Es gibt Spielfiguren, die bringt man nicht einfach zurück. Man muss sie mit Stil zurückbringen. James Bond gehört ganz sicher dazu. Zu groß ist die Popkultur Last, zu lang die Filmgeschichte, zu präsent die Erinnerungen an GoldenEye 007, zu genau die Vorstellung davon, wie sich ein Agent mit der Nummer 007 anfühlen sollte. Ein neues Bond Spiel muss deshalb mehr schaffen als nur gute Technik, schöne Orte und eine Pistole mit Schalldämpfer. Es muss dieses ganz bestimmte Gefühl treffen. Eleganz, Gefahr, Arroganz, Kontrolle, Improvisation und die leise Ahnung, dass hinter jedem perfekt sitzenden Anzug auch ein blauer Fleck steckt.
007 First Light nimmt diese Herausforderung bemerkenswert selbstbewusst an. IO Interactive erzählt keine Filmadaption, sondern eine eigene Ursprungsgeschichte. Wir treffen James Bond nicht als fertige Ikone, sondern als jungen, ehrgeizigen, manchmal zu impulsiven Rekruten auf dem Weg ins 00 Programm. Getestet wurde die PlayStation 5 Version, und schon nach den ersten Stunden ist klar: Das hier ist weder ein nostalgischer GoldenEye Aufguss noch ein Hitman Ableger mit Bond Gesicht. Es ist ein cinematisches Agentenabenteuer mit Stealth Fundament, Actionspitzen, Gadgets, großen Schauplätzen und genau jener Mischung aus Charme und Härte, die Bond braucht.
Der Agent, der seine Nummer noch verdienen muss
Die vielleicht klügste Entscheidung von IO Interactive ist, James Bond nicht als unantastbare Legende starten zu lassen. Dieser Bond hat Talent, keine Frage. Er ist mutig, instinktiv, körperlich stark und gesegnet mit jener gefährlichen Mischung aus Selbstvertrauen und Leichtsinn, die später zur Marke werden dürfte. Aber er ist noch nicht der Mann, der jeden Raum sofort liest und jede Situation im Griff hat. Genau daraus zieht das Spiel einen großen Teil seines Reizes.
Patrick Gibson spielt Bond nicht als Kopie eines bekannten Film Bond, sondern als jüngere, kantigere, manchmal noch unfertige Version der Figur. Dieser James Bond darf Fehler machen. Er darf danebenliegen. Er darf den Ton verfehlen. Er darf glauben, eine Situation unter Kontrolle zu haben, obwohl er eigentlich längst Teil eines größeren Spiels ist. Dadurch wirkt die Origin Story glaubwürdiger, als man bei einer Figur wie Bond vielleicht erwarten würde.
Das Spiel erzählt von einem Mann, der seinen Status erst verdienen muss. Nicht nur durch Trefferquoten, Verfolgungsjagden oder flotte Sprüche, sondern durch Entscheidungen. 007 First Light macht aus Bond keinen komplett neuen Menschen, aber es lässt genug Luft zwischen dem Rekruten und der späteren Ikone. Man erkennt, wohin die Reise geht, aber man sieht auch, dass dieser Weg nicht sauber gepflastert ist.
Auch M, Q und Moneypenny funktionieren erfreulich gut. Sie sind keine bloßen Pflichtbesuche im Bond Museum, sondern wichtige Reibungsflächen. M beobachtet, bewertet und zweifelt. Q liefert Technik, aber auch trockene Kommentare. Moneypenny bringt jene Mischung aus Schlagfertigkeit und professioneller Distanz ein, die der Serie guttut. Die Dialoge sind nicht immer messerscharf, aber sie treffen den Ton ziemlich zuverlässig. Bond darf witzig sein, ohne zur Parodie zu werden. Und er darf ernst sein, ohne dass das Spiel in graue Militärthriller Stimmung kippt.
