Es ist jetzt Anfang 2026 und wenn ich auf mein Technik-Regal blicke, fällt mein Auge immer wieder auf ein Gerät, das polarisiert wie kaum ein anderes. Als Dyson Mitte 2024 den Dyson OnTrac vorstellte, war die Aufregung groß. Es war nach dem skurrilen Dyson Zone, diesem futuristischen Kopfhörer mit Luftreinigungsmaske, der zweite ernsthafte Vorstoß der Briten in die Audiowelt. Während der Zone eher wie ein Requisit aus einem Science-Fiction-Film wirkte, kam der OnTrac bodenständiger daher.
Heute, bald zwei Jahre später, hat sich der erste Hype gelegt und die Realität des Alltags ist eingekehrt. Wenn ich ehrlich bin, ist meine Beziehung zu diesen Kopfhörern kompliziert. Sie sind schwer, die Software zickt manchmal und der Preis war von Anfang an eine Ansage. Dennoch greife ich jeden Tag fast instinktiv zu ihnen, wenn ich im Büro arbeite. Das liegt vor allem an einem Mut zur Lücke und einer haptischen Qualität, die man bei der Konkurrenz oft vermisst.
Das Design als Befreiungsschlag vom Einheitsbrei
Während die meisten Hersteller im Jahr 2026 immer noch auf den minimalistischen, fast schon klinischen Look setzen, bleibt der OnTrac ein brachialer Hingucker. Das modulare System mit den wechselbaren Outer Caps und Ohrpolstern hat sich über die Zeit als echter Geniestreich erwiesen. Ich habe mittlerweile drei verschiedene Sets in meinem Büro liegen und passe die Optik tatsächlich meiner Kleidung oder meiner Laune an. Es fühlt sich weniger wie ein technisches Gerät und mehr wie ein hochwertiges Accessoire an.
Dass das Gehäuse nach fast zwei Jahren intensiver Nutzung kaum Kratzer aufweist, spricht für die Materialwahl. Dyson hat hier nicht gespart und das merkt man jeder Berührung an. Es ist diese haptische Befriedigung, die mir bei den Plastikgehäusen von Sony oder Bose oft fehlt. Es ist dieses Gefühl von Wertigkeit, das man hat, wenn man ein massives Stück Technik in der Hand hält, das nicht beim ersten scharfen Hinsehen auseinanderfällt.
Klangqualität und die Magie der Stille im Alltag
Kommen wir zum Kern der Sache. Der Klang des OnTrac ist auch heute noch absolut konkurrenzfähig. Die 40 mm Neodym Lautsprechertreiber liefern ein Klangbild, das sehr direkt und energisch ist. Es ist kein neutraler Studioklang, sondern eine Abstimmung, die ordentlich Druck macht und besonders bei elektronischer Musik oder Podcasts voll überzeugt. Was mich aber nach wie vor am meisten beeindruckt, ist die Geräuschunterdrückung, die bis zu 40 Dezibel an Umgebungslärm eliminiert.
In einer vollbesetzten S-Bahn zur Stoßzeit oder während ich über durch die Fußgängerzonen spaziere, ist das ein Segen. Dyson nutzt hier eine enorme Rechenleistung, die Hintergrundgeräusche so präzise herausfiltert, dass eine fast unheimliche Stille entsteht. Dass der Transparenzmodus immer noch zu den natürlichsten auf dem Markt gehört, macht den Alltag deutlich entspannter. Man nimmt die Umgebung wahr, ohne dass sie blechern oder künstlich verstärkt wirkt, was besonders bei Ansagen am Bahnsteig Gold wert ist.
Wo die Liebe auf die Probe gestellt wird
Natürlich ist nicht alles perfekt und ich will hier nichts beschönigen. Wer den OnTrac länger als drei Stunden am Stück trägt, spürt das Gewicht von über 450 Gramm deutlich. Die Polsterung am Kopfbügel ist zwar clever gelöst und verteilt den Druck auf drei einzelne Kissen, aber die Physik lässt sich nicht austricksen. Nach einem langen Arbeitstag merke ich die Last im Nacken.
