Mit zwei echten Kameras, einem 60 mm Teleobjektiv, bis zu 17 Blendenstufen Dynamikumfang und D Log 2 möchte DJI aus der Pocket Serie endgültig ein professionelles Filmwerkzeug machen. Die Osmo Pocket 4P ist tatsächlich weit mehr als eine aufgerüstete Pocket 4. Im Test zeigt sich aber auch, dass mehr Möglichkeiten zwangsläufig neue Kompromisse mitbringen.
Vom Vlogging Werkzeug zur kleinen Filmkamera
Die DJI Pocket Serie war schon immer ein wenig sonderbar. Zu klein, um auf den ersten Blick als klassische Kamera ernst genommen zu werden, gleichzeitig aber deutlich leistungsfähiger als viele Geräte, die wesentlich größer und schwerer sind. Spätestens mit der Osmo Pocket 3 hat DJI diese Produktkategorie aus ihrer Nische geholt. Die reguläre Osmo Pocket 4 setzte diesen Weg mit einem neuen Sensor, mehr Dynamikumfang, deutlich stärkerer Zeitlupe und einem insgesamt professionelleren Workflow konsequent fort.
Die Osmo Pocket 4P geht nun den nächsten Schritt, ohne das bekannte Grundkonzept vollständig neu zu erfinden. Der mechanisch stabilisierte Kamerakopf, das schmale Gehäuse, der drehbare Bildschirm und die schnelle Bedienung bleiben erhalten. Die entscheidende Veränderung sitzt direkt im Gimbal, denn dort befinden sich erstmals zwei eigenständige Kameras. Neben der bekannten Weitwinkelkamera mit 20 mm Brennweite besitzt die Pocket 4P eine zweite Kamera mit 60 mm Brennweite.
Das klingt zunächst wie eine typische Erweiterung, wie man sie seit Jahren von Smartphones kennt. Im Alltag verändert sie die Kamera jedoch stärker, als es das Datenblatt vermuten lässt. Bisher waren Pocket Kameras vor allem gut darin, möglichst viel von einer Szene einzufangen. Landschaften, Innenräume, Gruppen, Vlogs und spontane Familienaufnahmen passten problemlos ins Bild. Wollte man ein Motiv enger zeigen, musste man näher herangehen oder das Bild digital beschneiden.
Mit der Pocket 4P kann man erstmals bewusst Abstand halten und trotzdem einen engen Bildausschnitt wählen. Gesichter wirken natürlicher, Hintergründe werden optisch näher an das Motiv gezogen und Details lassen sich isolieren, ohne direkt davorstehen zu müssen. Das macht die 4P nicht automatisch zur besseren Kamera für jeden, aber zur ersten Pocket, die sich weniger wie ein besonders guter Vlogging Begleiter und deutlich stärker wie ein bewusstes filmisches Werkzeug anfühlt.
Größer, breiter und nicht mehr ganz so unauffällig
Die zusätzliche Kamera benötigt Platz. Die Osmo Pocket 4P misst 159,5 × 63,3 × 33,5 Millimeter und wiegt 230 Gramm. Damit bleibt sie deutlich kompakter als praktisch jede Systemkamera, ist aber spürbar größer als die reguläre Pocket 4. Diese bringt 190,5 Gramm auf die Waage und besitzt vor allem einen wesentlich schmaleren Kamerakopf.
In einer Jackentasche verschwindet die 4P weiterhin problemlos. In einer engeren Hosentasche ist sie dagegen kein Gerät mehr, das man vollständig vergisst. Genau darin lag bisher einer der besonderen Reize der Pocket Serie. Man konnte die Kamera fast beiläufig mitnehmen, ohne vorher darüber nachzudenken, ob man sie wirklich benötigen würde. Bei der 4P beginnt man eher, zumindest eine kleine Tasche oder die mitgelieferte Transportlösung einzuplanen.
Das ist noch lange kein großes Hindernis, verändert aber die Rolle des Geräts. Die reguläre Pocket 4 bleibt der unkompliziertere Alltagsbegleiter, während sich die 4P eher nach einer bewussten Entscheidung für einen Drehtag, einen Ausflug oder eine Veranstaltung anfühlt. Sie ist immer noch erstaunlich mobil, aber eben nicht mehr ganz so unauffällig wie ihre schmaleren Schwestermodelle.
Die Verarbeitung ist sehr gut. Der Gimbal bewegt sich präzise, Tasten und Drehmechanismus wirken sauber abgestimmt und der breitere Kamerakopf vermittelt trotz seiner filigranen Konstruktion genügend Stabilität. Empfindlich bleibt das System dennoch. Zwei Objektive, ein beweglicher Gimbal und ein vergleichsweise großer Bildschirm sind keine Kombination, die man sorglos zwischen Schlüsselbund, Ladegeräten und anderen Gegenständen in einen Rucksack werfen sollte.
Auch ein Schutz vor Wasser, Sand oder Staub fehlt weiterhin. Für einen Stadtspaziergang bei trockenem Wetter ist das kein Problem. Am Strand, bei Regen oder auf staubigen Wegen verlangt die Kamera jedoch mehr Aufmerksamkeit als eine klassische Actionkamera. Gerade angesichts des professionelleren Anspruchs wäre zumindest ein grundlegender Schutz gegen Spritzwasser wünschenswert gewesen.
Bedienung mit kurzen Wegen und kleinen Grenzen
Der grundlegende Bedienkomfort gehört weiterhin zu den größten Stärken der Pocket Serie. Bildschirm drehen, Kamera hochfahren lassen und aufnehmen. Zwischen dem Entdecken einer Szene und dem Beginn der Aufnahme vergehen nur wenige Sekunden. Diese Geschwindigkeit klingt banal, ist im Alltag aber einer der wichtigsten Gründe, warum man eine kleine Kamera tatsächlich häufiger verwendet als ein technisch überlegenes, aber deutlich aufwendigeres System.
