Das Honor 600 Pro ist eines dieser Smartphones, bei denen der eigentliche Test schon beginnt, bevor man das Display überhaupt eingeschaltet hat. Man nimmt es in die Hand, schaut auf die Rückseite und denkt sofort: Das kenne ich doch irgendwoher. Honor macht keinen großen Hehl daraus, dass man sich beim Design sehr deutlich von aktuellen iPhone Pro Modellen inspirieren lässt. Besonders in der Farbvariante Orange ist die Ähnlichkeit kaum zu übersehen. Das Kameramodul, die Farbwirkung, die generelle Formsprache und selbst die Art, wie das Gerät Premium ausstrahlen möchte, wirken bewusst vertraut.
Das kann man kritisch sehen, und man sollte es auch kritisch einordnen. Ein Smartphone in dieser Preisklasse darf gerne eine eigene Identität haben. Gleichzeitig wäre es zu einfach, das Honor 600 Pro nur auf diesen Punkt zu reduzieren. Denn sobald man das Gerät länger nutzt, zeigt sich schnell, dass Honor hier mehr abliefert als eine optische Kopie mit Android Oberfläche. Das Honor 600 Pro ist stark ausgestattet, sehr gut verarbeitet, besitzt ein beeindruckend helles Display, ein vielseitiges Kamerasystem, einen großen Akku und moderne Konnektivität. Es ist also kein Blender, sondern ein ernstzunehmendes Oberklasse Smartphone mit einigen echten Stärken und ein paar Schwächen, die man kennen sollte.
Spannend ist vor allem, wie Honor dieses Gerät positioniert. Das Honor 600 Pro wirkt nicht wie ein kompromissloses Ultra Modell, will aber trotzdem sehr nah an die Premiumklasse heran. Der Preis von 999 Euro zeigt klar, dass Honor hier nicht im klassischen Mittelklassebereich unterwegs ist. Gleichzeitig versucht der Hersteller, das Paket durch starke Vorbesteller beziehungsweise Startangebote attraktiver zu machen. Für Käuferinnen und Käufer stellt sich deshalb die Frage, ob das Honor 600 Pro am Ende einfach nur ein hübsch verpacktes Android Smartphone mit bekanntem Look ist oder ob es genug eigene Qualitäten mitbringt, um sich in dieser anspruchsvollen Preisklasse zu behaupten.
Der erste Blick trügt nicht ganz
Beim Design geht Honor aufs Ganze. Das Honor 600 Pro sieht aus wie ein Smartphone, das ganz bewusst Aufmerksamkeit erzeugen soll. Die getestete Farbe Gold ist dabei ein sehr dezenter Ton. Sie ist nicht weiß, nicht gold sondern eher eine dezente Mischung. Auf alle Fälle wirkt sie hochwertig, modern und unaufdringlich. Wer es etwas weniger dezent möchte, wird vermutlich eher zur orangen Variante greifen.
Die Nähe zu Apples Designsprache ist allerdings so offensichtlich, dass man sie nicht schönreden sollte. Honor übernimmt hier nicht nur grob eine Richtung, sondern orientiert sich sehr klar an der Anmutung eines iPhone Pro. Das betrifft nicht nur die Rückseite, sondern auch die gesamte Wirkung des Geräts. Für manche Nutzerinnen und Nutzer kann das ein Vorteil sein. Sie bekommen einen Look, der vertraut und hochwertig wirkt, bleiben aber im Android Ökosystem. Für andere ist es eher ein Minuspunkt, weil ein Smartphone dieser Klasse gern mutiger und eigenständiger auftreten dürfte.
Unabhängig davon muss man Honor bei der Verarbeitung loben. Das Gerät fühlt sich sehr solide an. Der Aluminiumrahmen ist sauber gearbeitet, die Rückseite wirkt angenehm und die Übergänge sind ordentlich umgesetzt. Nichts knarzt, nichts wirkt locker, nichts vermittelt den Eindruck eines halbfertigen Produkts. Das Honor 600 Pro liegt angenehm in der Hand, obwohl es mit 6,57 Zoll Displaydiagonale nicht gerade klein ist. Mit 195 Gramm bleibt es aber in einem Bereich, der im Alltag gut tragbar ist. Es wirkt hochwertig, ohne zu schwer zu sein.
Auch die Bauform ist gelungen. Mit 7,8 Millimetern an der dünnsten Stelle bleibt das Gehäuse vergleichsweise schlank. Das Kameramodul steht sichtbar hervor, aber nicht so stark, dass es störend wirkt. Auf dem Tisch liegt das Gerät natürlich nicht komplett plan, doch das ist bei Smartphones mit größerem Kamerasystem längst normal. Positiv ist, dass Honor die Rückseite nicht überladen hat. Trotz des auffälligen Kameraelements wirkt das Design nicht chaotisch, sondern klar strukturiert.
