Fox McCloud kehrt auf die Nintendo Switch 2 zurück. Das neue Star Fox ist ein technisch beeindruckendes Remake von Lylat Wars, das seine Arcade Wurzeln stolz bewahrt, sich dabei aber stellenweise fast zu eng an die Vergangenheit klammert.
Rückkehr aus den Tiefen des Weltraums
Manche Spiele verschwinden nie wirklich. Selbst wenn über Jahre kein neuer Teil erscheint, bleiben einzelne Szenen, Melodien und Sprüche im Gedächtnis. Bei Star Fox reicht häufig schon ein Satz. „Do a barrel roll“ gehört längst zum festen Inventar der Videospielkultur, auch bei Menschen, die mit Fox McCloud, Falco Lombardi, Slippy Toad und Peppy Hare ansonsten nur wenig anfangen können.
Trotzdem musste sich die Serie lange gedulden. Star Fox Zero erschien 2016 für die Wii U, kämpfte damals jedoch nicht nur mit den überschaubaren Verkaufszahlen der Konsole, sondern auch mit einem Steuerungskonzept, das viele Spieler eher beschäftigte als begeisterte. Gleichzeitig war auch dieses Abenteuer wieder auffällig eng mit Star Fox 64 verbunden. Statt die Serie in eine neue Richtung zu führen, erzählte Nintendo im Grunde abermals eine sehr ähnliche Geschichte.
Zehn Jahre später kehrt Fox McCloud nun zurück. Das neue Spiel heißt schlicht Star Fox, erscheint exklusiv für die Nintendo Switch 2 und wurde gemeinsam von Nintendo und Velan Studios entwickelt. Velan Studios kennt man unter anderem durch Knockout City und Mario Kart Live: Home Circuit. Inhaltlich handelt es sich nicht um eine Fortsetzung und auch nicht um einen vollständigen Neustart. Es ist ein aufwendig neu entwickeltes Remake von Star Fox 64, das in Europa ursprünglich unter dem Namen Lylat Wars veröffentlicht wurde.
Damit steht bereits vor dem ersten Start eine entscheidende Frage im Raum. Braucht es wirklich noch eine weitere Neuauflage ausgerechnet dieses Spiels?
Nach der Rückkehr ins Lylat System fällt die Antwort komplizierter aus, als es zunächst scheint. Star Fox ist wunderschön, präzise, angenehm direkt und in seinen besten Momenten genau jener rasante Weltraum Shooter, den Fans seit Jahren vermissen. Gleichzeitig wird man das Gefühl nicht los, dass Nintendo erneut lieber die Vergangenheit perfektioniert, anstatt der Serie eine Zukunft zu geben.
Ein Remake, das seine Vorlage beinahe ehrfürchtig behandelt
Star Fox folgt inhaltlich weiterhin der bekannten Geschichte rund um den verrückten Wissenschaftler Andross. Nachdem dieser aus Corneria verbannt wurde, baut er auf dem Planeten Venom eine gewaltige Streitmacht auf. Als seine Truppen das Lylat System angreifen, ruft General Pepper das Söldnerteam Star Fox zu Hilfe.
Angeführt wird die Gruppe von Fox McCloud, dessen Vater James Jahre zuvor bei einer Mission ums Leben kam. Unterstützt wird Fox von Falco, Slippy und Peppy. Ihre Persönlichkeiten sind auch diesmal klar verteilt. Falco gibt sich selbstbewusst und gelegentlich überheblich, Slippy ist technisch begabt, gerät aber zuverlässig in Schwierigkeiten, während Peppy als erfahrener Veteran Ratschläge aus dem Cockpit erteilt.
Die grundlegende Handlung bleibt bewusst einfach. Star Fox versucht gar nicht erst, daraus ein komplexes Weltraumdrama zu machen. Andross ist böse, Corneria braucht Hilfe und Fox hat neben dem Auftrag auch eine persönliche Rechnung zu begleichen. Dieses klare Fundament passt zur Geschwindigkeit des Spiels. Lange Dialoge oder ausufernde Erklärungen würden nur den Rhythmus stören.
Trotzdem hat Velan Studios die Präsentation deutlich erweitert. Ein neuer Prolog liefert mehr Hintergrund zur Geschichte von James McCloud und zum ursprünglichen Star Fox Team. Zwischen den Missionen gibt es erheblich aufwendigere Zwischensequenzen, in denen die Figuren nicht mehr nur als kleine animierte Porträts am Bildschirmrand erscheinen. Man sieht die Besatzung bei Besprechungen, erlebt ihre Reaktionen auf den Verlauf der Missionen und erhält einen besseren Eindruck davon, wie die einzelnen Mitglieder miteinander umgehen.