Der 2 Zoll Touchscreen löst mit 556 × 314 Pixeln auf und erreicht eine Helligkeit von bis zu 1000 Nits. Für die Wahl des Bildausschnitts, das Navigieren durch Menüs und die schnelle Kontrolle einer Aufnahme ist das ausreichend. Selbst bei hellem Tageslicht bleibt die Anzeige meistens gut erkennbar. Für eine genaue Beurteilung des Fokus, feiner Details oder heller Bildbereiche bleibt ein Display dieser Größe naturgemäß eingeschränkt.
DJI kombiniert die Touch Bedienung deshalb sinnvoll mit physischen Tasten. Besonders praktisch ist die Taste zum Wechseln der Vergrößerung. Mit einem Druck springt die Kamera von 1× zur echten 3× Telekamera oder wieder zurück. Ein doppelter Druck aktiviert 6×, längeres Drücken ermöglicht einen gleichmäßigen Zoom. Der direkte Wechsel zwischen 20 mm und 60 mm funktioniert dadurch schneller und sicherer, als jedes Mal einen kleinen virtuellen Regler auf dem Display treffen zu müssen.
Die Menüs sind grundsätzlich logisch aufgebaut, inzwischen aber deutlich umfangreicher als bei früheren Pocket Generationen. Aufnahmeprofil, Filmlook, Fokusmodus, Tracking, Audioeinstellungen, Gestensteuerung und Gimbal Verhalten ergeben eine Vielzahl an Möglichkeiten. Wer nur gelegentlich filmt, wird manche Funktion nicht auf Anhieb finden. Für eine Kamera mit professionellerem Anspruch ist diese Tiefe sinnvoll, allerdings sind die Zeiten endgültig vorbei, in denen man eine Pocket lediglich einschalten und dauerhaft in der Automatik verwenden musste.
Zwei echte Kameras statt eines einfachen Sensor Crops
Das Kamerasystem besteht aus einer Hauptkamera mit 1 Zoll CMOS Sensor, 20 mm Brennweite und einer Blende von f/2,0. Die Naheinstellgrenze liegt bei ungefähr neun Zentimetern. Die zweite Kamera verwendet einen 1/1,28 Zoll CMOS Sensor, eine Brennweite von 60 mm und eine vergleichsweise offene Blende von f/1,8. Sie kann Motive ab ungefähr 20 Zentimetern fokussieren.
Wichtig ist, dass DJI nicht einfach einen Ausschnitt aus dem Bild der Hauptkamera verwendet. Hinter dem 60 mm Objektiv sitzt ein eigener Sensor. Es handelt sich also um eine echte zweite Kamera mit einer eigenen optischen Perspektive. Beide Kameras zeichnen allerdings nicht gleichzeitig auf. Die Pocket 4P wechselt abhängig von der gewählten Vergrößerung zwischen den Modulen. Bei 1× arbeitet die Hauptkamera, bei 3× übernimmt die Telekamera. Dazwischen und darüber kommen digitale Vergrößerung und interne Bildverarbeitung zum Einsatz.
Das hat klare Vorteile, aber auch Konsequenzen. Ein echtes 60 mm Objektiv liefert wesentlich überzeugendere Ergebnisse als ein starker digitaler Ausschnitt. Gleichzeitig können sich beim Wechsel zwischen den Kameras Belichtung, Schärfeeindruck, Weißabgleich und Rauschverhalten leicht verändern. DJI stimmt die Farbwiedergabe beider Module gut aufeinander ab, ganz unsichtbar bleibt der Wechsel jedoch nicht.
Besonders bei wenig Licht oder bei sehr feinen Strukturen lässt sich erkennen, dass zwei unterschiedliche Sensoren arbeiten. Für professionelle Aufnahmen ist es deshalb meist besser, sich vor Beginn eines Takes für eine Brennweite zu entscheiden. Ein kontinuierlicher Zoom durch den gesamten Bereich sieht technisch beeindruckend aus, ist filmisch aber nicht immer die überzeugendste Lösung.
Die Hauptkamera setzt den Qualitätsmaßstab
Die Weitwinkelkamera bleibt die technisch stärkere der beiden Kameras. Der neue gestapelte 1 Zoll Sensor arbeitet mit LOFIC Technologie und soll im D Log 2 Profil einen Dynamikumfang von bis zu 17 Blendenstufen erreichen. Solche Angaben entstehen unter kontrollierten Bedingungen und lassen sich nicht ohne Weiteres mit den Werten großer Kinokameras vergleichen. Der praktische Fortschritt ist dennoch sichtbar.
Besonders bei Gegenlicht bewahrt die Pocket 4P erstaunlich viele Details. Steht eine Person vor einem hellen Fenster, muss die Kamera weniger aggressiv zwischen Gesicht und Hintergrund priorisieren. Wolkenstrukturen bleiben länger erhalten, während dunklere Bildbereiche nicht sofort vollständig absaufen. Auch bei Stadtaufnahmen mit hellen Schaufenstern, beleuchteten Werbetafeln und schattigen Fassaden zeigt sich der größere Spielraum.
Direkt aus der Kamera liefert das Standardprofil kräftige, aber nicht übertrieben wirkende Farben. Hauttöne erscheinen überwiegend natürlich und feine Farbunterschiede bleiben besser erhalten als bei kleineren Actionkamerasensoren. Die Detaildarstellung ist hoch, ohne sofort künstlich überschärft zu wirken. Gerade dünne Äste, Haarstrukturen und feine Muster können kompakte Kameras schnell an ihre Grenzen bringen, werden von der Pocket 4P bei ausreichend Licht jedoch überzeugend aufgelöst.
Auch die Rauschreduzierung arbeitet vergleichsweise zurückhaltend. Gleichmäßige Flächen werden nicht vollständig glattgebügelt, wodurch mehr natürliche Struktur im Bild erhalten bleibt. Das wirkt bei einer späteren Bearbeitung angenehmer als ein bereits stark weichgezeichnetes Ausgangsmaterial und gibt dem Material insgesamt einen weniger digitalen Charakter.
