Samsung verabschiedet sich beim Galaxy Z Fold8 vom langen und schmalen Format. Das Ergebnis ist leichter, handlicher und im Alltag überraschend angenehm. Aufgeklappt wirft das neue Seitenverhältnis allerdings noch einige Fragen auf.
Ich habe mit Foldables ein kleines persönliches Problem. Beim ersten Aufklappen ist der Wow Effekt fast immer da. Man spielt mit dem Scharnier, öffnet zwei Apps nebeneinander, schaut ein Video und fühlt sich kurz so, als wäre die Smartphone Zukunft endlich angekommen. Wenige Tage später nutzt man dann doch wieder hauptsächlich das äußere Display und klappt das Gerät nur noch auf, wenn man sich bewusst daran erinnert.
Beim Samsung Galaxy Z Fold8 könnte das ein wenig anders werden. Nicht unbedingt, weil Samsung das Prinzip des faltbaren Smartphones neu erfunden hätte. Vielmehr verändert der Hersteller erstmals sehr deutlich die Form. Das neue Fold ist kürzer, wesentlich breiter und wirkt dadurch fast wie eine Mischung aus Smartphone, kleinem Notizbuch und überdimensionierter Kassette. Wer noch weiß, wie sich ein Walkman in der Hand angefühlt hat, bekommt ungefähr eine Vorstellung davon.
Das ist ungewohnt, aber auch überraschend charmant.
Samsungs bisher handlichstes Fold
Der erste Eindruck wird vor allem vom Gewicht geprägt. Mit 201 Gramm ist das Galaxy Z Fold8 das bislang leichteste Modell innerhalb von Samsungs Fold Familie. Zusammengeklappt misst es 9,7 Millimeter, geöffnet sind es lediglich 4,5 Millimeter. Damit fühlt es sich in der Hosentasche wesentlich weniger nach technischem Sonderling an als frühere Generationen.
Natürlich ist das Fold8 mit seinen knapp 82 Millimetern Breite kein kleines Smartphone. Menschen mit eher kleinen Händen werden es einhändig weiterhin nicht besonders komfortabel bedienen. Das Gewicht verteilt sich durch das breitere Gehäuse aber angenehm und das Gerät wirkt weniger kopflastig als man zunächst vermuten würde.
Bei der Verarbeitung liefert Samsung genau das, was man in dieser Preisklasse erwarten darf. Der Rahmen aus Advanced Armor Aluminum fühlt sich stabil an, die Tasten besitzen einen klaren Druckpunkt und die Übergänge zwischen den Gehäuseteilen sind sauber gearbeitet. Besonders gut gefällt mir unsere Farbvariante Lavender. Je nach Lichteinfall wirkt sie einmal recht dezent und im nächsten Moment beinahe verspielt. Wer es klassischer mag, bekommt das Fold8 auch in Graphite oder Cream. Pistachio bleibt dem Samsung Onlineshop vorbehalten.
Das Kameramodul steht deutlich aus dem Gehäuse heraus. Legt man das Fold8 geschlossen auf einen Tisch, wackelt es entsprechend. Das ist bei aktuellen Smartphones keine Besonderheit mehr, bei einem Gerät für mindestens 1.999 Eurodarf man sich darüber trotzdem ärgern.
Breiter statt immer länger
Die wichtigste Neuerung ist zweifellos das Format. Frühere Galaxy Fold Modelle wirkten im geschlossenen Zustand lange Zeit wie ungewöhnlich schmale Fernbedienungen. Samsung hat das über mehrere Generationen verbessert, blieb dem grundsätzlichen Konzept aber treu. Beim Fold8 folgt nun der größere Schnitt.
Das äußere 5,5 Zoll AMOLED Display besitzt ein Seitenverhältnis von ungefähr 10:16. Dadurch lassen sich Nachrichten, Webseiten und soziale Netzwerke deutlich natürlicher bedienen. Texte wirken weniger zusammengedrückt, Tastaturen bieten mehr Platz und viele Apps sehen nahezu so aus wie auf einem klassischen Smartphone.