Weniger überzeugend ist die Tastenanordnung. Neben Lautstärkewippe und Powerbutton gibt es einen eigenen AI Button. Die Idee dahinter ist grundsätzlich gut, denn ein frei nutzbarer Zusatzknopf kann im Alltag sehr praktisch sein. Man kann damit etwa die Kamera starten, die Taschenlampe aktivieren oder das Gerät schnell auf Vibration stellen. In der Praxis sitzt dieser Knopf aber ziemlich nah am Powerbutton. Dadurch kann es passieren, dass man ihn versehentlich erwischt. Gerade beim schnellen Entsperren oder beim Umgreifen des Geräts fällt das auf. Noch ärgerlicher ist, dass Honor die Belegung nicht komplett frei lässt. Es gibt vorgegebene Funktionen, aus denen man wählen kann, aber keine völlig offene Konfiguration. Bei einem Gerät, das stark mit künstlicher Intelligenz und Personalisierung wirbt, hätte man hier mehr Freiheit erwarten dürfen.
Ein Display, das richtig aufdreht
Das Display ist einer der stärksten Bereiche des Honor 600 Pro. Honor verbaut ein 6,57 Zoll AMOLED Panel mit einer Auflösung von 1264 mal 2728 Pixeln. Daraus ergibt sich eine Pixeldichte von 458 ppi. In der Praxis sieht das hervorragend aus. Texte sind gestochen scharf, Symbole wirken fein gezeichnet und Fotos zeigen viele Details. Man muss schon sehr nah an das Display herangehen, um überhaupt einzelne Pixel erahnen zu können.
Die Größe ist gut gewählt. Das Display ist groß genug für Videos, Webseiten, Spiele und Multitasking, ohne dass das Gerät völlig unhandlich wird. Wer von einem kleineren Smartphone kommt, braucht vielleicht etwas Eingewöhnung, aber das Honor 600 Pro bleibt noch in einem angenehmen Format. Es ist kein kompaktes Gerät, aber auch kein übertriebenes Max Modell.
Die Bildwiederholrate liegt bei 120 Hertz. Das sorgt für eine sehr flüssige Darstellung. Beim Scrollen durch Webseiten, beim Wechseln zwischen Apps oder beim Navigieren durch Menüs fühlt sich das Gerät schnell und direkt an. Honor lässt das System selbst entscheiden, wann die hohe Bildrate genutzt wird und wann nicht. Das ist sinnvoll, weil nicht jede App dauerhaft 120 Hertz braucht. Gleichzeitig spart das Akku, ohne dass man im Alltag groß darüber nachdenken muss.
Auch bei der Helligkeit liefert Honor beeindruckende Zahlen. Genannt werden bis zu 8000 Nits Spitzenhelligkeit und eine sehr hohe maximale Standardhelligkeit. Solche Werte entstehen meist unter speziellen Bedingungen, etwa bei HDR Inhalten oder kleinen hellen Bildbereichen. Trotzdem merkt man sofort, dass das Display extrem hell werden kann. Selbst draußen bei direktem Sonnenlicht bleibt der Inhalt gut ablesbar. Das ist ein echter Alltagsvorteil, denn nichts nervt mehr als ein Smartphone, das im Sommer kaum lesbar ist.
Die Unterstützung von HDR10 Plus und 10 Bit Farbtiefe rundet den guten Eindruck ab. Serien, Filme und hochwertige Videos profitieren sichtbar von kräftigen Farben, sauberem Kontrast und guter Dynamik. Schwarz wirkt dank AMOLED Technik tief, helle Inhalte strahlen kräftig und Farben haben genug Sättigung, ohne permanent übertrieben zu wirken. Wer viel auf dem Smartphone streamt, bekommt hier ein wirklich starkes Panel.
Der Fingerabdrucksensor sitzt unter dem Display. Er arbeitet schnell und zuverlässig. Im Test gab es keine nennenswerten Probleme beim Entsperren. Man legt den Finger auf, das Gerät reagiert direkt, und man ist auf dem Homescreen. Das klingt banal, ist im Alltag aber wichtig. Ein langsamer oder unzuverlässiger Sensor kann selbst ein gutes Smartphone nervig machen. Honor macht es hier richtig.