D Log 2 bietet viel Spielraum, aber nicht mit jeder Kamera
Das neue 10 Bit D Log 2 Profil gehört zu den wichtigsten Neuerungen der Osmo Pocket 4P. Es zeichnet mehr als eine Milliarde Farbabstufungen auf und erhält wesentlich mehr Informationen in hellen und dunklen Bildbereichen als das normale Farbprofil. Das unbearbeitete Material wirkt zunächst flach, kontrastarm und wenig spektakulär. Genau darin liegt der Sinn eines Log Profils, denn Farben, Kontrast und Helligkeit sollen erst später gezielt angepasst werden.
Wer in DaVinci Resolve, Final Cut Pro oder Adobe Premiere arbeitet, erhält dadurch deutlich mehr Kontrolle. Ein zu heller Himmel kann zurückgeholt, ein dunkles Gesicht angehoben und die allgemeine Farbstimmung wesentlich präziser gestaltet werden. Besonders beeindruckend ist, wie sauber sich Schattenbereiche bearbeiten lassen. Natürlich entsteht irgendwann sichtbares Rauschen, der Punkt, an dem das Bild auseinanderfällt, liegt aber deutlich später als bei früheren Pocket Generationen.
Die entscheidende Einschränkung steckt im Detail. D Log 2 funktioniert nur bei 1×, also mit der Hauptkamera. Wer auf die 60 mm Telekamera wechselt, kann den maximalen Dynamikumfang des neuen Profils nicht vollständig nutzen. Gerade Porträts und inszenierte Aufnahmen, für die das Teleobjektiv besonders interessant ist, würden ebenfalls von den zusätzlichen Reserven profitieren.
Wer innerhalb eines Projekts zwischen Hauptkamera und Telekamera wechselt, muss daher stärker auf eine konsistente Belichtung und spätere Farbanpassung achten. DJI stimmt die Module grundsätzlich gut ab, vollständig identisches Material entsteht aber nicht. Für Nutzer, die möglichst schnell ein fertiges Ergebnis möchten, bietet die Kamera zusätzlich sechs integrierte Filmlooks. CC Film, NC Film, Pastel, Warm Tone, Movie und Retro stehen jeweils in mehreren Intensitätsstufen zur Verfügung und liefern besonders in niedriger Dosierung brauchbare Ergebnisse.
Das 60 mm Tele verändert den Blick auf eine Pocket Kamera
Die Telekamera ist der eigentliche Grund, sich für die 4P zu interessieren. Ihre 60 mm Brennweite entspricht einer klassischen Perspektive für Porträts, Interviews, Produktdetails und dokumentarische Aufnahmen. Mit dem 20 mm Weitwinkel wirkt die Umgebung groß, nah und dynamisch. Das ist hervorragend für Vlogs und Landschaften, kann Gesichter aus kurzer Distanz aber sichtbar verzerren. Nase und Stirn treten stärker hervor, während Ohren und Hinterkopf kleiner wirken.
Bei 60 mm werden die Proportionen natürlicher dargestellt. Gleichzeitig rückt der Hintergrund optisch näher an die Person heran. Diese Kompression verleiht dem Bild mehr Ruhe und wirkt häufig hochwertiger. Die offene Blende von f/1,8 sorgt zusammen mit dem Sensor für eine erkennbare Hintergrundunschärfe. DJI spricht von einer Wirkung, die ungefähr f/6,3 an einer Vollformatkamera entspricht. Das ist kein extrem weiches Bokeh, reicht aber aus, um ein Motiv sichtbar von seiner Umgebung zu trennen.
Der Effekt wirkt natürlicher als eine rein softwarebasierte Porträtunschärfe. Haare, Brillenränder und kleine Zwischenräume müssen nicht künstlich freigestellt werden. Die Schärfe fällt optisch ab, statt durch eine digitale Maske simuliert zu werden. Gerade bei Interviews kann die Kamera dadurch etwas weiter entfernt aufgestellt werden, ohne dass die Person klein im Bild erscheint.
Auch bei Produktaufnahmen ist die zweite Brennweite ein großer Vorteil. Eine Taste, ein Kameramodul oder eine Materialoberfläche kann groß im Bild erscheinen, ohne dass das Objektiv fast auf dem Produkt aufliegt. Auf Veranstaltungen lassen sich Bühnen, Vorträge oder Personen in einer Menschenmenge näher heranholen, ohne sich physisch durch den gesamten Raum bewegen zu müssen.
Ab 6× und darüber nimmt der digitale Anteil allerdings sichtbar zu. Die maximale 12× Vergrößerung ist nützlich, um entfernte Motive überhaupt zu erkennen oder das Tracking zu unterstützen. Sie ersetzt jedoch kein echtes langes Teleobjektiv. Feine Details werden weicher und kleine Bewegungen fallen stärker auf. Für eine hochwertige Hauptaufnahme würden wir deshalb möglichst bei 3× bleiben und das Bild später nur vorsichtig beschneiden.
Stark bei Nacht, solange man die richtige Kamera verwendet
Die Hauptkamera liefert bei wenig Licht überzeugende Ergebnisse. Der große Sensor und die offene Blende ermöglichen helle Bilder, ohne dass die Empfindlichkeit sofort extrem angehoben werden muss. Straßenbeleuchtung, Schaufenster und Leuchtreklamen behalten vergleichsweise viel Struktur, während dunkle Flächen nicht vollständig glattgebügelt werden. Farben kippen außerdem weniger schnell ins Unnatürliche als bei vielen kleineren Kameras.
Der spezielle Low Light Modus reduziert Rauschen und hebt dunkle Bildbereiche an. Das Ergebnis ist für eine kompakte Kamera beachtlich, wirkt bei genauer Betrachtung aber stärker verarbeitet als das normale Material. Bewegte Personen können etwas weicher erscheinen, weil die Kamera Helligkeit, Rauschreduzierung und Bewegungsdarstellung miteinander ausbalancieren muss. Bei sehr wenig Licht gehen feine Strukturen zunehmend verloren.