Ein weiteres Ärgernis bleibt die Software. Die Integration in die MyDyson App ist auch nach diversen Updates im Jahr 2026 manchmal hakelig. Es kommt vor, dass die Verbindung beim Wechsel zwischen meinem MacBook und dem iPhone nicht reibungslos klappt und ich manuell nachhelfen muss. Das sind Momente, in denen ich das Gerät am liebsten gegen die Wand pfeffern würde. Auch die Sensorik für die Trageerkennung reagiert manchmal etwas übereifrig und pausiert die Musik, wenn ich nur den Kopf leicht zum Grüßen neige oder mir kurz die Brille richte. Es sind diese kleinen Macken, die zeigen, dass Dyson im Audiobereich zwar schnell lernt, aber die Perfektion der alteingesessenen HiFi Riesen noch nicht ganz erreicht hat.
Die beeindruckende Ausdauer auf langen Wegen
Ein Punkt, der für mich im Jahr 2026 alle Schwächen fast wieder wettmacht, ist die schiere Akkulaufzeit. Dyson versprach zum Launch bis zu 55 Stunden Laufzeit mit aktiviertem ANC und dieses Versprechen halten sie auch nach zwei Jahren intensiver Benutzung fast noch punktgenau ein. Ich lade den Kopfhörer gefühlt nur alle zwei Wochen auf. Das ist ein Luxus, den man erst zu schätzen weiß, wenn man ständig andere Geräte an der Strippe hängen hat.
Diese Zuverlässigkeit in der Basisdisziplin Energie sorgt dafür, dass der OnTrac mein Standardbegleiter für die Railjet Fahrt nach Wien oder lange Flüge ab Schwechat geblieben ist. Wenn andere nach der Hälfte der Reise hektisch nach dem Ladekabel oder einer Powerbank im Rucksack kramen, lehne ich mich entspannt zurück und genieße meine Playlist. Die Ladezeit über USB C ist zudem angenehm kurz, sodass man nach nur zehn Minuten am Netz wieder genug Saft für mehrere Stunden Musikgenuss gewinnt.
Nachhaltigkeit durch echte Modularität
Ein Aspekt, der mir in den letzten zwei Jahren immer wichtiger wurde, ist die Reparierbarkeit und Langlebigkeit. Während man bei anderen Herstellern oft den gesamten Kopfhörer einschicken oder gar entsorgen muss, wenn nur ein Polster aufgerissen ist, kann man beim OnTrac fast alles selbst mit einem Handgriff tauschen. Dass Dyson hier ein System geschaffen hat, bei dem die Verschleißteile gleichzeitig die zentralen Designelemente sind, war eine mutige und richtige Entscheidung.
Ich habe in den zwei Jahren einmal die Ohrpolster gewechselt, nicht weil sie kaputt waren, sondern weil ich Lust auf eine neue Farbkombination hatte. Das gibt mir das Gefühl, dass dieses Produkt nicht darauf ausgelegt ist, nach dem Erscheinen eines potenziellen Nachfolgemodells sofort zum Elektroschrott zu gehören. In einer Zeit, in der wir uns alle mehr Gedanken über unseren Konsum machen sollten, ist das ein dicker Pluspunkt für das Team aus Malmesbury.
Ein Fazit mit Ecken und Kanten
Warum empfehle ich den Dyson OnTrac also auch heute noch? Weil er Charakter hat. In einer Welt voller perfekt optimierter, aber oft steriler und langweiliger Technikprodukte ist er der bunte Hund mit kleinen Fehlern. Er ist für Individualisten gedacht, die bereit sind, für exzellente Haptik und ein ikonisches Design ein paar Gramm mehr auf den Schultern zu akzeptieren.
Er ist kein Vernunftkauf im klassischen Sinne, sondern eine emotionale Entscheidung für Qualität und Eigenständigkeit. Wer ein absolut fehlerfreies Leichtgewicht sucht, wird bei den üblichen Verdächtigen vermutlich glücklicher werden. Wer aber ein Stück Technik besitzen möchte, das auch nach zwei Jahren noch modern wirkt, klanglich in der obersten Liga spielt und sich wohltuend vom grauen Einheitsbrei abhebt, kommt am OnTrac kaum vorbei. Er bleibt mein liebster, wenn auch manchmal eigenwilliger Begleiter durch den Alltag.
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Der Dyson OnTrac bleibt auch 2026 eine mutige Ansage an den Einheitsbrei. Trotz hohem Gewicht und gelegentlicher Software-Hänger überzeugt er durch seine unverwüstliche Haptik, das geniale modulare Konzept und eine Akkulaufzeit, die die Konkurrenz noch immer alt aussehen lässt. Ein Kopfhörer mit Charakter.


