Etwas schade ist, dass Honor auf eine einfache Punch Hole Kamera setzt und keinen erweiterten Sensorbereich für sichereres Face Unlock verbaut. Eine richtige 3D Gesichtserkennung gibt es nicht. Face Unlock funktioniert zwar, ist aber weniger sicher als eine echte Tiefenerkennung. In der Praxis werden viele ohnehin den Fingerabdrucksensor nutzen. Trotzdem hätte eine hochwertigere Gesichtserkennung besser zum Premiumanspruch gepasst.
Selfie Kamera mit Social Media Talent
Die Frontkamera löst mit 50 Megapixeln auf und besitzt eine Blende von f 2.0. Das klingt auf dem Papier stark, und im Alltag liefert sie tatsächlich gute Ergebnisse. Selfies wirken detailreich, Hauttöne werden angenehm getroffen und die Schärfe reicht auch dann aus, wenn man das Bild später zuschneidet oder auf größeren Displays betrachtet.
Besonders positiv ist die Videofunktion. Die Frontkamera kann in 4K mit 30 Bildern pro Sekunde aufnehmen. Das ist nicht selbstverständlich und macht das Honor 600 Pro für Social Media, kurze Vlogs, Videonachrichten und mobile Content Produktion deutlich interessanter. Wer regelmäßig Clips direkt mit der Frontkamera aufnimmt, bekommt eine sichtbar bessere Grundlage als bei vielen Geräten, die vorne nur Full HD liefern.
Im Test macht die Frontkamera einen ausgewogenen Eindruck. Der Hintergrund wird ordentlich dargestellt, Farben wirken nicht übertrieben und die Belichtung arbeitet solide. Gerade bei Tageslicht entstehen sehr brauchbare Ergebnisse. Für Reels, Stories, Shorts oder einfache Moderationen reicht diese Kamera absolut aus. Sie ist nicht nur eine nette Beigabe, sondern tatsächlich ein sinnvoll nutzbarer Bestandteil des Gesamtpakets.
Ganz perfekt ist sie aber nicht. Eine Portrait Videoaufnahme mit der Frontkamera fehlt. Wer also Videos mit künstlicher Hintergrundunschärfe aufnehmen möchte, muss auf diese Funktion verzichten oder mit anderen Modi arbeiten. Das ist kein riesiges Drama, aber in einem Gerät dieser Preisklasse darf man es erwähnen. Auch professionelle Creator werden weiterhin zu externem Licht, Gimbal oder separaten Kameralösungen greifen. Für den normalen Alltag und ambitionierte Social Media Nutzung ist die Frontkamera aber mehr als ordentlich.
200 Megapixel und mehr als nur Zahlenmagie
Das Kamerasystem auf der Rückseite ist ein zentraler Grund, warum das Honor 600 Pro mehr ist als nur ein hübsches Android Smartphone. Honor setzt auf drei Sensoren, die unterschiedliche Aufgaben übernehmen und zusammen ein vielseitiges Paket ergeben. Die Hauptkamera nutzt einen 200 Megapixel Samsung HP3 Sensor mit einer Blende von f 1.9. Dazu kommen optische Bildstabilisierung und Honors Bildverarbeitung.
Im Alltag liefert die Hauptkamera sehr gute Fotos. Sie fängt viele Details ein, arbeitet mit angenehmer Schärfe und bekommt Farben insgesamt gut in den Griff. Die Bilder wirken lebendig, aber nicht komplett künstlich. Honor gehört zu den Herstellern, die gerne mit kräftigen Farben und sichtbarer Nachbearbeitung arbeiten. Beim Honor 600 Pro bleibt das aber meist in einem vernünftigen Rahmen. Die Fotos sehen direkt aus der Kamera gut aus, ohne dass sie ständig nach übertriebener KI Optimierung aussehen.
Die optische Bildstabilisierung ist ein klarer Vorteil. Sie hilft bei schlechterem Licht, bei längeren Belichtungszeiten und bei Videos. Gerade wenn man schnell aus der Hand fotografiert, reduziert sie verwackelte Aufnahmen. Das ist wichtig, weil eine hohe Megapixelzahl allein noch keine gute Kamera macht. Entscheidend ist, wie zuverlässig ein Smartphone in typischen Alltagssituationen gute Bilder liefert. Hier zeigt sich das Honor 600 Pro erfreulich konstant.
Der zweite Sensor ist eine 12 Megapixel Ultraweitwinkelkamera mit einer Blende von f 2.2. Ultraweitwinkelkameras sind bei vielen Smartphones eher Beiwerk. Sie sind nett für Landschaften und Gruppenfotos, fallen qualitativ aber oft deutlich gegenüber der Hauptkamera ab. Beim Honor 600 Pro ist der Abstand zwar vorhanden, aber nicht dramatisch. Besonders erfreulich ist der Autofokus. Dadurch lässt sich der Ultraweitwinkel flexibler nutzen, etwa für nähere Motive oder kreative Perspektiven.