Die Telekamera fällt bei Nacht deutlicher zurück. Ihr Sensor ist kleiner, wodurch Rauschen früher sichtbar wird. Die offene Blende von f/1,8 hilft zwar, kann den Flächenunterschied zur Hauptkamera aber nicht vollständig kompensieren. In gut beleuchteten Innenräumen, während der blauen Stunde oder unter kräftiger Straßenbeleuchtung bleibt das 60 mm Modul brauchbar. In sehr dunklen Situationen liefert die Hauptkamera jedoch das klarere und stabilere Bild.
Das ist kein ungewöhnliches Verhalten. Auch Smartphones mit mehreren Kameras zeigen häufig deutliche Qualitätsunterschiede zwischen Hauptkamera und Telemodul. Bei einem Gerät mit professionellerem Anspruch sollte man diese Abweichung dennoch kennen. Ein Motiv kann bei Nacht mit 60 mm besser komponiert aussehen, technisch liefert die 20 mm Kamera aber oft die sauberere Aufnahme.
Zeitlupe auf einem bemerkenswert hohen Niveau
Die Hauptkamera nimmt Zeitlupen mit bis zu 4K und 240 Bildern pro Sekunde auf. Die Telekamera erreicht maximal 4K und 200 Bilder pro Sekunde. Damit lassen sich schnelle Bewegungen extrem stark verlangsamen. Wasser, Sport, Tiere, wehende Stoffe oder kleine mechanische Abläufe werden mit einer Detailfülle eingefangen, die vor einigen Jahren deutlich größere und teurere Kameras erforderte.
Der Unterschied zwischen 200 und 240 Bildern pro Sekunde ist in der Praxis weniger relevant, als es die Zahlen vermuten lassen. Beide Modi bieten enorme Reserven. Entscheidend ist vielmehr, dass die Kamera ausreichend Licht erhält. Hohe Bildraten benötigen kurze Belichtungszeiten. In dunklen Innenräumen steigt deshalb das Rauschen und die Aufnahme kann sichtbar weicher werden.
Die Zeitlupe ist außerdem kein Modus für jede Szene. Ein langsamer Spaziergang wird nicht automatisch spannender, nur weil er stark verlangsamt wird. Gezielt eingesetzt kann sie aber einen beeindruckenden visuellen Akzent setzen. Für normale Produktionen bleibt 4K mit 50 oder 60 Bildern pro Sekunde häufig die sinnvollere Einstellung, da Bewegungen flüssig aussehen, die Datenmenge beherrschbar bleibt und in der Nachbearbeitung immer noch eine moderate Verlangsamung möglich ist.
Vertikale Aufnahmen werden ebenfalls unterstützt. Die vollständige 4K Auflösung steht im vertikalen Modus allerdings nicht in jeder Konfiguration zur Verfügung. Wer hauptsächlich für Instagram Reels, TikTok oder YouTube Shorts produziert, sollte die gewünschte Auflösung und Bildrate deshalb vor dem eigentlichen Dreh kontrollieren.
Autofokus und Tracking werden vielseitiger
Die Pocket 4P verwendet einen intelligenten Autofokus mit Full Pixel PDAF. Neben der normalen kontinuierlichen Fokussierung stehen mehrere spezialisierte Modi zur Verfügung. Im Produktpräsentationsmodus priorisiert die Kamera Gegenstände, die vor das Objektiv gehalten werden. Das ist besonders für Technikvideos, Unboxings oder Kosmetikaufnahmen hilfreich. Ein Smartphone, Kopfhörer oder anderes Produkt wird schnell erkannt und scharfgestellt. Sobald es aus dem Bild verschwindet, wandert der Fokus zurück zum Gesicht.
ActiveTrack 8.0 funktioniert über den gesamten Brennweitenbereich und wird sogar bei einer Vergrößerung von bis zu 12× unterstützt. Je stärker gezoomt wird, desto anspruchsvoller wird die Aufgabe, denn ein kleiner Fehler reicht dann aus, damit ein Motiv den engen Bildausschnitt verlässt. In gutem Licht arbeitet das Tracking dennoch sehr zuverlässig. Personen werden schnell erkannt und auch nach einer kurzen Verdeckung häufig wieder aufgenommen.
Besonders interessant ist die Mehrpersonenverfolgung. Die Kamera kann bis zu acht Personen erkennen und versucht, die Gruppe sinnvoll im Bild zu halten. Bis zu drei wichtige Personen lassen sich zusätzlich priorisieren. Das ist bei Familienaufnahmen, Präsentationen oder kleinen Gruppen ausgesprochen praktisch. Zoom steht während der aktiven Mehrpersonenverfolgung allerdings nicht zur Verfügung, weshalb der gewünschte Bildausschnitt vorher eingestellt werden muss.
Auch die Gestensteuerung ist integriert. Mit einer geöffneten Handfläche lassen sich Tracking Funktionen aktivieren oder beenden. Ein V Zeichen startet eine Aufnahme oder löst ein Foto nach kurzem Countdown aus. Bei der Telekamera können solche Gesten aus größerer Entfernung verwendet werden, was besonders dann sinnvoll ist, wenn die Kamera auf einem Stativ steht und keine zweite Person hinter ihr wartet.
Der mechanische Gimbal bleibt dem Smartphone voraus
Smartphones stabilisieren Videos inzwischen hervorragend. Elektronische und optische Verfahren gleichen Schritte, kleine Drehbewegungen und Erschütterungen erstaunlich wirksam aus. Die Aufnahmen einer mechanisch stabilisierten Pocket wirken trotzdem anders. Der 3 Achsen Gimbal richtet die Kamera tatsächlich neu aus, statt nur einen Ausschnitt des Sensors digital zu verschieben.
Schwenks sehen dadurch organischer aus. Die Kamera folgt Bewegungen mit einem kontrollierten Anlauf und stoppt weniger abrupt. Gerade bei langsamen Kamerafahrten entsteht ein deutlich filmischerer Eindruck. Beim Gehen bleibt zwar eine leichte vertikale Bewegung erkennbar, weil kein Gimbal die Auf und Ab Bewegung des gesamten Körpers vollständig ausgleichen kann. Mit einer ruhigen Gehweise lassen sich dennoch sehr gleichmäßige Sequenzen aufnehmen.