Dadurch wirkt die Gruppe erstmals tatsächlich wie eine Mannschaft und nicht bloß wie vier Stimmen, die sich während der Mission gegenseitig Funksprüche zurufen. Die Geschichte bleibt simpel, bekommt aber mehr Persönlichkeit. Gerade Falco profitiert von den zusätzlichen Szenen, weil hinter seiner arroganten Fassade nun etwas deutlicher zu erkennen ist, dass er Fox respektiert, auch wenn er das niemals freiwillig zugeben würde.
Vollständig vertonte Dialoge, neue Zwischensequenzen und ein neu eingespielter orchestraler Soundtrack lassen das bekannte Abenteuer wesentlich größer erscheinen, als es inhaltlich eigentlich ist. Star Fox erzählt noch immer eine sehr kompakte Geschichte, präsentiert sie nun aber wie eine kleine animierte Weltraumoper.
Arcade statt endloser Weltraumreise
Wer Star Fox bislang nur aus Super Smash Bros. kennt, sollte keine offene Galaxie, keine frei erkundbaren Planeten und auch kein umfangreiches Rollenspiel erwarten. Im Kern bleibt Star Fox ein klassischer Rail Shooter.
Der Arwing bewegt sich in vielen Abschnitten automatisch durch die Umgebung. Der Spieler steuert innerhalb des sichtbaren Bereichs nach links, rechts, oben und unten, weicht Hindernissen aus und schießt auf alles, was Andross in den Weg stellt. Die Flugrichtung ist dabei größtenteils vorgegeben. Man entscheidet nicht selbst, ob man hinter einem Berg abbiegt oder einen Planeten auf eigene Faust erkundet.
Was zunächst eingeschränkt klingt, ist ein wesentlicher Bestandteil des Spielgefühls. Weil die Entwickler genau wissen, wo sich der Arwing zu welchem Zeitpunkt befindet, können sie Gegnerformationen, Explosionen und Landschaften präzise inszenieren. Schiffe rasen knapp an Fox vorbei, Gebäude brechen vor dem Cockpit zusammen und gigantische Gegner tauchen direkt aus Wolken, Lava oder Asteroidenfeldern auf.
Die Missionen funktionieren dadurch fast wie interaktive Achterbahnfahrten. Beim ersten Durchgang reagiert man häufig nur auf das Chaos. Später kennt man die Positionen bestimmter Gegner, weiß, wann sich eine alternative Route öffnet, und beginnt gezielt auf eine höhere Punktzahl hinzuarbeiten. Aus hektischem Dauerfeuer entsteht mit der Zeit ein kontrollierter Ablauf.
Genau darin liegt die besondere Qualität von Star Fox. Die Steuerung ist schnell verstanden, doch ein wirklich guter Durchgang verlangt Konzentration, Timing und Streckenkenntnis. Es genügt nicht, irgendwie das Ende einer Mission zu erreichen. Wer hohe Punktzahlen erzielen möchte, muss Gegnergruppen vollständig ausschalten, aufgeladene Schüsse geschickt einsetzen und mehrere Ziele mit einem Angriff erfassen.
Auch die Teammitglieder spielen eine Rolle. Falco, Slippy und Peppy können von Gegnern verfolgt oder beschädigt werden. Hilft man ihnen nicht rechtzeitig, stehen sie in späteren Missionen unter Umständen nicht mehr zur Verfügung. Das hat spielerische Folgen. Slippy kann beispielsweise die Energieleiste eines Bossgegners analysieren. Fällt er aus, muss man ohne diese hilfreiche Anzeige auskommen.
Das Spiel erzeugt dadurch immer wieder kleine Entscheidungen unter Zeitdruck. Konzentriert man sich auf die Gegnerformation vor dem Arwing oder rettet man Falco, der einige Meter weiter von feindlichen Jägern bedrängt wird? Diese Situationen sind nicht komplex, geben den Missionen aber eine angenehme Dynamik.
Der Arwing fühlt sich endlich wieder richtig an
Einer der größten Fortschritte betrifft die Steuerung. Star Fox 64 ließ sich auf dem Nintendo 64 hervorragend kontrollieren, war allerdings vollständig auf den damaligen Controller zugeschnitten. Die C Tasten dienten unter anderem für Manöver, während Bewegung und Zielen eng miteinander verbunden waren.