Sehr gelungen ist die Farbabstimmung zwischen Hauptkamera und Ultraweitwinkel. Das klingt nach einem Detail, ist aber in der Praxis wichtig. Wenn ein Foto mit der Hauptkamera warm, kontrastreich und kräftig aussieht, während der Ultraweitwinkel plötzlich kühler, blasser oder anders belichtet wirkt, stört das sofort. Honor bekommt diesen Übergang erstaunlich gut hin. Wer zwischen den Brennweiten wechselt, bekommt eine recht einheitliche Bildsprache.
Der dritte Sensor ist die 50 Megapixel Periskop Telekamera mit Blende f 2.8. Sie bietet 3,5 fachen optischen Zoomund ebenfalls optische Bildstabilisierung. Das ist eine starke Ausstattung. Bis 3,5 fach bleibt die Vergrößerung verlustfrei, danach arbeitet das System mit Hybridzoom und schließlich mit digitalem Zoom. Honor erlaubt Vergrößerungen bis 120 fach. Solche Extremwerte sollte man nicht überbewerten. Sie eignen sich eher zum Ausprobieren als für wirklich schöne Fotos. Entscheidend ist der Bereich darunter.
Und genau dort macht das Honor 600 Pro eine gute Figur. Bis etwa 7 fach Zoom sind die Ergebnisse sehr ordentlich. Auch bei 15 fach oder sogar 20 fach können je nach Licht noch brauchbare Bilder entstehen. Honor setzt dabei KI Unterstützung ein, aber nicht so aggressiv, dass jedes Foto wie eine künstlich rekonstruierte Fantasieaufnahme aussieht. Die Bearbeitung bleibt vergleichsweise dezent. Das ist besser als übertriebene Schärfung oder ein Bild, das zwar spektakulär aussieht, aber kaum noch real wirkt.
Insgesamt ist das Kamerasystem vielseitig, alltagstauglich und über weite Strecken überzeugend. Es erreicht nicht zwingend in jeder Disziplin das Niveau der teuersten Ultra Modelle, aber es bietet für viele Situationen die passende Brennweite und liefert zuverlässig ansehnliche Ergebnisse.
Gute Videos, aber nicht ohne Haken
Bei Videos zeigt das Honor 600 Pro Licht und Schatten. Mit der Hauptkamera sind Aufnahmen in 4K mit 60 Bildern pro Sekunde möglich. Das ist für die meisten Nutzerinnen und Nutzer völlig ausreichend. Videos wirken scharf, flüssig und gut stabilisiert. Die optische Stabilisierung und die elektronische Unterstützung sorgen dafür, dass normale Gehbewegungen und kleinere Verwackler gut abgefangen werden.
Der Wechsel zwischen Hauptkamera und Telekamera funktioniert überzeugend. Besonders der 3,5 fache Zoom ist auch bei Videos sinnvoll nutzbar. Motive lassen sich näher heranholen, ohne dass die Qualität sofort stark einbricht. Für Reisevideos, Tiere, Architekturdetails oder Aufnahmen aus etwas größerer Entfernung ist das praktisch. Man merkt, dass Honor die Telekamera nicht nur als Fotofunktion versteht, sondern auch im Videobereich sinnvoll einbindet.
Einschränkungen gibt es aber beim Ultraweitwinkel. Sobald man in 4K 60 filmt, steht der Ultraweitwinkel nicht zur Verfügung. Noch kritischer ist, dass diese Kamera offenbar generell nicht in 4K aufnehmen kann. Man muss auf 1080p mit 30 Bildern pro Sekunde heruntergehen. Das ist bei einem Smartphone mit starkem Snapdragon Chip enttäuschend. Der Prozessor hätte genug Leistung, vermutlich limitiert hier der Sensor oder Honors interne Kamerapipeline. Für Nutzerinnen und Nutzer, die häufig mit Ultraweitwinkel filmen, ist das ein klarer Nachteil.
Der Bokeh Videomodus ist ebenfalls eingeschränkt. Er arbeitet nur in 1080p, vermutlich ebenfalls mit 30 Bildern pro Sekunde. Für kurze Clips kann das reichen, aber es passt nicht ganz zum Anspruch eines Geräts, das ansonsten mit vielen Premiumwerten auftritt. Gerade weil die Frontkamera schon 4K 30 kann und die Hauptkamera 4K 60 bietet, wirkt die Begrenzung bei Spezialmodi etwas inkonsequent.
