Im Mittelpunkt steht Philip, ein amerikanischer Schauspieler, der in Japan eher schlecht als recht über die Runden kommt. Rollenangebote? Kaum. Bis er auf eine Agentur stößt, die ihn nicht für Filme bucht, sondern für das echte Leben – als gemietete Bezugsperson. Mal soll er als „perfekter Verlobter“ auftreten, damit eine junge Frau ihren Eltern endlich den Wind aus den Segeln nehmen kann. Mal mimt er den Journalisten, der einem Star die passenden Fragen stellt. Mal spielt er den Vater, um eine alleinerziehende Mutter vor unangenehmen Erklärungen zu schützen. Es sind Begegnungen mit Fremden – und trotzdem geht es jedes Mal um etwas sehr Intimes.

Leise Einsamkeit statt lauter Gags
Was mich so erwischt hat: Der Film macht aus diesem schrägen Konzept keinen plumpen Witz, sondern nutzt es als Einstieg in die stille Einsamkeit von Menschen in der Großstadt. Hikari erzählt das mit einem tragikomischen Ton, der nie spöttisch wirkt – eher im Gegenteil: Die Figuren werden ernst genommen, mit all ihren Brüchen und ihrem Wunsch nach Nähe. In jeder Szene spürt man, dass es ihnen eigentlich nur um etwas ganz Einfaches geht: verstanden werden, kurz ankommen, einmal durchatmen. Genau da liegt für mich die Stärke des Films – leise erzählt, aber emotional genau auf den Punkt.
Brendan Fraser, Tokio und ein bisschen Heilung
Brendan Fraser ist für mich das Herzstück. Er muss hier nichts Überzogenes liefern – seine Präsenz reicht. Er wirkt wie ein großer, etwas verlorener Mensch, der durch Tokio läuft und gleichzeitig versucht, in sich selbst Ordnung zu schaffen. Dieses „Fisch-auf-dem-Trockenen“-Gefühl kommt total glaubwürdig rüber. Und während er anderen hilft, merkt man Stück für Stück: Er heilt dabei auch ein wenig sich selbst.

Und ganz persönlich: Ich bin ein riesiger Japan-Fan – und genau deshalb hat der Film bei mir noch einmal anders gezündet. Tokio ist hier nicht nur Kulisse, sondern fühlt sich wie ein eigener Charakter an: dieses ruhige Beobachten, die kleinen Details, die Stimmung, die stillen Momente. Für mich ist „Rental Family“ dadurch nicht nur ein Film über Einsamkeit, sondern auch eine leise Liebeserklärung an Japan, die ich wahrscheinlich viel stärker wahrnehme, weil ich dieses Land einfach liebe.
Unterm Strich ist „Rental Family“ für mich ein zärtlicher, melancholischer Film mit feinem Blick auf Menschen und ihre Sehnsucht nach Nähe. Da steckt ein bisschen Gesellschaftsbeobachtung drin, hier und da ein Hauch Kitsch – aber im besten Sinne, weil es sich ehrlich anfühlt. Vor allem erinnert mich der Film daran, wie viel schon ein kleiner Moment von Freundlichkeit bewirken kann.
Für mich war „Rental Family“ eine dieser seltenen Entdeckungen: ein Film mit einer ungewöhnlichen Idee, der aber überraschend warm, menschlich und lange nachwirkend ist. Ich fand ihn großartig!
Kurzinfo zum Film
Rental Family
In der Tragikomödie begleitet man einen in Tokio lebenden US-Schauspieler (gespielt von Brendan Fraser), der sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält – bis er bei einer japanischen „Rental Family“-Agentur anheuert. Dort übernimmt er Rollen als Sohn, Ehemann oder Vater und füllt für andere Menschen temporär familiäre Lücken. Während Schauspiel und Realität zunehmend verschwimmen, beginnt er echte Bindungen aufzubauen und stellt sich den moralischen Fragen dieses ungewöhnlichen Berufs. Dabei entdeckt er Sinn, Nähe und das Gefühl von Zusammengehörigkeit neu.
Regie führte Hikari, die auch am Drehbuch mitschrieb und den Film mitproduzierte. Präsentiert wird „Rental Family“ von Searchlight Pictures – als leise, warmherzige Geschichte über Einsamkeit, Verbindung und die kleinen Gesten, die Menschen einander näherbringen.
mehr zu Entertainment & Co



















