheit in die Vocals. Kritisch anmerken muss ich jedoch, dass die Auflösung in den hohen Frequenzen bei maximaler Lautstärke etwas zum Klirren neigt und Sibilanten manchmal etwas scharf klingen. Hier merkt man dann doch den technischen Unterschied zu Modellen, die das Vierfache kosten.
Das Versprechen der digitalen Ruhe
Das eigentliche Highlight auf dem Datenblatt ist die aktive Geräuschunterdrückung (ANC), die laut Herstellerangaben bis zu 42 Dezibel an Umgebungslärm schlucken soll. Das klingt nach einer Menge Holz, ist aber ein sehr theoretischer Laborwert. In der Realität filtern die Buds tiefe, monotone Geräusche wie das Brummen einer Klimaanlage, den fernen Straßenlärm oder das Rauschen im Flugzeug recht ordentlich weg. Sobald es aber um unregelmäßige Geräusche wie laute Gespräche von Kollegen im Büro oder das metallische Klappern einer mechanischen Tastatur geht, kommt das System an seine physikalischen Grenzen. Es ist eher eine sanfte, beruhigende Dämpfung als eine totale akustische Isolation.
Ein echtes Highlight ist dagegen der Transparenzmodus, der Umgebungsgeräusche über die Mikrofone gezielt durchlässt. Das ist vor allem im dichten Straßenverkehr oder bei kurzen Durchsagen am Bahnsteig Gold wert, da man die Stöpsel nicht jedes Mal herausnehmen muss. Die Sprachqualität bei Telefonaten ist dank der Dual-Mikrofon-Technik mit KI-Algorithmus für diese Preisklasse überraschend solide. Selbst bei leichtem Wind oder moderaten Hintergrundgeräuschen blieb meine Stimme für das Gegenüber gut verständlich und klang nicht so blechern, wie man es von vielen Budget-Kopfhörern gewohnt ist.
Ausdauer und moderne Technik-Features
In Sachen Durchhaltevermögen lassen die Redmi Buds 8 Lite kaum Wünsche offen und positionieren sich sogar vor einigen teuren Flaggschiffen. Die Earbuds selbst halten mit einer Ladung etwa 8 Stunden durch, bevor sie zurück in die Ladehülle müssen. Zusammen mit dem Akku im Case kommt man auf eine stolze Gesamtlaufzeit von bis zu 36 Stunden. Das reicht bei einer durchschnittlichen Nutzung von ein paar Stunden pro Tag locker für eine ganze Arbeitswoche, ohne dass man nach einem USB-C-Kabel suchen muss. Falls man doch mal vergessen hat zu laden und kurz vor dem Losgehen feststellt, dass die Lichter aus sind, rettet einen die effiziente Schnellladefunktion: Nur 10 Minuten am Kabel bringen rund 2 Stunden Wiedergabezeit.
Ein Feature, das ich in dieser Preisklasse fast schon gefeiert habe, ist die Dual-Device-Konnektivität via Bluetooth 5.4. Ihr könnt die Buds gleichzeitig mit dem Laptop und dem Smartphone koppeln. Wenn ihr also gerade ein YouTube-Video am Rechner schaut und gleichzeitig ein Anruf auf dem Handy reinkommt, schalten die Kopfhörer nahtlos um. Das funktioniert in den meisten Fällen reibungslos, auch wenn die Elektronik manchmal eine Gedenksekunde braucht, um sich zu sortieren.
Abgerundet wird das technische Paket durch eine IP54-Zertifizierung, was bedeutet, dass weder Schweiß beim intensiven Workout noch ein plötzlicher Regenschauer auf dem Heimweg den Buds etwas anhaben können.
Günstig ist nicht gleich billig
Sind die Redmi Buds 8 Lite die besten Kopfhörer der Welt? Sicher nicht. Aber für einen aktuellen Marktpreis von knapp 23 Euro liefern sie ein Gesamtpaket ab, das die Konkurrenz im Supermarktregal oder bei den No-Name-Anbietern auf Online-Plattformen schlichtweg alt aussehen lässt. Man bekommt ein brauchbares ANC, eine hervorragende Akkulaufzeit und einen Klang, der im Alltag einfach Spaß macht und nicht nervt.
Wer über die etwas kratzanfällige Kunststoff-Haptik und die fehlenden High-Res-Codecs wie LDAC hinwegsehen kann, findet hier einen erstklassigen Begleiter für den schmalen Geldbeutel. Es sind ehrliche Kopfhörer für Menschen, die keine Statussymbole im Ohr brauchen, sondern eine zuverlässige Lösung für den täglichen Medienkonsum suchen. Xiaomi beweist hier einmal mehr, dass gute Technik nicht zwangsläufig ein tiefes Loch in das Budget reißen muss.
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Test
Redmi Buds 8 Lite
Die Redmi Buds 8 Lite sind eine beeindruckende Kampfansage an die Billig-Konkurrenz. Für knapp 23 Euro bieten sie ein stabiles Gesamtpaket aus ausdauerndem Akku, dualer Verbindung und einem Klang, der im Alltag schlichtweg Spaß macht. Wer kein High-End-Audio erwartet, wird hier definitiv nicht enttäuscht.
PROS
- Unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis
- Extrem leichtes und bequemes Design
- Starke Akkulaufzeit von bis zu 36 Stunden
- Dual-Device-Pairing vorhanden
- Solide App-Anbindung mit EQ-Optionen
CONS
- ANC bei hohen Frequenzen eher schwach
- Case ist anfällig für Kratzer
- Kein High-Res-Audio Support
- Klang bei maximaler Lautstärke etwas klirrend






