Trotzdem ist die Videoleistung insgesamt gut. Wer hauptsächlich mit der Hauptkamera filmt, bekommt starke Ergebnisse. Die Stabilisierung ist brauchbar, die Farben sind angenehm und die Schärfe passt. Nur wer viel zwischen allen Kameras wechseln möchte und dabei durchgehend hohe Auflösung erwartet, wird die Grenzen des Systems spüren.
MagicOS zwischen Android Freiheit und iOS Gefühl
Auf dem Honor 600 Pro läuft MagicOS 10 auf Basis von Android 16. Damit ist das Gerät softwareseitig sehr modern aufgestellt. Zum Testzeitpunkt war der Sicherheitspatch auf März 2026. Honor verspricht außerdem 6 Jahre Android Updates und 6 Jahre Sicherheitspatches. Das ist ein starkes Argument, gerade weil viele Menschen ihr Smartphone inzwischen länger nutzen möchten.
Die Oberfläche selbst ist Geschmackssache. MagicOS orientiert sich optisch stark an iOS. Das sieht man an Symbolen, Menüs, Animationen und an der generellen Gestaltung. Zusammen mit dem äußeren Design entsteht ein sehr deutliches Gesamtbild: Honor möchte Nutzerinnen und Nutzer ansprechen, die Apples Ästhetik mögen, aber Android nutzen wollen. Das kann funktionieren. Wer vom iPhone kommt, dürfte sich schneller zurechtfinden als bei manchen anderen Android Oberflächen.
Für Android Puristen kann genau das aber störend sein. MagicOS fühlt sich weniger nach klassischem Android an und mehr nach einer eigenen Interpretation mit sehr deutlicher Apple Nähe. Immerhin bleibt darunter Android mit seinen Freiheiten erhalten. Man kann Apps flexibler verwalten, Einstellungen tiefer anpassen und ist nicht so eng an ein geschlossenes Ökosystem gebunden. Gerade dieser Mix aus iPhone ähnlicher Optik und Android Funktionalität dürfte für manche Käuferinnen und Käufer interessant sein.
Im Alltag läuft die Software sehr flüssig. Apps öffnen schnell, Animationen wirken sauber, Multitasking funktioniert problemlos. Es gibt keine auffälligen Ruckler oder Verzögerungen. Auch das Zurückkehren in bereits geöffnete Apps klappt zuverlässig. Honor hat die Oberfläche gut auf die Hardware abgestimmt. Man merkt, dass hier genug Leistung vorhanden ist und das System diese Leistung auch nutzt.
KI Funktionen spielen eine große Rolle. Neben Googles bekannten Werkzeugen wie Circle to Search integriert Honor eigene Funktionen für Bilder, Übersetzungen, Erinnerungen und kreative Bearbeitung. In der Galerie gibt es etwa einen Radierer, Erweiterungsfunktionen und einen Bild zu Video Modus 2.0. In der Kamera helfen Funktionen wie AI Color Engine und AI Super Zoom.
Wichtig ist, dass Honor die KI nicht völlig übertreibt. Viele Hersteller neigen dazu, Bilder so stark zu bearbeiten, dass sie kaum noch natürlich wirken. Beim Honor 600 Pro bleibt die Bearbeitung meist auf einem akzeptablen Niveau. Man sieht, dass optimiert wird, aber es wirkt nicht permanent künstlich. Gerade beim Zoom ist das entscheidend, weil KI hier schnell zu stark glättet, schärft oder Details erfindet. Honor findet meistens eine gute Balance.
Snapdragon Power mit kleiner Speicherbremse
Beim Prozessor greift Honor weit oben ins Regal. Im Honor 600 Pro arbeitet der Snapdragon 8 Elite. Dieser Chip wird im 3 Nanometer Verfahren gefertigt, besitzt acht Kerne und erreicht Taktraten von bis zu 4,32 Gigahertz. Dazu kommt die Adreno 830 Grafikeinheit. Auf dem Papier ist das eine sehr starke Plattform, und im Alltag bestätigt sich dieser Eindruck.
Das Smartphone fühlt sich schnell an. Apps starten ohne Wartezeit, die Kamera öffnet flott, Webseiten laden zügig und selbst mehrere geöffnete Anwendungen bringen das System nicht sichtbar aus dem Tritt. Wer sein Smartphone für alltägliche Aufgaben nutzt, wird die Leistungsreserven kaum ausreizen. Messenger, Browser, Streaming, Navigation, Banking, Social Media und Fotobearbeitung laufen problemlos.
Auch anspruchsvollere Anwendungen machen dem Gerät keine unmittelbaren Schwierigkeiten. Spiele laufen flüssig, Menüs reagieren direkt und das Display unterstützt den schnellen Eindruck zusätzlich durch seine 120 Hertz. Im Benchmark erreicht das Honor 600 Pro laut Test 2.750.000 Punkte im AnTuTu. Das zeigt klar, dass hier keine Mittelklassehardware arbeitet.