Die Telekamera profitiert besonders stark von der mechanischen Stabilisierung. Bei 60 mm werden kleine Handbewegungen wesentlich deutlicher sichtbar als im Weitwinkel. Der Gimbal hält die Aufnahme erstaunlich ruhig und macht das Teleobjektiv aus der Hand tatsächlich sinnvoll nutzbar.
Verschiedene Gimbal Modi bestimmen, wie direkt die Kamera den Bewegungen folgt. Für die meisten Situationen eignet sich der normale Folgemodus. Ein gesperrter Horizont sorgt für ruhige Schwenks, während der FPV Modus bewusst mehr Bewegung übernimmt. Geschwindigkeit und Reaktion lassen sich anpassen, wodurch die Kamera sowohl für ruhige Landschaftsaufnahmen als auch für dynamische Motive geeignet ist.
FrameTap macht die Pocket 4P zur besseren Solokamera
Der kleine integrierte Bildschirm ist einerseits Teil des kompakten Konzepts, andererseits eine klare Grenze. Genau hier setzt der optionale Osmo FrameTap Monitor an. FrameTap ist ein kompakter Touchscreen Monitor und gleichzeitig eine Fernbedienung. Nach der Verbindung zeigt er das Livebild der Pocket 4P und ermöglicht es, den Gimbal zu bewegen, Aufnahmemodi zu wechseln und gespeicherte Clips zu kontrollieren.
Durch einen doppelten Fingertipp auf das Livebild wird ein Motiv ausgewählt und ActiveTrack aktiviert. Auch das Umschalten der Kamerarichtung, die Kontrolle des Speicherplatzes und die Überprüfung des Akkustands sind direkt über den Monitor möglich. DJI gibt eine maximale Steuerungsdistanz von bis zu 25 Metern an. Für eine besonders stabile Verbindung empfiehlt das Unternehmen einen Abstand von weniger als zehn Metern, was für den typischen Einsatz auf einem Stativ mehr als ausreichend ist.
Für Solo Creator ist FrameTap eine der sinnvollsten Erweiterungen der gesamten Pocket 4P. Die Kamera kann einige Meter entfernt stehen, während man selbst Bildausschnitt, Position und Tracking kontrolliert. Bei Moderationen, Produktvorstellungen, Interviews oder Gruppenaufnahmen reduziert das die Zahl der misslungenen Takes erheblich. Auch ungewöhnliche Kamerapositionen werden einfacher, weil die Pocket niedrig über dem Boden, auf einem Regal oder hinter einem Objekt platziert werden kann, ohne dass man ständig zum eingebauten Display sehen muss.
Dass DJI FrameTap nun auch als Zubehör für die Pocket 4P anbietet, wirkt kaum zufällig. Insta360 hat mit der Luna Ultra gezeigt, wie nützlich ein abnehmbarer Bildschirm bei einer kompakten Gimbalkamera sein kann. Bei der Luna Ultra ist der 2 Zoll OLED Bildschirm fester Bestandteil des Kamerakonzepts. Er sitzt im normalen Betrieb direkt an der Kamera und lässt sich bei Bedarf abnehmen. Die drahtlose Bildübertragung funktioniert laut Hersteller bis zu 20 Meter weit.
DJI beantwortet dieses Konzept mit einer flexibleren, aber weniger eleganten Lösung. FrameTap muss als separates Zubehör gekauft, transportiert und geladen werden. Er ist nicht so selbstverständlich in das Gehäuse integriert wie das Display der Luna Ultra. Dafür kann DJI die Fernsteuerung als Teil eines größeren Osmo Systems verwenden. Nutzer, die keinen externen Monitor benötigen, müssen außerdem weder zusätzliches Gewicht noch einen dauerhaft integrierten Mechanismus mittragen.
Für die Pocket 4P schließt FrameTap damit eine wichtige Lücke. Insta360 gewinnt beim originelleren und besser integrierten Design, DJI bietet dagegen den modulareren Ansatz. Wer den Monitor benötigt, ergänzt ihn. Wer ausschließlich aus der Hand filmt, kann bei der schlankeren Grundausstattung bleiben.
Audio, Speicher und Übertragung sind praxisnah gelöst
Die Pocket 4P besitzt drei integrierte Mikrofone. Für spontane Aufnahmen, Umgebungsgeräusche und kurze Moderationen in ruhigen Situationen ist die Qualität ordentlich. Stimmen werden klar aufgenommen und die interne Verarbeitung reduziert leichte Windgeräusche. Bei stärkerem Wind oder lauter Umgebung erreicht das kleine Mikrofonsystem allerdings schnell seine Grenzen.
DJI integriert die Pocket 4P direkt in das eigene Funksystem. Bis zu zwei kompatible DJI Mikrofonsender lassen sich ohne separaten Empfänger mit der Kamera verbinden. Unterstützt werden unter anderem DJI Mic 2, DJI Mic 3 und verschiedene Mic Mini Modelle. Nach der ersten Kopplung verbinden sich die Sender bei späteren Aufnahmen automatisch.
Dieser Workflow gehört zu den größten Vorteilen des DJI Ökosystems. Kamera einschalten, Sender am Sprecher befestigen und aufnehmen. Zusätzliche Empfänger, Kabel und Halterungen entfallen. Gerade bei kleinen Produktionen oder einem Ein Personen Setup reduziert das die Vorbereitung erheblich.
Der interne Speicher umfasst 103 GB. Damit ist die Kamera auch dann einsatzbereit, wenn keine Speicherkarte eingelegt wurde. Eine microSD Karte mit bis zu 1 TB kann zusätzlich verwendet werden. Der interne Speicher ist besonders für spontane Aufnahmen angenehm, denn eine vergessene Karte bedeutet nicht mehr automatisch das Ende eines Drehs.
Per USB C und USB 3.1 können Daten mit theoretisch bis zu 800 MB pro Sekunde übertragen werden. In der Praxis hängt das Ergebnis vom Computer, Kabel und verwendeten Datenträger ab. Große Videodateien lassen sich dennoch wesentlich schneller sichern als bei vielen Kameras mit älteren USB Standards. Eine drahtlose Übertragung mit bis zu 90 MB pro Sekunde wird ebenfalls unterstützt. Für einzelne Clips ist das praktisch, bei umfangreichem 4K Material bleibt die Kabelverbindung aber die vernünftigere Lösung.