Interessanterweise sorgt gerade das bessere Außendisplay dafür, dass man das Fold8 nicht ständig öffnen muss. Das könnte man als Widerspruch zum gesamten Konzept verstehen. Im Alltag ist es jedoch ein Vorteil. Ein Foldable sollte nicht bei jeder kleinen Aufgabe aufgeklappt werden müssen. Es sollte geschlossen ein gutes Smartphone und geöffnet ein Mehrwert sein.
Das Fold8 kommt diesem Ideal näher als viele frühere Modelle.
Aufgeklappt wächst die Fläche auf 7,6 Zoll und wechselt in ein annäherndes 4:3 Format. Das erinnert stärker an ein kleines Tablet als an ein besonders großes Smartphone. Bücher, Webseiten, Dokumente und Bildbearbeitung profitieren davon unmittelbar. Auch zwei Apps nebeneinander erhalten mehr brauchbaren Raum.
Samsung bezeichnet das Fold8 entsprechend als Modell für Medienkonsum und Entdeckungen, während das größere Fold8 Ultra stärker auf Produktivität ausgerichtet ist. Diese Trennung ergibt nach den ersten Tagen durchaus Sinn. Das Fold8 fühlt sich weniger wie ein mobiles Büro und mehr wie ein kompaktes Unterhaltungsgerät an.
Großes Display trifft auf kleine Formatprobleme
Technisch gibt es an den beiden Bildschirmen zunächst wenig auszusetzen. Innen wie außen arbeitet ein Dynamic AMOLED 2X Panel mit einer adaptiven Bildwiederholrate zwischen 1 und 120 Hertz. Die maximale Helligkeit liegt laut Samsung bei bis zu 3.000 Nits. Inhalte wirken kontrastreich, Farben kräftig und Bewegungen angenehm flüssig.
Die Falte in der Mitte ist noch vorhanden. Man kann sie unter bestimmten Lichtwinkeln sehen und beim bewussten Darüberstreichen auch fühlen. Im Vergleich zu den ersten Fold Generationen ist sie aber deutlich unauffälliger geworden. Nach kurzer Nutzung blendet man sie weitgehend aus.
Samsung setzt unter dem flexiblen Display auf eine neue Struktur mit Titanlegierung. Sie soll den Bildschirm stützen, Belastungen besser verteilen und zugleich die sichtbare Falte reduzieren. Auch das überarbeitete Scharnier trägt dazu bei, dass sich das Gerät geschmeidiger öffnen lässt.
Beim Schließen liefert das Fold8 genau dieses satte Geräusch, das man von einem hochwertigen Faltgerät erwartet. Das Scharnier hält zuverlässig in unterschiedlichen Positionen und eignet sich dadurch weiterhin hervorragend für Videoaufnahmen, Videotelefonie oder Zeitraffer. Das Smartphone wird dabei gewissermaßen zu seinem eigenen Stativ.
Weniger überzeugend ist bislang die Anpassung mancher Inhalte an das neue Format. Bei klassischen Videos entstehen auf dem inneren Display breite schwarze Flächen. Vergrößert man das Bild, werden oben und unten Teile abgeschnitten. Dreht man das Gerät, verschwindet das Problem ebenfalls nicht vollständig.
Auch einige soziale Netzwerke nutzen die Fläche noch nicht überzeugend. Teilweise erscheinen Inhalte mit großzügigen Rändern, teilweise wirken Bedienelemente unnötig weit auseinandergezogen. Das ist nicht zwingend Samsungs Fehler. Ohne passende Anpassungen durch die jeweiligen Entwickler bleibt ein ungewöhnliches Displayformat aber immer ein Kompromiss.
Gerade weil Samsung das 4:3 Format offensiv als Vorteil für Filme und Serien bewirbt, wirkt das etwas widersprüchlich. Für Lesen, Surfen, Spiele und paralleles Arbeiten funktioniert die breite Fläche hervorragend. Für klassische Videos ist sie dagegen weniger ideal, als die reine Displaygröße vermuten lässt.
Ein gutes Scharnier macht noch kein unzerstörbares Smartphone
Das Galaxy Z Fold8 besitzt eine Zertifizierung nach IP48. Damit übersteht es zeitweiliges Untertauchen in Süßwasser, ist aber nicht vollständig gegen Staub geschützt. Samsung rät ausdrücklich von der Verwendung am Strand oder im Pool ab.