Trotzdem gibt es einen Punkt, der nicht ganz zum starken Prozessor passt. Honor verbaut 12 Gigabyte LPDDR4X RAM. Das ist im Alltag nicht langsam im Sinne von störend, aber für ein Smartphone dieser Klasse nicht mehr besonders modern. Bei einem Gerät mit Snapdragon 8 Elite hätte man schnelleren LPDDR5 oder LPDDR5X Speicher erwartet. Auch der interne Speicher mit 512 Gigabyte UFS 3.1 ist großzügig, aber nicht der aktuell schnellste Standard.
Für die meisten Nutzerinnen und Nutzer wird das kaum auffallen. Das Honor 600 Pro bleibt sehr schnell. Wer aber ein Gerät für mehrere Jahre kaufen möchte und auch kommende Spiele oder besonders anspruchsvolle Apps im Blick hat, sollte diesen Punkt kennen. Die CPU und GPU sind stark genug, aber die Speicherwahl wirkt etwas weniger ambitioniert als der Rest des Datenblatts.
Im Gaming Bereich ist das Gerät aktuell sehr gut nutzbar. Anspruchsvolle Titel laufen flüssig, und auch längere Sessions sollten möglich sein. Bei zukünftigen Spielen könnte die Kombination aus älterem RAM Standard und thermischer Belastung irgendwann relevanter werden. Aktuell ist das aber eher ein theoretischer Kritikpunkt als ein echtes Alltagsproblem.
Alles verbunden, aber USB bleibt altmodisch
Bei der Konnektivität ist das Honor 600 Pro modern ausgestattet. Es unterstützt LTE, 5G, WLAN 7, Bluetooth 6.0 und NFC. Damit ist alles vorhanden, was man von einem aktuellen Oberklasse Smartphone erwartet. Besonders WLAN 7 ist zukunftssicher, auch wenn man dafür natürlich einen passenden Router benötigt. Wer bereits ein modernes Heimnetzwerk nutzt oder in den kommenden Jahren aufrüstet, kann davon profitieren.
Der SIM Schacht nimmt zwei Nano SIM Karten auf. Zusätzlich unterstützt das Gerät E SIM. Das ist praktisch für Menschen, die private und berufliche Nummern trennen oder häufig reisen. Gerade im Ausland ist E SIM inzwischen ein echter Komfortgewinn, weil man schnell einen lokalen Datentarif hinzufügen kann, ohne eine physische Karte wechseln zu müssen.
NFC ist an Bord und ermöglicht kontaktloses Bezahlen. Bluetooth 6.0 sorgt für moderne Verbindungen zu Kopfhörern, Smartwatches, Lautsprechern und anderem Zubehör. Im Alltag ist das inzwischen selbstverständlich, aber gerade bei einem Gerät, das mehrere Jahre genutzt werden soll, sind aktuelle Standards wichtig.
Weniger überzeugend ist der USB Anschluss. Honor verbaut zwar USB C, allerdings nur mit USB 2.0. Das wirkt in dieser Preisklasse nicht besonders zeitgemäß. Wer große Videodateien kabelgebunden auf den Rechner übertragen möchte, muss mit langsameren Geschwindigkeiten leben. Viele Nutzerinnen und Nutzer werden Dateien ohnehin per Cloud, WLAN oder Messenger übertragen. Trotzdem bleibt USB 2.0 ein Punkt, der nicht zum Premiumanspruch passt.
Die Lautsprecher sind echte Dual Stereolautsprecher mit separaten Öffnungen. Das ist besser als Lösungen, bei denen der zweite Kanal nur über die Hörmuschel läuft. Für YouTube, Serien, Spiele und Podcasts reicht die Klangqualität im Alltag gut aus. Natürlich ersetzt das keine guten Kopfhörer oder einen externen Lautsprecher, aber für ein Smartphone ist eine echte Stereoausgabe ein klarer Vorteil.
Schnell laden, lange durchhalten
Der Akku ist eine der größten Stärken des Honor 600 Pro. Honor verbaut einen 6400 Milliamperestunden starken Silizium Carbon Akku. Diese Technologie erlaubt hohe Kapazitäten, ohne dass das Gehäuse extrem dick werden muss. Genau das merkt man hier. Das Gerät bleibt relativ schlank und bringt trotzdem eine Akkukapazität mit, die deutlich über vielen Konkurrenzmodellen liegt.