Smoking an, Puls hoch
Spielerisch bewegt sich 007 First Light zwischen Stealth, Third Person Action, Erkundung und filmisch inszenierten Setpieces. Das klingt nach einer ziemlich vollen Speisekarte, funktioniert aber erstaunlich oft. IO Interactive weiß, wie man Räume baut, in denen Beobachtung belohnt wird. Gerade die stärkeren Missionen wirken nicht wie Schlauchlevel mit hübscher Tapete, sondern wie kleine Bühnen, auf denen man Situationen lesen, Rollen spielen und Sicherheitslücken finden darf.
Am besten ist 007 First Light, wenn es Bond nicht sofort zur Waffe greifen lässt. Eine Gala infiltrieren, Gespräche belauschen, Zugangskarten erspähen, eine Wache mit einem technischen Trick ablenken, einen gesperrten Bereich über eine Nebenroute erreichen und danach so tun, als wäre alles genau so geplant gewesen. Diese Momente treffen die Agentenfantasie ziemlich punktgenau. Man spielt nicht nur einen Mann mit Pistole, sondern jemanden, der seine Umgebung als Werkzeug nutzt.
Gleichzeitig ist das Spiel deutlich geführter als die Hitman Reihe. Wer erwartet, jede Mission als riesigen Sandbox Spielplatz mit dutzenden spektakulären Lösungswegen auseinanderzunehmen, wird etwas ausgebremst. 007 First Lightwill stärker erzählen, stärker inszenieren und stärker emotional führen. In den besten Momenten entsteht daraus ein eleganter Mittelweg. Man fühlt sich clever, ohne dass die Dramaturgie zerfällt. In schwächeren Momenten merkt man allerdings, wie das Spiel einen Richtung nächster Zwischensequenz schiebt.
Das ist kein Beinbruch, aber es nimmt manchen Missionen etwas von der spielerischen Frechheit, die IO Interactive eigentlich beherrscht wie kaum ein anderes Studio. Bond darf viel, aber nicht immer so viel, wie man gerne dürfte.
Leise rein, laut raus
Das Schleichen ist einer der stärksten Teile des Spiels. Bond bewegt sich durch gesicherte Bereiche, beobachtet Wachroutinen, nutzt Ablenkungen, manipuliert Geräte und sucht nach Wegen, die nicht auf der Minikarte schreien: Hier entlang bitte. Besonders gelungen ist, dass das Spiel nicht nur klassisches Schatten Stealth bietet. Bond arbeitet auch sozial. Er blufft, tritt selbstbewusst auf, nutzt Gespräche und macht aus Unsicherheit eine Waffe.
Das passt hervorragend zur Figur. Bond ist kein lautloser Ninja. Er ist ein Agent, der in einen Raum geht, obwohl er dort eigentlich nichts verloren hat, und alle anderen kurz glauben lässt, sie hätten die Regeln falsch verstanden. Genau diese Momente sind es, die 007 First Light von vielen anderen Actionspielen unterscheiden. Manchmal reicht ein Timing Fenster, manchmal ein Gadget, manchmal die richtige Beobachtung.
Ganz ohne Macken bleibt die Sache aber nicht. Die Gegner KI reagiert meist ordentlich, aber nicht immer glaubwürdig. Hin und wieder sind Wachen erstaunlich blind, dann wieder etwas zu sensibel. Manche Räume sind zudem enger, als es dem Stealth System guttut. Dann entsteht weniger elegantes Infiltrieren, sondern eher geduldiges Austesten von Sichtlinien. Das ist selten wirklich frustrierend, aber es kratzt an der Illusion, ein hochprofessioneller Spion zu sein.
Wenn alles zusammenspielt, ist 007 First Light aber stark. Dann entsteht dieser herrliche Bond Moment: Plan A scheitert, Plan B gibt es nicht, und Plan C besteht aus Improvisation, Charme und einem ziemlich riskanten Griff zur Technik.