Das Remake nutzt ein modernes System mit zwei Analogsticks. Der linke Stick bewegt den Arwing innerhalb des Flugbereichs, während der rechte Stick das Fadenkreuz steuert. Damit lassen sich Zielerfassung und Flugrichtung stärker voneinander trennen. Besonders schnelle Gegner und kleine Ziele sind dadurch einfacher zu treffen.
Anfangs fühlt sich diese Trennung überraschend ungewohnt an. Wer das Original gut kennt, bewegt den Arwing möglicherweise unbewusst in Richtung des gewünschten Ziels, obwohl das Fadenkreuz unabhängig gesteuert werden kann. Nach kurzer Eingewöhnung erweist sich die neue Lösung jedoch als deutlich präziser. Sie macht die Steuerung zugänglicher, ohne das Spiel automatisch leichter zu machen.
Beschleunigen, Bremsen, Bomben, aufgeladene Laserschüsse und Ausweichmanöver gehen schnell in Fleisch und Blut über. Natürlich darf auch die namensgebende Fassrolle nicht fehlen. Mit ihr weicht der Arwing nicht nur Angriffen aus, sondern kann bestimmte Geschosse reflektieren.
Besonders gelungen ist das direkte Feedback der Joy Con 2 Controller. Die Vibrationen vermitteln Beschleunigung, Treffer und Explosionen differenziert genug, ohne ständig aufdringlich zu wirken. Wenn ein aufgeladener Schuss mehrere Gegner gleichzeitig erfasst, fühlt sich das spürbar kräftiger an als ein gewöhnlicher Lasertreffer.
Neben der klassischen Ansicht hinter dem Arwing bietet Star Fox eine Cockpit Perspektive. In Verbindung mit der Maussteuerung der Joy Con 2 entsteht daraus beinahe ein anderes Spielgefühl. Das Zielen mit der Maus funktioniert schnell und präzise, während die Ansicht aus dem Cockpit wesentlich intensiver wirkt.
Allerdings eignet sich diese Perspektive nicht unbedingt für jeden Abschnitt. In engen Passagen fehlt gelegentlich die Übersicht, weil der eigene Arwing und seine Position innerhalb der Umgebung nicht mehr vollständig sichtbar sind. Für gezielte Durchgänge und aus Neugier ist der Modus eine interessante Ergänzung. Dauerhaft bevorzugte ich gedanklich dennoch die klassische Ansicht, weil sie schlicht besser zur schnellen Lesbarkeit des Spiels passt.
Nintendo erlaubt sowohl die klassische Ansicht aus der dritten Person als auch die Cockpit Ansicht und unterstützt zusätzlich die Maussteuerung der Joy Con 2. Zur Auswahl stehen außerdem die Schwierigkeitsgrade Leicht und Normal. Der Expertenmodus wird über die Medaillen der Kampagne freigeschaltet.
Mehr Abwechslung, als die kurze Kampagne vermuten lässt
Die auffälligste Besonderheit von Star Fox war schon 1997 seine verzweigte Kampagne. Eine vollständige Reise von Corneria bis Venom besteht nur aus einem Teil der insgesamt verfügbaren Missionen. Welche Planeten Fox besucht, hängt davon ab, wie bestimmte Aufgaben gelöst werden.
Manchmal muss eine festgelegte Anzahl an Gegnern besiegt werden. In anderen Fällen darf ein Teammitglied keinen Schaden nehmen oder ein verborgenes Ziel muss innerhalb eines kurzen Zeitfensters erreicht werden. Gelingt die jeweilige Aufgabe, öffnet sich eine alternative Route.
Dadurch kann sich der nächste Durchgang deutlich vom vorherigen unterscheiden. Wer beim ersten Versuch den einfacheren Weg nimmt, besucht andere Planeten und erlebt andere Bosskämpfe als jemand, der sofort den schwierigsten Pfad einschlägt. Insgesamt gibt es 15 unterschiedliche Schauplätze, von denen während einer einzelnen Reise nur ein Teil zu sehen ist.
Corneria dient erneut als eindrucksvoller Einstieg. Fox fliegt über Wasser, durch eine futuristische Stadt und zwischen einstürzenden Gebäuden hindurch. Meteo führt durch ein dichtes Asteroidenfeld, Solar verwandelt den Bildschirm in ein glühendes Inferno und auf Aquas geht es mit dem Blue Marine unter die Wasseroberfläche.