Im Alltag überzeugt die Laufzeit. Im Test war ein voller Tag problemlos möglich. Selbst bei intensiver Nutzung blieben am Abend noch 20 bis 25 Prozent Restakku übrig. Dabei wurden etwa 6,5 bis 7 Stunden Displayzeit erreicht. Das ist ein sehr guter Wert. Wer morgens mit vollem Akku startet, muss sich tagsüber kaum Gedanken machen. Navigation, Kamera, Social Media, Streaming und Messenger lassen sich nutzen, ohne ständig nach einer Steckdose zu suchen.
Gerade für Vielnutzer ist das ein echter Vorteil. Viele Smartphones bieten starke Leistung und gute Kameras, müssen dafür aber früh wieder ans Netz. Das Honor 600 Pro wirkt hier entspannter. Der große Akku passt gut zur hellen Anzeige und zum schnellen Prozessor. Honor zeigt einmal mehr, dass die eigenen Geräte bei der Laufzeit stark aufgestellt sind.
Geladen wird kabelgebunden mit bis zu 80 Watt. Das passende Netzteil liegt allerdings nicht bei. Wer die maximale Ladeleistung nutzen möchte, muss also ein kompatibles Netzteil besitzen oder separat kaufen. Kabellos lädt das Honor 600 Pro mit bis zu 50 Watt Wireless Charging. Das ist ebenfalls sehr schnell, sofern man ein passendes Ladegerät nutzt.
Interessant ist auch das Reverse Charging. Honor setzt hier nicht auf kabelloses Rückladen, sondern auf kabelgebundenes Reverse Charging mit bis zu 27 Watt. Das ist im Alltag oft sinnvoller. Kopfhörer, ein zweites Smartphone oder anderes Zubehör lassen sich so schneller und effizienter laden als über langsames kabelloses Rückladen. Es ist vielleicht weniger spektakulär, aber praktischer.
Starkes Angebot, aber kein Selbstläufer
Die unverbindliche Preisempfehlung des Honor 600 Pro liegt bei 999 Euro. Das ist eine selbstbewusste Ansage. In diesem Bereich trifft das Gerät auf starke Konkurrenz, darunter etablierte Premium Smartphones von Samsung, Google, Xiaomi, OnePlus und natürlich auch ältere iPhone Modelle. Honor muss also erklären, warum man zu diesem Gerät greifen sollte.
Der reine Blick auf die UVP macht es dem Honor 600 Pro nicht leicht. Für 999 Euro erwarten viele Käuferinnen und Käufer ein nahezu kompromissloses Paket. Genau das liefert Honor nicht ganz. USB 2.0, LPDDR4X RAM, keine 4K Aufnahme mit dem Ultraweitwinkel und die sehr starke Designnähe zu Apple sind Punkte, die man bei diesem Preis nicht ignorieren sollte.
Honor versucht den Preis aber über ein starkes Startangebot abzufedern. Im Zeitraum vom 6. Mai bis 1. Juni 2026 gibt es beim Kauf über Honor unter anderem einen 200 Euro Gutschein, einen Honor Beamer im Wert von 249 Euro, eine Aufbewahrungsbox und Honor Clip Buds im Wert von 149 Euro dazu. Rechnet man diese Zugaben vollständig ein, wirkt das Angebot deutlich attraktiver.
Fairerweise muss man aber sagen: Nicht jede Zugabe hat für jede Person den vollen Wert. Wer keinen Beamer braucht, wird ihn vielleicht verkaufen wollen, bekommt dann aber nicht zwingend den angegebenen Originalpreis. Wer die Clip Buds ohnehin nutzen möchte und mit dem Gutschein etwas anfangen kann, profitiert stärker. Das Angebot ist also vor allem dann gut, wenn man die Extras wirklich gebrauchen kann.
Unter dem Strich bleibt das Honor 600 Pro preislich interessant, aber nicht automatisch ein Schnäppchen. Zum vollen UVP Preis muss man genauer überlegen. Mit attraktivem Startpaket sieht die Rechnung deutlich besser aus.
Kritikpunkte im Alltag
Das Honor 600 Pro macht vieles richtig, aber einige Schwächen bleiben hängen. Die erste ist das Design. Natürlich ist Optik Geschmackssache, aber die Nähe zu Apple ist so deutlich, dass sie Teil der Bewertung sein muss. Honor hätte mehr Eigenständigkeit zeigen können. Gerade weil das Gerät technisch viel zu bieten hat, hätte es ein eigenes Design verdient.
Auch die Software setzt diesen Eindruck fort. MagicOS funktioniert gut, sieht aber ebenfalls stark nach iOS aus. Wer genau das möchte, wird sich freuen. Wer Android wegen seiner eigenen Identität schätzt, könnte sich daran stören. Das Honor 600 Pro steht damit etwas zwischen den Welten. Es will Android sein, fühlt sich aber optisch oft wie ein iPhone Verwandter an.