Gute Akkulaufzeit mit einem kleinen Rückschritt
Der integrierte Akku besitzt eine Kapazität von 1545 mAh. DJI nennt eine maximale Laufzeit von bis zu 210 Minuten. Dieser Wert wird bei 1080p mit 24 Bildern pro Sekunde, ausgeschaltetem Display und deaktiviertem WLAN erreicht. Im normalen Betrieb mit 4K, aktivem Bildschirm, Autofokus und Tracking fällt die Laufzeit entsprechend kürzer aus.
Für mehrere kurze Drehs über einen Tag verteilt reicht der Akku dennoch gut aus. Wer längere Veranstaltungen oder durchgehende Interviews aufnimmt, sollte eine externe Stromversorgung oder den optionalen Akkugriff einplanen. Die Schnellladefunktion arbeitet sehr überzeugend. Mit einem geeigneten Netzteil erreicht die Kamera 80 Prozent in ungefähr 18 Minuten, eine vollständige Ladung dauert etwa 32 Minuten.
Der Akkugriff verlängert die Aufnahmezeit um ungefähr 150 Minuten und unterstützt den Wechsel im laufenden Betrieb. Gleichzeitig vergrößert er die Grifffläche, wodurch die Kamera in größeren Händen angenehmer liegt. Etwas überraschend ist, dass die reguläre Pocket 4 eine längere maximale Laufzeit von 240 Minuten erreicht. Beide Modelle verwenden dieselbe Akkukapazität, das Dual Kamerasystem und die zusätzliche Verarbeitung der 4P benötigen offenbar mehr Energie.
Der Unterschied ist im Alltag kein Ausschlusskriterium, sollte bei längeren Drehs aber berücksichtigt werden. Die professionellere Pocket ist ausgerechnet das weniger ausdauernde Modell.
Zubehör zwischen sinnvoller Erweiterung und wachsendem Gepäck
Zur Pocket 4P steht ein umfangreiches Zubehörsystem zur Verfügung. Dazu gehören ND Filter, Black Mist Filter, ein Weitwinkelvorsatz, ein Fülllicht, verschiedene Griffe, ein Mini Stativ, der Akkugriff und FrameTap. Viele dieser Erweiterungen sind sinnvoll und können den Einsatzbereich der Kamera deutlich vergrößern.
Das kleine Fülllicht wird direkt an der Kamera befestigt. Es bietet drei Helligkeitsstufen und drei Farbtemperaturen mit 2800 Kelvin, 4000 Kelvin und 5500 Kelvin. Für kurze Moderationen, Produktaufnahmen und Gesichter aus geringem Abstand ist das hilfreich, eine richtige Videoleuchte ersetzt es aber nicht. Mit zunehmender Entfernung fällt die Wirkung schnell ab.
ND Filter sind besonders bei Tageslicht sinnvoll. Sie erlauben längere Belichtungszeiten und dadurch eine natürlichere Bewegungsunschärfe. Wer nach klassischen filmischen Regeln mit einer Belichtungszeit ungefähr entsprechend der doppelten Bildrate arbeitet, kommt bei hellem Sonnenlicht kaum ohne Filter aus. Der Black Mist Filter reduziert harte digitale Kontraste und erzeugt weichere Lichtquellen, während der Weitwinkelvorsatz das Sichtfeld für enge Räume, Architektur oder sehr nahe Vlogs erweitert.
Das Zubehör ist sinnvoll, führt aber zu einem bekannten Problem. Aus einer Kamera, die ursprünglich für maximale Einfachheit entwickelt wurde, entsteht schnell ein komplettes System. Pocket 4P, Akkugriff, FrameTap, Funkmikrofon, Filter, Stativ und Licht benötigen gemeinsam wieder eine eigene Tasche. Die Kamera bleibt kompakter als ein klassisches Setup, der ursprüngliche Vorteil der Hosentaschenkamera wird aber zunehmend relativ.
DJI Osmo Pocket 4P gegen Osmo Pocket 4
Die reguläre Osmo Pocket 4 (zu unserem Test) ist keine abgespeckte Einsteigerkamera. Sie besitzt ebenfalls einen gestapelten 1 Zoll Sensor, eine Blende von f/2,0, einen 20 mm Bildwinkel, 4K Zeitlupe mit bis zu 240 Bildern pro Sekunde und ein professionelles 10 Bit D Log Profil. Ihr Dynamikumfang liegt laut DJI bei bis zu 14 Blendenstufen.
Der Unterschied zu den maximal 17 Blendenstufen der 4P ist vor allem in extrem kontrastreichen Szenen und bei intensiver Nachbearbeitung sichtbar. Für normale Reisevideos, Vlogs und Alltagsaufnahmen liefert die Pocket 4 bereits eine hervorragende Qualität. Wer seine Clips nur leicht bearbeitet oder direkt aus der Kamera verwendet, wird den zusätzlichen Spielraum der 4P nicht ständig benötigen.
Die Pocket 4 bietet einen verlustfreien 2× Zoom und unterstützt ActiveTrack bis zu einer 4× Vergrößerung. Eine echte Teleperspektive entsteht dadurch nicht. Gesichter und Hintergründe behalten den Charakter der 20 mm Optik. Genau hier liegt der entscheidende Vorteil der 4P. Das 60 mm Objektiv verändert die Perspektive physisch. Es ist nicht nur ein engerer Ausschnitt, sondern eine andere Art der Bildgestaltung.
Die reguläre Pocket 4 ist mit 190,5 Gramm leichter, schmaler und unauffälliger. Sie bietet außerdem 107 GB internen Speicher und eine maximale Akkulaufzeit von 240 Minuten. Die 4P wiegt 230 Gramm, besitzt 103 GB Speicher und erreicht maximal 210 Minuten. Sie ist damit in drei klassischen Mobilitätsdisziplinen sogar leicht unterlegen.