Der Arwing bleibt das wichtigste Fahrzeug, wird aber nicht ausschließlich verwendet. Der Landmaster bringt als schwerer Panzer eine andere Bewegungsdynamik ins Spiel. Er kann seitlich ausweichen, kurz schweben und mit kräftigen Schüssen ganze Gegnergruppen beseitigen. Das U Boot Blue Marine bewegt sich hingegen deutlich behäbiger und sorgt für eine der ungewöhnlichsten Missionen des Spiels.
Nicht alle Abschnitte sind gleich stark. Der Landmaster passt hervorragend zum schnellen Arcade Prinzip, während die Unterwassermission trotz ihrer beeindruckenden Optik etwas zäher wirkt. Gerade im direkten Vergleich mit den flotten Flugpassagen fühlt sich der Blue Marine schwerfälliger an, als es dem Spielfluss guttut.
Daneben gibt es sogenannte All Range Abschnitte. Hier bewegt sich der Arwing nicht mehr automatisch entlang einer festen Route, sondern kann sich frei innerhalb eines begrenzten Gebiets bewegen. Diese Arenen werden vor allem für größere Luftkämpfe und Begegnungen mit Star Wolf genutzt.
Der Wechsel zwischen linearen Missionen und freien Kampfzonen sorgt für genügend Abwechslung. Trotzdem bleibt deutlich, dass das grundlegende Design aus den neunziger Jahren stammt. Moderne Flugspiele bieten größere Areale, komplexere Manöver und mehr taktische Möglichkeiten. Star Fox setzt stattdessen bewusst auf Klarheit und Wiederholung.
Eine kurze Kampagne mit ungewöhnlicher Zeitrechnung
Ein einzelner Durchgang durch die Handlung dauert ungefähr eineinhalb bis zwei Stunden. Für ein modernes Vollpreisspiel klingt das zunächst erschreckend wenig. Wer nur einmal bis Venom fliegt, den Abspann betrachtet und Star Fox anschließend zur Seite legt, erhält tatsächlich ein sehr kurzes Erlebnis.
Allerdings wäre das ungefähr so, als würde man bei einem Rennspiel nur eine Strecke fahren und danach den Umfang kritisieren. Star Fox ist darauf ausgelegt, mehrfach gespielt zu werden. Die eigentliche Motivation besteht darin, neue Routen zu entdecken, Medaillen zu verdienen, persönliche Bestwerte zu verbessern und schließlich den schwierigsten Weg nach Venom zu meistern.
Trotzdem lässt sich die Kritik an der Spielzeit nicht vollständig wegdiskutieren. Das Remake übernimmt nicht nur die Stärken, sondern auch die Struktur seiner Vorlage. Es gibt keine zusätzliche große Kampagne, keine völlig neue Planetengruppe und keine zweite Geschichte, die das bekannte Abenteuer ergänzt.
Ein neuer Prolog, erweiterte Zwischensequenzen und zusätzliche Herausforderungen verbessern das Paket, ersetzen aber keine wirklich neuen Missionen. Gerade langjährige Fans kennen viele Gegnerformationen, Abzweigungen und Bosskämpfe bereits. Sie erleben diese Inhalte in spektakulärer neuer Form, werden spielerisch jedoch nur selten überrascht.
Für mich liegt hier der größte verpasste Treffer. Velan Studios beweist an jeder Ecke, dass das Team Star Fox versteht. Die Steuerung stimmt, die Geschwindigkeit stimmt und auch die Präsentation trifft den eigenwilligen Ton der Serie. Umso bedauerlicher ist es, dass dieses Talent nicht für eine zusätzliche Kampagne oder wenigstens mehrere neue Planeten genutzt wurde.
Das Remake ist die bisher beste Version von Star Fox 64. Es bleibt aber eben Star Fox 64.
Grafik zwischen Weltraumepos und Tierdokumentation
Technisch gehört Star Fox zu den beeindruckendsten Spielen, die bislang für die Switch 2 erschienen sind. Schon der erste Flug über Corneria zeigt, wie gründlich Velan Studios die ursprünglichen Kulissen neu interpretiert hat. Wasseroberflächen spiegeln Licht und Gebäude, Rauch zieht durch die Straßen und weit entfernte Raumschiffe kämpfen am Himmel.
Die Umgebungen bestehen nicht nur aus höher aufgelösten Varianten alter Modelle. Viele Orte wurden vollständig neu gestaltet, ohne ihre ursprüngliche Identität zu verlieren. Wer das Nintendo 64 Spiel kennt, erkennt den Aufbau der Missionen sofort, sieht aber überall Details, die damals technisch undenkbar gewesen wären.