Bei einem normalen Smartphone würde man darüber vielleicht hinwegsehen. Bei einem Gerät mit einem Einstiegspreis von knapp 2.000 Euro bleibt jedoch ein gewisses Unbehagen. Ein feines Sandkorn zwischen den Displayhälften oder im Bereich des Scharniers ist keine besonders angenehme Vorstellung.
Der leicht erhöhte Rahmen rund um das Innendisplay hat deshalb seinen Sinn. Beim Schließen treffen zuerst die Ränder aufeinander und nicht direkt die beiden empfindlichen Displayflächen. Staub und kleine Fremdkörper können dadurch zwar nicht vollständig ausgeschlossen werden, die Konstruktion vermittelt aber einen durchdachten Eindruck.
Trotzdem bleibt das Fold8 ein Gerät, mit dem man etwas bewusster umgehen sollte als mit einem klassischen Galaxy S Modell. Das Design ist robuster geworden, die Physik lässt sich aber auch in der achten Generation nicht austricksen.
Leistung ohne Ausreden
Beim Prozessor geht Samsung erfreulicherweise keine Kompromisse ein. Im Inneren arbeitet der Snapdragon 8 Elite Gen 5 for Galaxy. Je nach Speichergröße stehen 12 oder 16 GB Arbeitsspeicher zur Verfügung. Beim internen Speicher kann zwischen 256 GB, 512 GB und 1 TB gewählt werden. Die größte Variante erhält die vollen 16 GB RAM.
In den ersten Tagen reagierte das Fold8 entsprechend schnell. Apps öffnen ohne sichtbare Verzögerung, Animationen laufen sauber und auch mehrere Anwendungen nebeneinander bringen das Gerät zunächst nicht aus der Ruhe. Eine endgültige Aussage zur dauerhaften Leistung und Wärmeentwicklung wäre nach so kurzer Zeit allerdings unseriös.
Ausgeliefert wird das Fold8 mit Android 17 und One UI 9. Samsungs Benutzeroberfläche gehört mittlerweile zu den ausgereiftesten Lösungen für faltbare Smartphones. Geteilte Ansichten, schwebende Fenster und die Taskleiste machen auf dem großen Display tatsächlich Sinn. Gleichzeitig bleibt One UI optisch Geschmackssache. Wer eine sehr reduzierte Android Oberfläche bevorzugt, wird sich auch mit der neuen Version erst anfreunden müssen.
Galaxy AI spielt erwartungsgemäß erneut eine große Rolle. Einige Funktionen können beim Zusammenfassen, Übersetzen oder Bearbeiten von Inhalten hilfreich sein. Andere probiert man einmal aus und vergisst sie anschließend wieder. Das Fold8 profitiert von künstlicher Intelligenz nicht automatisch stärker als ein klassisches Galaxy Smartphone. Die große Darstellung macht Ergebnisse und Bearbeitungswerkzeuge aber übersichtlicher.
Größerer Akku, weiterhin überschaubares Ladetempo
Der Akku besitzt eine Kapazität von 4.800 mAh. Das ist für ein so leichtes und dünnes Foldable ordentlich, muss im ausführlichen Test aber zwei helle AMOLED Displays und einen leistungsstarken Prozessor versorgen.
Geladen wird kabelgebunden mit bis zu 45 Watt und kabellos mit bis zu 20 Watt. Wireless PowerShare ist ebenfalls wieder vorhanden. Das sind Verbesserungen, im Vergleich zu manchen chinesischen Herstellern bleibt Samsung beim Ladetempo trotzdem konservativ.
Ein Netzteil befindet sich nicht im Lieferumfang. In der schlanken Verpackung liegen neben dem Smartphone lediglich ein USB C Kabel, das SIM Werkzeug und der übliche Papierkram. Nachhaltigkeit hin oder her, bei einem Gerät dieser Preisklasse wirkt ein separat verkauftes Ladegerät weiterhin etwas kleinlich.