Wer hauptsächlich sich selbst aus kurzer Entfernung filmt, Landschaften aufnimmt oder eine möglichst kleine Reisekamera sucht, fährt mit der regulären Pocket 4 wahrscheinlich besser. Die Pocket 4P lohnt sich vor allem für Nutzer, die regelmäßig Porträts, Interviews, Veranstaltungen, Produkte oder entfernte Details filmen. Sie bietet nicht einfach eine höhere Qualität, sondern deutlich mehr gestalterische Möglichkeiten.
Für Besitzer einer Pocket 4 ist das Upgrade deshalb vor allem eine Frage der Brennweite. Wer bisher ständig digital in das Bild hineinzoomen oder seine Position verändern musste, wird die 60 mm Kamera schnell schätzen. Wer fast ausschließlich bei 1× filmt, erhält durch einen Wechsel deutlich weniger Mehrwert.
DJI Osmo Pocket 4P gegen Insta360 Luna Ultra
Die Insta360 Luna Ultra ist nicht nur eine Alternative, sondern der erste echte Konkurrent, der DJI in dieser Produktklasse ernsthaft unter Druck setzt. Auch Insta360 verwendet ein Dual Kamerasystem mit einer 20 mm Hauptkamera und einer 60 mm Telekamera. Die Hauptkamera besitzt einen 1 Zoll Sensor und eine Blende von f/1,8, die Telekamera kombiniert einen 1/1,3 Zoll Sensor mit einer Blende von f/2,0.
Die Luna Ultra arbeitet mit Leica Summicron Objektiven und bietet verschiedene Leica Farbprofile. Leica Natural, Leica Vivid und Leica Chrome liefern unterschiedliche Farbstimmungen direkt aus der Kamera. DJI setzt stärker auf einen neutralen Ausgangspunkt und professionelle Nachbearbeitung. D Log 2 bietet bis zu 17 Blendenstufen, während Insta360 bei der Luna Ultra bis zu 14 Blendenstufen nennt.
Insta360 kontert mit einer höheren maximalen Auflösung. Die Luna Ultra zeichnet 8K mit bis zu 30 Bildern pro Sekunde und Dolby Vision auf. Zusätzlich stehen 4K mit bis zu 120 Bildern pro Sekunde sowie 1080p mit bis zu 240 Bildern pro Sekunde zur Verfügung. Die Pocket 4P bleibt auf 4K beschränkt, bietet dafür wesentlich stärkere Zeitlupe in voller Auflösung. Die Hauptkamera erreicht 4K mit 240 Bildern pro Sekunde, die Telekamera 4K mit 200 Bildern pro Sekunde.
8K ist vor allem für nachträgliche Bildausschnitte und größere Produktionen interessant. Die Datenmengen sind hoch und die Bearbeitung benötigt leistungsfähige Hardware. Für die meisten Veröffentlichungen bleibt 4K das wesentlich praktischere Format. Insta360 bietet mit PureVideo außerdem einen speziellen Modus für schlechte Lichtverhältnisse, der Rauschen reduzieren und dunkle Bereiche sichtbar aufhellen soll. DJI wirkt bei der natürlichen Detaildarstellung und beim Dynamikumfang der Hauptkamera stärker, Insta360 setzt sichtbarer auf intelligente Verarbeitung und ein möglichst fertiges Ergebnis direkt aus der Kamera.
Beim Zoom geht die Luna Ultra offensiver vor. Sie bietet bis zu 12× und bezeichnet den Bereich bis 6× beziehungsweise 120 mm als verlustfrei. Mehrere feste Brennweitenstufen sollen den Wechsel zwischen Landschaft, Normalperspektive, Porträt und Tele erleichtern. DJI konzentriert sich stärker auf die zwei echten optischen Perspektiven bei 20 mm und 60 mm. Höhere Zoomstufen sind verfügbar, verlieren aber zunehmend an Detail.
Der auffälligste Unterschied liegt beim Display. Die Luna Ultra besitzt einen abnehmbaren 2 Zoll OLED Touchscreen, der direkt an der Kamera als normaler Bildschirm dient und für Soloaufnahmen abgenommen werden kann. Das Livebild wird bis zu 20 Meter weit übertragen. Gleichzeitig enthält das Display ein eigenes Mikrofon. Eine einzelne Person kann sich dadurch vor der Kamera positionieren, den Bildausschnitt kontrollieren und ihre Stimme näher am Körper aufnehmen.
DJI benötigt dafür den optionalen FrameTap Monitor. Dieser bietet ähnliche Möglichkeiten und erreicht nominell sogar bis zu 25 Meter Steuerungsdistanz, ist allerdings kein fester Bestandteil der Kamera. Das Konzept von Insta360 ist eleganter, weil das Display immer vorhanden ist und sich bei Bedarf einfach abnehmen lässt. Bei DJI muss ein zusätzliches Gerät gekauft und mitgeführt werden.
DJI besitzt wiederum den Vorteil der Modularität. Nutzer, die keinen externen Monitor benötigen, tragen kein zusätzlich integriertes System mit sich. FrameTap kann außerdem innerhalb eines größeren Osmo Ökosystems verwendet werden. Bei der Laufzeit liegt die Luna Ultra mit bis zu 240 Minuten vor der Pocket 4P. DJI bietet dafür mit 103 GB deutlich mehr internen Speicher als die 47 GB der Insta360.
Auch beim professionellen Workflow setzt Insta360 eigene Akzente. Die Luna Ultra unterstützt 10 Bit I Log, ACES Farbmanagement und einen integrierten Timecode für Produktionen mit mehreren Kameras. DJI bietet den höheren angegebenen Dynamikumfang, das ausgereiftere Zusammenspiel mit eigenen Mikrofonen und eine Kameraoberfläche, die über mehrere Generationen verfeinert wurde.
Die Luna Ultra wirkt insgesamt innovativer und experimentierfreudiger. Ihr abnehmbares Display, 8K, Timecode und die Leica Farbprofile sprechen Nutzer an, die möglichst viele moderne Funktionen in einem Gerät möchten. Die Pocket 4P wirkt konservativer, dafür in vielen Details fokussierter. Ihr größter Vorteil ist nicht eine einzelne spektakuläre Funktion, sondern das Zusammenspiel aus Bildqualität, Gimbal, Autofokus, Tracking, Audio und Zubehör.