Besonders stark sind die Lichtstimmung und die Partikeleffekte. Laser erhellen für einen Moment die Umgebung, Triebwerke hinterlassen intensive Spuren und Explosionen füllen den Bildschirm mit Funken, Rauch und Trümmern. Auf Solar flimmert die Hitze über der Oberfläche, während Aquas mit biolumineszenten Pflanzen und tiefen Blautönen eine völlig andere Atmosphäre erzeugt.
Das Spiel läuft während der Missionen mit 60 Bildern pro Sekunde und vermittelt dadurch ein ausgesprochen flüssiges Fluggefühl. Im Fernsehbetrieb wirkt das Bild sehr scharf, auch wenn die interne Auflösung nicht in jeder Situation einem vollständig nativen 4K Bild entsprechen dürfte. Entscheidend ist letztlich, dass die Darstellung ruhig bleibt und die Steuerung unmittelbar reagiert. Gerade bei einem schnellen Arcade Shooter ist eine stabile Bildrate wichtiger als eine theoretisch maximale Pixelzahl.
Auch im mobilen Betrieb macht Star Fox eine gute Figur. Der kleinere Bildschirm kaschiert feine Unterschiede bei der Auflösung, während Farben und Effekte hervorragend zur Geltung kommen. Allerdings kann das Geschehen auf dem Display gelegentlich sehr unübersichtlich werden. Wenn zahlreiche Gegner, Geschosse, Explosionen und Funksprüche gleichzeitig erscheinen, ist nicht immer sofort zu erkennen, welches Objekt tatsächlich relevant ist.
Diese Überladung betrifft auch einzelne Bosskämpfe. In der abstrakten Grafik des Originals waren Schwachstellen klar markiert und sofort lesbar. Die realistischeren Materialien und detaillierten Animationen des Remakes lassen manche Ziele stärker mit ihrer Umgebung verschmelzen. Das Spiel sieht spektakulärer aus, ist dadurch aber nicht in jeder Situation übersichtlicher.
Noch kontroverser dürften die Figurenmodelle ausfallen. Fox, Falco, Slippy und Peppy besitzen nun detailliertes Fell, Federn, Haut und komplexe Gesichtszüge. Technisch sind die Modelle hervorragend. Die Mimik funktioniert erstaunlich gut und gerade in Zwischensequenzen reagieren die Figuren glaubwürdig aufeinander.
Künstlerisch bewegen sie sich allerdings gefährlich nahe an einem Bereich, in dem niedliche Nintendo Figuren plötzlich wie Bewohner einer sehr aufwendig produzierten Tierdokumentation wirken. Slippys feuchte Haut und Falcos realistisches Gefieder können beim ersten Anblick irritieren. Fox selbst sieht in manchen Szenen hervorragend aus, in anderen fehlt ihm etwas von der stilisierten Coolness früherer Designs.
Nach einiger Zeit gewöhnt man sich daran. Vollständig überzeugt hat mich dieser realistischere Ansatz aber nicht. Ein etwas stärker stilisiertes Design hätte vermutlich besser zur Welt und zum bewusst überzeichneten Ton der Serie gepasst.
Ein Soundtrack für die große Leinwand
Musikalisch trifft das Remake wesentlich sicherer ins Ziel. Die bekannten Melodien wurden orchestral neu arrangiert und klingen so, wie viele Spieler sie vermutlich seit Jahren in Erinnerung haben, obwohl das Nintendo 64 technisch natürlich weit davon entfernt war.
Das Hauptthema besitzt nun jene Größe, die eine Weltraumoper benötigt. Blechbläser, Streicher und kräftige Percussion begleiten die Missionen, ohne das Geschehen zu überdecken. Besonders in den Zwischensequenzen trägt die Musik viel dazu bei, dass sich die einfache Handlung größer und emotionaler anfühlt.
Auch die Geräuschkulisse überzeugt. Laser besitzen einen klaren, kräftigen Klang, Explosionen haben ausreichend Druck und die Triebwerke der Arwings vermitteln Geschwindigkeit. Im Handheld Betrieb geht naturgemäß etwas Volumen verloren, mit Kopfhörern bleibt das Klangbild aber erstaunlich räumlich.