Fäuste, Feuer, feine Manieren
Wenn Bond kämpfen muss, zieht 007 First Light das Tempo deutlich an. Die Schusswechsel sind druckvoll, ohne sich wie ein reiner Shooter anzufühlen. Waffen haben ordentlich Klang, Trefferfeedback ist sauber, und die Kamera bleibt nah genug am Geschehen, um Intensität zu erzeugen. Besonders in kurzen Eskalationen funktioniert die Action hervorragend. Wenn eine Infiltration auffliegt und man sich in letzter Sekunde aus der Situation kämpfen muss, entsteht echte Spannung.
Die Nahkämpfe haben eine angenehm ruppige Note. Bond schlägt, stößt, kontert und nutzt seine Umgebung. Das erinnert tonal eher an die physischeren Bond Interpretationen der jüngeren Filmgeschichte, ohne diese komplett zu kopieren. Ein Gegner kracht gegen eine Wand, ein anderer wird über einen Tisch gezogen, eine Waffe wird im letzten Moment aus der Hand geschlagen. Das sieht gut aus und fühlt sich meist direkt an.
In längeren Gefechten zeigt sich allerdings, dass 007 First Light nicht ganz die Tiefe eines spezialisierten Actionspiels erreicht. Das Deckungsspiel ist solide, aber nicht außergewöhnlich. Gegnerverhalten und Arenadesign tragen kleinere Auseinandersetzungen besser als große Dauergefechte. Sobald das Spiel zu lange auf Kugelhagel setzt, verliert es etwas von seiner besonderen Identität. Bond ist eben am spannendsten, wenn er nicht nur schießt, sondern eine Situation kontrolliert, dreht oder ausnutzt.
Trotzdem bleibt die Action hochwertig. Sie ist nicht der brillanteste Teil des Spiels, aber ein wichtiger Kontrast. Und genau diesen Wechsel braucht ein modernes Bond Abenteuer. Nur schleichen wäre zu nüchtern, nur ballern wäre zu beliebig.
Q würde das genehmigen
Gadgets sind bei Bond Pflicht, aber sie können in Spielen schnell zum Problem werden. Sind sie zu mächtig, lösen sie jede Situation von selbst. Sind sie zu nebensächlich, bleiben sie Dekoration. 007 First Light findet hier eine gute Mitte. Die Q Watch und weitere Hilfsmittel sind echte Werkzeuge. Man scannt, hackt, manipuliert, lenkt ab und erschließt sich dadurch neue Möglichkeiten.
Besonders angenehm ist, dass die Gadgets nicht wie magische Tasten funktionieren. Sie erweitern Bonds Optionen, ersetzen aber nicht das Beobachten. Wer einfach nur dem Zielmarker folgt, kommt durch. Wer aber genauer hinsieht, entdeckt Abkürzungen, alternative Zugänge oder kleine Gelegenheiten, die eine Mission eleganter machen. Das Spiel belohnt Neugier, ohne seine Systeme unzugänglich zu machen.
Auch stilistisch sitzen die Gadgets. Sie sind modern, aber nicht albern. Technisch genug, um glaubwürdig als Q Branch Ausrüstung durchzugehen, aber nicht so überzogen, dass Bond plötzlich wie ein Superheld wirkt. Besonders schön ist, dass manche Gadgets auch einfach zur Stimmung beitragen. Sie erinnern daran, dass Spionage bei Bond immer auch Design, Status und Show ist.
Reisefieber mit Schalldämpfer
Die Schauplätze gehören zu den großen Stärken von 007 First Light. Das Spiel führt Bond unter anderem nach Island, London, Malta, Slowakei, Mauritius, Vietnam und in weitere markante Umgebungen. Wichtig ist dabei nicht nur die geografische Abwechslung, sondern der jeweils andere Rhythmus. Eine Trainingsanlage fühlt sich anders an als ein exklusives Event. Ein Forschungskomplex spielt sich anders als ein Hotel, ein Schwarzmarkt oder ein tropisches Resort.