Wo die Pocket 4P noch nicht vollständig überzeugt
Die zweite Kamera erweitert die Möglichkeiten deutlich, liefert aber nicht dieselbe Qualität wie die Hauptkamera. Vor allem bei wenig Licht wird der Unterschied sichtbar. D Log 2 ist außerdem nur bei 1× verfügbar. Damit bleibt das wichtigste professionelle Farbprofil ausgerechnet auf die Hauptkamera beschränkt.
Der Wechsel zwischen den beiden Kameras ist nicht in jeder Situation vollkommen unsichtbar. Unterschiede bei Belichtung, Rauschen und Detaildarstellung können während eines kontinuierlichen Zooms auffallen. Die maximale Vergrößerung von 12× klingt beeindruckend, besteht aber zu einem erheblichen Teil aus digitaler Vergrößerung und sollte für hochwertige Aufnahmen nur zurückhaltend verwendet werden.
Auch das Gehäuse ist deutlich breiter und schwerer als bei der normalen Pocket 4. Die Kamera bleibt kompakt, verliert aber einen Teil ihrer bisherigen Unauffälligkeit. FrameTap ist eine sinnvolle Erweiterung, kostet jedoch zusätzlich. Insta360 integriert eine vergleichbare Funktion direkt in die Luna Ultra.
Der interne Bildschirm reicht für spontane Aufnahmen, bleibt für genaue Bildkontrolle aber klein. Wer Fokus und Belichtung professionell beurteilen möchte, benötigt ein Smartphone oder FrameTap. Ein Schutz gegen Regen, Spritzwasser und Staub fehlt ebenfalls weiterhin. Gerade auf Reisen kann das zu unnötiger Vorsicht führen. Schließlich ist die Akkulaufzeit ordentlich, liegt aber unter jener der leichteren Pocket 4 und der Luna Ultra.
Fazit: Die vielseitigste Pocket, aber nicht automatisch die vernünftigste
Die DJI Osmo Pocket 4P ist keine einfache Modellpflege. Die zweite Kamera verändert, wie mit einer Pocket gefilmt wird. Das echte 60 mm Teleobjektiv ermöglicht Porträts, Interviews, Produktaufnahmen und entfernte Details, die mit früheren Pocket Modellen nur durch digitale Ausschnitte oder eine vollständig andere Kameraposition möglich waren.
Die Hauptkamera liefert eine hervorragende Bildqualität. Der große Sensor, der hohe Dynamikumfang und D Log 2 bieten einen Bearbeitungsspielraum, den man einem so kleinen Gerät kaum zutraut. Die mechanische Stabilisierung gehört weiterhin zu den besten Lösungen ihrer Klasse. Autofokus und ActiveTrack arbeiten zuverlässig, während die direkte Verbindung mit DJI Mikrofonsendern einen besonders unkomplizierten Audio Workflow ermöglicht.
FrameTap macht die Kamera für Solo Creator und kleine Produktionen wesentlich flexibler. Gleichzeitig zeigt der Vergleich mit der Luna Ultra, dass DJI nicht mehr allein bestimmt, wie eine kompakte Gimbalkamera aussehen muss. Insta360 bietet das mutigere Gehäusekonzept, einen integrierten abnehmbaren Monitor, 8K und mehrere professionelle Workflow Funktionen. DJI antwortet mit stärkerer 4K Zeitlupe, mehr internem Speicher, hohem Dynamikumfang und einem bereits sehr ausgereiften Gesamtsystem.
Die reguläre Pocket 4 bleibt die vernünftigere Wahl für Vlogs, Reisen und spontane Alltagsaufnahmen. Sie ist leichter, schmaler, ausdauernder und in vielen Situationen qualitativ kaum schlechter. Die Pocket 4P ist dagegen die spannendere Kamera für Menschen, die bewusst mit Brennweiten und Perspektiven arbeiten. Sie verlangt etwas mehr Planung und Beschäftigung mit den Einstellungen, liefert dafür aber erheblich abwechslungsreichere Bilder.
Nicht jede Neuerung ist perfekt umgesetzt. Die schwächere Telekamera bei Nacht, die Beschränkung von D Log 2 auf 1×, der sichtbare Kamerawechsel und das größere Gehäuse verhindern eine uneingeschränkte Empfehlung. Trotzdem ist die Osmo Pocket 4P eines der überzeugendsten kompakten Filmwerkzeuge ihrer Generation. Sie ersetzt keine professionelle Systemkamera mit mehreren Objektiven, kommt diesem Anspruch aber näher, als es bei einem Gerät dieser Größe eigentlich realistisch erscheinen dürfte.
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DJI Osmo Pocket 4P
Die DJI Osmo Pocket 4P kombiniert eine hervorragende 1 Zoll Hauptkamera mit einem echten 60 mm Teleobjektiv und eröffnet dadurch wesentlich mehr gestalterische Möglichkeiten als frühere Pocket Modelle. D Log 2, starke Stabilisierung, zuverlässiges Tracking und FrameTap machen sie zu einem bemerkenswert vollständigen Filmwerkzeug. Telequalität bei Nacht, Größe und Preis für zusätzliches Zubehör bleiben ihre wichtigsten Schwächen.
PROS
- Sehr starke Bildqualität der Hauptkamera
- echtes 60 mm Teleobjektiv
- bis zu 17 Blendenstufen Dynamikumfang
- professionelles 10 Bit D Log 2
- hervorragende 3-Achsen Stabilisierung
- zuverlässiges Tracking mit Active Track 8.0
CONS
- größer und schwerer als die reguläre Pocket 4
- Telekamera bei wenig Licht sichtbar schwächer
- 12× Zoom nur eingeschränkt empfehlenswert
- keine Wasserfestigkeit oder Staubfestigkeit
