Die neu aufgenommenen Dialoge bewahren bekannte Sprüche, ergänzen jedoch zahlreiche neue Reaktionen. Dadurch wirken die Funksprüche natürlicher in das Geschehen eingebunden. Slippy wiederholt sich zwar weiterhin häufig und auch Peppys Ratschläge hat man nach mehreren Durchgängen irgendwann verinnerlicht, doch genau diese leicht aufdringliche Kommunikation gehört zur Identität von Star Fox.
Die deutsche Vertonung erfüllt ihren Zweck, während die englische Sprachausgabe für meinen Geschmack etwas besser zum überzeichneten Weltraumton passt. Besonders Falco gewinnt im englischen Original an Charakter. Er klingt selbstbewusst, leicht genervt und gerade arrogant genug, ohne vollständig unsympathisch zu werden.
Herausforderungen für ehrgeizige Piloten
Neben der Kampagne gibt es einen Herausforderungsmodus, der einzelne Missionen mit zusätzlichen Aufgaben versieht. Dabei geht es beispielsweise darum, bestimmte Gegner innerhalb einer Zeitvorgabe auszuschalten, eine Mindestpunktzahl zu erreichen oder eine Strecke unter erschwerten Bedingungen abzuschließen.
Diese Aufgaben passen gut zum grundsätzlichen Aufbau des Spiels. Sie zwingen dazu, vertraute Missionen anders anzugehen und bestimmte Mechaniken gezielter zu nutzen. Als Belohnung werden unter anderem Einträge für den Holoviewer freigeschaltet, die zusätzliche Informationen über Figuren, Orte und Ereignisse liefern.
Der Holoviewer ist kein Ersatz für neue Missionen, erweitert aber die Hintergrundgeschichte. Gerade Fans, die bislang nur das ursprüngliche Spiel kannten, finden hier einige interessante Details zum Lylat System und seinen Bewohnern.
Medaillen erhält man durch besonders hohe Punktzahlen in den regulären Missionen. Wer alle Medaillen sammelt, schaltet den Expertenmodus frei. Dieser erhöht nicht einfach nur die Widerstandskraft der Gegner. Der eigene Arwing hält weniger Treffer aus, Gegner schießen aggressiver und bereits kleine Fehler können einen vielversprechenden Durchgang ruinieren.
Hier zeigt sich Star Fox von seiner kompromisslosen Seite. Was auf dem normalen Schwierigkeitsgrad wie ein zugängliches Actionspiel wirkt, wird im Expertenmodus zu einer anspruchsvollen Prüfung aus Reaktion, Erinnerung und sauberer Ausführung.
Der leichte Schwierigkeitsgrad richtet sich dagegen klar an Einsteiger. Der Arwing hält mehr aus und verfügt über stärkere Laser. Das ist eine sinnvolle Ergänzung, weil das Remake dadurch auch jüngere Spieler oder Menschen anspricht, die mit Rail Shootern bislang wenig Erfahrung gesammelt haben.
Kooperation mit geteilter Verantwortung
Die Kampagne kann zu zweit gespielt werden. Dabei steuern allerdings nicht zwei Spieler jeweils einen eigenen Arwing. Stattdessen teilen sie sich die Aufgaben innerhalb desselben Fahrzeugs. Eine Person übernimmt den Piloten, die andere kümmert sich um das Zielen und Schießen.
Was zunächst nach einer Notlösung klingt, entwickelt schnell einen eigenen Reiz. Der Pilot muss Hindernissen ausweichen, während der Schütze Gegner markiert und aufgeladene Treffer vorbereitet. Gute Kommunikation ist entscheidend. Besonders bei Bosskämpfen entsteht dadurch eine angenehme Mischung aus Zusammenarbeit und kontrolliertem Chaos.
Die Rollen können getauscht werden, wodurch sich der Modus auch für unterschiedlich erfahrene Spieler eignet. Eine Person kann den Arwing sicher durch die Mission führen, während der weniger geübte Mitspieler zunächst nur das Fadenkreuz kontrolliert.
Die gesamte Geschichte lässt sich lokal auf einer Konsole oder über GameShare erleben. Bei einer Online Sitzung über GameShare und GameChat benötigt nur die hostende Switch 2 eine eigene Spielversion. Der zweite Spieler nimmt während der Sitzung über sein eigenes System teil. Das funktioniert grundsätzlich komfortabel, setzt online allerdings eine entsprechende Mitgliedschaft sowie GameChat voraus.