Visuell und atmosphärisch macht IO Interactive daraus erstaunlich viel. Innenräume sind oft hervorragend ausgeleuchtet, Kleidung und Architektur tragen viel zum Premium Gefühl bei, und die Kamera weiß, wann sie Bond in Szene setzen muss. Das Spiel hat diesen sehr bewussten Hochglanz Look, der zur Lizenz passt. Alles wirkt ein wenig zu elegant, ein wenig zu gefährlich, ein wenig zu kontrolliert. Genau richtig also.
Nicht jeder Schauplatz erreicht spielerisch dasselbe Niveau. Manche Areale sind dichter, glaubwürdiger und freier aufgebaut als andere. Vor allem die stärker offenen Infiltrationsmissionen bleiben hängen. Die linearen Spektakelpassagen sehen oft fantastisch aus, spielen sich aber gelegentlich etwas weniger raffiniert. Manchmal fährt die Inszenierung dem Gameplay davon. Dann schaut man eher zu, wie Bond cool ist, statt sich selbst clever zu fühlen.
In Summe bleibt die Reise aber stark. 007 First Light hat genug Ortswechsel, genug visuelle Identität und genug erzählerische Dynamik, um sich wie ein Bond Abenteuer anzufühlen, nicht wie eine Ansammlung beliebiger Actionlevel.
PlayStation 5 im Einsatz: Geschüttelt, aber nicht zerbrochen
Auf der getesteten PlayStation 5 hinterlässt 007 First Light einen insgesamt guten technischen Eindruck. Das Spiel bietet die erwartbare Wahl zwischen einem flüssigeren Performance Modus und einem optisch saubereren Quality Modus. Für unseren Test blieb der Performance Modus die klar bessere Wahl, weil 60 Bilder pro Sekunde gerade bei Stealth Situationen, Kamerawechseln, Schusswechseln und schnellen Reaktionen spürbar angenehmer sind.
Der Preis dafür ist sichtbar. Das Bild wirkt im Performance Modus weicher, feine Details können in Bewegung etwas unruhig erscheinen, und entfernte Strukturen verlieren gelegentlich an Klarheit. Auf einem großen 4K Fernseher fällt das stärker auf als auf kleinerem Abstand. Der Quality Modus bietet ein ruhigeres und schärferes Bild, fühlt sich mit 30 Bildern pro Sekunde aber deutlich träger an. Bei einem Spiel, das regelmäßig zwischen Schleichen, Kämpfen und schnellen Setpieces wechselt, ist das aus unserer Sicht der größere Kompromiss.
Die Ladezeiten sind kurz, Checkpoints meist fair gesetzt, und Abstürze oder schwere technische Probleme traten im Test nicht auf. Kleinere Unsauberkeiten gab es dennoch. Einzelne Animationen hakten kurz, Gegner reagierten nicht immer sauber, und in einigen Momenten wirkte die Bildrekonstruktion etwas angestrengt. Nichts davon ruiniert das Spiel, aber ganz makellos ist der Auftritt nicht.
Der DualSense wird ordentlich eingebunden. Vibration und Trigger Effekte unterstützen Schüsse, Fahrzeuge und kleinere Interaktionen, bleiben aber eher dezent. Das ist angenehm, weil es nicht nervt, aber auch etwas schade, weil gerade ein Bond Spiel noch mehr haptisches Feingefühl vertragen hätte. Ein Schloss knacken, ein Gadget aktivieren, ein Fahrzeug an die Grenze bringen, hier wäre noch mehr drin gewesen.