Zur tatsächlichen Laufzeit lässt sich nach den ersten Tagen noch kein belastbares Urteil abgeben. Entscheidend wird sein, wie häufig man das große Innendisplay verwendet. Wer überwiegend außen arbeitet, dürfte deutlich länger durch den Tag kommen als jemand, der Videos, Spiele und Multitasking intensiv auf der gesamten Fläche nutzt.
Zwei starke Kameras und eine auffällige Lücke
Auf der Rückseite sitzen nur zwei Kameras. Samsung kombiniert eine optisch stabilisierte 50 Megapixel Hauptkameramit einer ebenfalls 50 Megapixel starken Ultraweitwinkelkamera. Beide Sensoren können Videos mit bis zu 8K und 30 Bildern pro Sekunde aufnehmen.
Die ersten Fotos hinterlassen einen guten Eindruck. Farben und Kontrast wirken Samsung typisch kräftig, die beiden Brennweiten scheinen ordentlich aufeinander abgestimmt zu sein. Eine seriöse Beurteilung der Bildqualität, insbesondere bei Nacht, folgt allerdings erst im vollständigen Test.
Problematischer ist das fehlende Teleobjektiv. Samsung spricht bei der Hauptkamera von einem zweifachen Zoom in optischer Qualität. Technisch handelt es sich dabei jedoch um einen Ausschnitt aus dem hochauflösenden Sensor und nicht um eine eigene Telekamera.
Bei einem Smartphone ab 1.999 Euro ist das schwer zu ignorieren. Gerade auf Reisen, bei Veranstaltungen oder für Porträts gehört ein guter optischer Zoom inzwischen zur erwartbaren Ausstattung eines Spitzenmodells. Wer diesen haben möchte, soll offensichtlich zum teureren Fold8 Ultra greifen.
Je eine 10 Megapixel Frontkamera befindet sich im äußeren und inneren Display. Beide nehmen Videos mit bis zu 4K und 60 Bildern pro Sekunde auf. Praktisch bleibt die Möglichkeit, das Smartphone halb geöffnet aufzustellen und sich ohne zusätzliches Stativ aufzunehmen. Für Social Media, Videotelefonie oder spontane Moderationen ist das nach wie vor einer der überzeugendsten Vorteile eines Foldables.
Preis und erstes Fazit
In Österreich startet das Samsung Galaxy Z Fold8 bei einer unverbindlichen Preisempfehlung von 1.999 Euro. Das Fold8 Ultra beginnt bei 2.199 Euro. Damit trennt Samsung die beiden Modelle preislich weniger deutlich, als es die unterschiedlichen Konzepte zunächst vermuten lassen.
Das macht die Kaufentscheidung kompliziert. Das normale Fold8 ist leichter, kompakter und besitzt das interessantere Format für den Alltag. Das Ultra bietet dagegen mehr Displayfläche, eine deutlich umfangreichere Kameraausstattung und den stärkeren Anspruch, ein echtes Arbeitsgerät zu sein.
Nach dem ersten Kennenlernen gefällt mir das normale Fold8 überraschend gut. Vor allem geschlossen wirkt es wesentlich natürlicher als frühere Modelle. Es ist leicht, hervorragend verarbeitet und lässt sich endlich beinahe wie ein normales Smartphone verwenden. Das neue Format ist mehr als eine optische Spielerei.
Aufgeklappt bleibt meine Begeisterung etwas verhaltener. Das breite Display ist großartig für Texte, Webseiten, Bilder, Spiele und mehrere Apps. Bei Videos und manchen sozialen Netzwerken zeigt sich jedoch, dass ein ungewöhnliches Seitenverhältnis nicht automatisch mehr nutzbare Fläche bedeutet.
Genau darin liegt die spannendste Frage für den ausführlichen Test: Ist das Galaxy Z Fold8 ein Foldable, das man auch nach dem ersten Wow Moment gerne weiter aufklappt, oder wird das ausgezeichnete Frontdisplay am Ende wieder zur meistgenutzten Seite?
Die Voraussetzungen sind jedenfalls besser als je zuvor. Samsung hat das Fold nicht einfach dünner gemacht. Der Hersteller hat sich endlich getraut, seine Form grundlegend zu verändern. Und vielleicht ist genau das die wichtigste Neuerung dieser Generation.