Trotzdem hätte ich mir einen vollwertigen kooperativen Modus mit zwei separaten Arwings gewünscht. Die geteilte Steuerung ist originell und unterhaltsam, bleibt aber eher eine ergänzende Variante. Gemeinsam mit Falco oder einem individuell gestalteten Piloten durch die Kampagne zu fliegen, hätte dem Remake einen erheblichen zusätzlichen Mehrwert gegeben.
Acht Spieler und nur drei Arenen
Der Mehrspielermodus verlagert das Geschehen in frei befliegbare Arenen. Online treten zwei Teams mit jeweils vier Spielern gegeneinander an. Die Kämpfe finden auf Corneria, Sector Y und Fichina statt, wobei jede Arena eigene Regeln und Ziele besitzt.
Das Fluggefühl funktioniert auch im Wettbewerb hervorragend. Arwings jagen einander zwischen Gebäuden, Asteroiden oder Eisformationen, während computergesteuerte Einheiten zusätzlichen Druck erzeugen. Powerups und wechselnde Ziele verhindern, dass sich alle Spieler nur gegenseitig im Kreis verfolgen.
Die Gefechte sind schnell, chaotisch und deutlich besser, als man es von einem beiläufig ergänzten Mehrspielermodus erwarten würde. Besonders in einem eingespielten Team entsteht echtes taktisches Potenzial. Spieler können Gegner ablenken, Kontrollpunkte verteidigen oder gemeinsam einzelne Piloten unter Druck setzen.
Das Problem ist der Umfang. Drei Arenen sind schlicht wenig. Auch die Anzahl der Regeln und Varianten bleibt überschaubar. Nach einigen Abenden kennt man die Schauplätze sehr genau und wünscht sich weitere Umgebungen. Planeten wie Solar, Zoness oder Aquas hätten interessante Grundlagen für zusätzliche Arenen geliefert.
Noch unverständlicher ist das Fehlen eines klassischen lokalen Mehrspielermodus mit geteiltem Bildschirm. Gerade Star Fox 64 wurde häufig gemeinsam vor einem Fernseher gespielt. Dass ausgerechnet das technisch weit leistungsfähigere Remake diesen Teil nicht zurückbringt, ist eine echte Enttäuschung.
Online unterstützt das Spiel bis zu acht Teilnehmer, während auf einer einzelnen Konsole maximal zwei Personen gemeinsam spielen können. Die Online Gefechte laufen als Duelle mit vier Spielern pro Team.
Über eine kompatible USB Kamera können Spieler außerdem Figuren Avatare und Filter verwenden. Dadurch erscheint das eigene Gesicht beispielsweise mit Fox Ohren, Sonnenbrille oder Pilotenhelm. Das ist eine typisch verspielte Nintendo Idee, die für einige lustige Momente sorgen kann, spielerisch aber kaum Bedeutung besitzt.
Auch amiibo Figuren von Fox, Falco und Wolf werden unterstützt. Sie schalten zusätzliche Hintergründe und Embleme für das persönliche Banner im Mehrspielermodus frei. Immerhin handelt es sich nur um kosmetische Inhalte. Wesentliche Spielbestandteile bleiben nicht hinter Figuren verborgen.
Moderne Verpackung, alte Denkweise
Star Fox kostet im Nintendo eShop 49,99 Euro. Die physische Ausgabe wird offiziell teurer angeboten und liegt abhängig vom Händler meist bei ungefähr 59,99 Euro. Die digitale Version benötigt rund 15,1 GB Speicherplatz. Das Spiel erschien am 25. Juni 2026 exklusiv für Nintendo Switch 2.
Der etwas niedrigere Preis im Vergleich zu manchen großen Switch 2 Produktionen ist grundsätzlich fair. Trotzdem bleibt die Bewertung des Umfangs stark davon abhängig, wie man Star Fox spielt.
Wer Freude an Punktzahlen, alternativen Routen und wiederholten Durchgängen hat, kann viele Stunden im Lylat System verbringen. Die Kampagne lässt sich nicht mit einem einzigen Durchlauf vollständig erfassen. Medaillen, Herausforderungen, der Expertenmodus und der Mehrspielerbereich erweitern die Spielzeit zusätzlich.
Wer dagegen vor allem eine lange Handlung erleben möchte, wird sich vermutlich fragen, weshalb nach weniger als zwei Stunden bereits der Abspann läuft. Moderne Gewohnheiten treffen hier auf ein Spielkonzept aus einer anderen Zeit.