Technisch stört vor allem die Mischung aus sehr starken und weniger starken Komponenten. Der Snapdragon 8 Elite ist hervorragend, doch LPDDR4X RAM wirkt daneben nicht besonders modern. 512 Gigabyte Speicher sind stark, aber UFS 3.1 ist nicht mehr die Spitze. USB 2.0 passt ebenfalls nicht richtig zu einem Gerät für 999 Euro. Das sind keine Probleme, die den Alltag ruinieren, aber sie mindern den Premiumeindruck.
Bei der Kamera ist die Fotoqualität stark, aber die Videoeinschränkung des Ultraweitwinkels enttäuscht. Keine 4K Aufnahme mit dieser Kamera ist in dieser Klasse schade. Auch die Frontkamera ist gut, hätte aber mit einem Portrait Videomodus noch überzeugender sein können.
Der AI Button ist eine gute Idee, aber nicht perfekt umgesetzt. Er sitzt zu nah am Powerbutton und lässt sich nicht völlig frei belegen. Genau bei solchen Details merkt man, ob ein Zusatzfeature im Alltag wirklich durchdacht ist oder eher als Marketingpunkt dient. Beim Honor 600 Pro liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen.
Fazit: Am Ende zählt mehr als die Ähnlichkeit
Das Honor 600 Pro ist ein starkes Oberklasse Smartphone mit Premiumambitionen, das sich nicht nur über sein auffälliges Design definiert. Ja, die Ähnlichkeit zu aktuellen iPhone Pro Modellen ist offensichtlich. Ja, Honor hätte mutiger und eigenständiger auftreten können. Aber hinter dieser vertrauten Hülle steckt ein technisch überzeugendes Android Gerät, das in vielen wichtigen Disziplinen sehr gut abschneidet.
Besonders stark sind das 6,57 Zoll AMOLED Display, die hohe Helligkeit, die 120 Hertz Bildwiederholrate, der große 6400 Milliamperestunden Akku, das schnelle Laden mit 80 Watt, das kabellose Laden mit 50 Watt, der moderne Snapdragon 8 Elite und das vielseitige Kamerasystem mit 200 Megapixel Hauptkamera und 50 Megapixel Periskop Telekamera. Auch die lange Updatezusage mit 6 Jahren Android Updates und 6 Jahren Sicherheitspatches ist ein wichtiges Argument.
Die Schwächen liegen eher in den Details, sind aber nicht unwichtig. USB 2.0, LPDDR4X RAM, die fehlende 4K Videoaufnahme mit dem Ultraweitwinkel, der nicht völlig frei konfigurierbare AI Button und das sehr stark an Apple angelehnte Design verhindern, dass das Honor 600 Pro ein rundum kompromissloses Premium Smartphone wird.
Trotzdem bleibt der Gesamteindruck positiv. Das Honor 600 Pro ist schnell, ausdauernd, hell, hochwertig verarbeitet und fotografisch vielseitig. Es ist ein Gerät für Nutzerinnen und Nutzer, die ein starkes Android Smartphone suchen, aber optisch durchaus Gefallen an einer iPhone ähnlichen Designsprache finden. Wer damit leben kann und besonders das Startangebot nutzt, bekommt ein sehr attraktives Gesamtpaket.
Zum vollen Preis von 999 Euro muss man genauer vergleichen. Mit den angebotenen Zugaben wird das Honor 600 Pro aber deutlich interessanter. Es ist kein perfektes Smartphone, aber ein sehr gutes. Und vor allem ist es eines, dem man nach der ersten Designdebatte eine echte Chance geben sollte. Denn sobald man über die Optik hinausblickt, zeigt sich: Honor hat hier ein Gerät gebaut, das im Alltag mehr überzeugt, als sein abgekupferter erster Eindruck zunächst vermuten lässt.
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Test
Honor 600 Pro
Das Honor 600 Pro überzeugt mit starkem Display, hoher Leistung, langer Akkulaufzeit und vielseitiger Kamera. Schwächen wie USB 2.0, eingeschränkte Ultraweitwinkel Videos und das sehr iPhone nahe Design kosten Punkte, ändern aber wenig am starken Gesamteindruck.
PROS
- Sehr helles und scharfes AMOLED Display
- Gute Performance
- Großer 6.400 mAh Akku
- IP68, IP69 und IP69K Zertifizierung
- 6 Jahre Updates
CONS
- Design lehnt sich sehr an Mitbewerber an
- USB-C nur 2.0
- AI Button nicht frei belegbar


