Das ist weder automatisch gut noch schlecht. Star Fox verfolgt bewusst nicht das Ziel, den Spieler über vierzig Stunden mit Aufgaben, Materialien, Fortschrittsleisten und einer offenen Welt zu beschäftigen. Es konzentriert sich auf eine kurze, sorgfältig inszenierte Erfahrung, die durch Wiederholung an Tiefe gewinnt.
Gerade diese Konzentration wirkt erfrischend. Es gibt keine unnötigen Nebenaufgaben, keine künstlich gestreckten Dialoge und keine Karte voller Symbole. Man startet das Spiel und befindet sich innerhalb weniger Minuten mitten in einer gewaltigen Weltraumschlacht.
Gleichzeitig darf Nostalgie nicht jede Kritik abfangen. Nintendo hätte die Gelegenheit nutzen können, das vertraute Fundament um eine zweite Kampagne zu erweitern. Neue Planeten, zusätzliche Figuren oder eine Geschichte nach dem Sieg über Andross hätten das Remake von einer perfekten Neuauflage zu einem wirklichen Neubeginn für die Reihe gemacht.
Stattdessen wirkt Star Fox wie ein aufwendig restaurierter Klassiker, der im Hangar bereits für zukünftige Abenteuer bereitsteht. Jetzt muss Nintendo diesen Arwing nur noch tatsächlich starten lassen.
Fazit
Star Fox ist ein technisch hervorragendes und spielerisch überzeugendes Remake eines der besten Arcade Shooter seiner Zeit. Die präzise Steuerung, die flüssige Darstellung und die spektakulär neu gestalteten Schauplätze zeigen, wie gut das Grundprinzip von Lylat Wars auch fast drei Jahrzehnte später noch funktioniert.
Die erweiterten Zwischensequenzen geben Fox, Falco, Slippy und Peppy mehr Persönlichkeit. Der orchestrale Soundtrack verleiht der Geschichte jene Größe, die sie früher hauptsächlich in der Vorstellung der Spieler besaß. Gleichzeitig bewahrt das Remake die Geschwindigkeit und Direktheit des Originals.
Die größte Stärke ist jedoch gleichzeitig die größte Schwäche. Star Fox ist so eng mit Star Fox 64 verbunden, dass erfahrene Spieler nur wenige echte Überraschungen erleben. Neue Steuerungsmöglichkeiten, Herausforderungen und Online Gefechte verbessern das Gesamtpaket, können aber nicht verbergen, dass Nintendo erneut dieselben Planeten, dieselben Bossgegner und dieselbe Geschichte verwendet.
Auch die kurze Kampagne wird nicht jedem gefallen. Sie ist für wiederholte Durchgänge konzipiert und besitzt durch alternative Routen mehr Inhalt, als die reine Spielzeit vermuten lässt. Trotzdem hätte dem Remake eine zusätzliche Kampagne ausgesprochen gutgetan.
Der Mehrspielerbereich überrascht mit unterhaltsamen Gefechten, bleibt mit nur drei Arenen jedoch deutlich zu klein. Das Fehlen eines lokalen Modus mit geteiltem Bildschirm ist besonders schwer nachvollziehbar. Die Kooperation mit geteilten Aufgaben funktioniert gut, ersetzt aber kein gemeinsames Fliegen mit zwei separaten Arwings.
Unterm Strich ist Star Fox die definitive Version von Lylat Wars. Für Fans ist es eine wunderschöne Rückkehr zu einem vertrauten Klassiker. Für Neueinsteiger bietet es einen zugänglichen, schnellen und erstaunlich modernen Arcade Shooter. Wer jedoch auf ein vollständig neues Kapitel der Reihe gehofft hat, muss weiter warten.
Fox McCloud ist wieder da. Jetzt sollte Nintendo ihm endlich erlauben, in unbekannte Teile des Lylat Systems vorzudringen.
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Bildquelle: Nintendo
Test
Star Fox
Star Fox bringt Lylat Wars mit präziser Steuerung, spektakulärer Grafik und großartigem Sound auf die Switch 2. Das Remake spielt sich hervorragend, übernimmt aber auch die kurze Kampagne und wagt inhaltlich zu wenig Neues.
PROS
- Spektakuläre Grafik mit 60fps
- präzise Steuerung
- starker Soundtrack
- verzweigte Kampagne
- gelungene Zwischensequenzen
- motivierende Punktejagd
CONS
- Sehr kurze Kampagne pro Durchgang
- kaum neue Missionen
- stellenweise unübersichtlich
- nur drei Online-Arenen
