Ein Fall, viele Systeme
007 First Light ist nicht nur auf PlayStation 5 unterwegs. Das Spiel ist außerdem für Xbox Series X und Series S sowie für PC via Steam und Epic Games Store erhältlich. Die Nintendo Switch 2 Version folgt im Sommer 2026. Gerade diese Version bleibt spannend, weil Bond historisch eine besondere Verbindung zu Nintendo hat, die technische Umsetzung aber naturgemäß genauer beobachtet werden muss. Da wir auf PlayStation 5 getestet haben, können wir zur Switch 2 Fassung noch keine seriöse Performance Einschätzung abgeben.
Auf Xbox ist vor allem Xbox Play Anywhere ein interessanter Punkt. Wer digital im Xbox Ökosystem kauft, bekommt dadurch einen flexibleren Zugriff zwischen Konsole und PC innerhalb des unterstützten Microsoft Umfelds. Für Spielerinnen und Spieler, die zwischen Wohnzimmer, PC Setup und Handheld PC wechseln, ist das ein echter Komfortvorteil. Inhaltlich bleibt das Spiel natürlich dasselbe, aber die Plattformstrategie ist hier durchaus nutzerfreundlich.
Die PC Version dürfte langfristig die technisch spannendste Fassung werden, vor allem durch die angekündigten Nvidia Features. DLSS 4.5 Dynamic Multi Frame Generation, Path Tracing und DLSS Ray Reconstruction sollen das Spiel auf passenden GeForce RTX Systemen weiter nach vorne bringen. Das macht die PC Fassung besonders für jene interessant, die Bond in maximaler Bildqualität erleben wollen und entsprechend starke Hardware besitzen. Gleichzeitig sollte man nicht vergessen: Für den eigentlichen Test zählt, wie gut das Spiel auf der geprüften Plattform läuft. Und auf der Standard PlayStation 5 ist das Ergebnis gut, aber nicht völlig kompromissfrei.
Bei den Editionen gibt es mehrere Varianten. Neben der Standard Edition existieren unter anderem Deluxe, Collector’sund Legacy Edition. Die Deluxe Inhalte drehen sich vor allem um kosmetische Extras wie zusätzliche Outfits, Gadget Skins und einen Waffen Skin. Spielerisch verpasst man dadurch nach aktuellem Stand keine zentrale Kampagnenmechanik. Wer nur das eigentliche Spiel erleben will, ist mit der Standard Edition gut bedient. Wer Bond gerne optisch variabler ausstattet, findet in der Deluxe Edition ein nettes, aber nicht zwingendes Paket.
Nach dem Abspann wartet der nächste Auftrag
Interessant ist auch der Blick auf die Erweiterungen. IO Interactive behandelt 007 First Light nicht als einmalige Kampagne, die nach dem Abspann abgeheftet wird. Die angekündigte Year One Roadmap verspricht neue Story Missionen, weitere Schauplätze und regelmäßige Updates für den Tactical Simulation Modus. Damit nähert sich Bond zumindest strukturell jener langfristigen Unterstützung an, die IO Interactive schon bei Hitman stark gemacht hat.
Besonders spannend sind die geplanten TacSim Inhalte. Spieler sollen im Laufe des Jahres neue Herausforderungen, zusätzliche Szenarien, neue Gegner, Waffen, Gadget Upgrades, kosmetische Inhalte, Leaderboard Aufgaben, Fahrzeuge und weitere Intel Elemente bekommen. Genannt werden unter anderem Rückkehrer nach Kensington, neue Einsätze in der Slowakei, Offroad Begegnungen in Mauritania sowie neue Entwicklungen rund um The Pearl in Vietnam und Webb Industries. Das klingt nicht nach bloßer Resteverwertung, sondern nach einer sinnvollen Verlängerung der stärksten Spielsysteme.
Auch New Game Plus wird als zusätzliche Option geprüft beziehungsweise vorbereitet. Das wäre für 007 First Lightbesonders passend, weil viele Missionen vom Wiederholen, Optimieren und Experimentieren profitieren. Die Hauptkampagne funktioniert zwar bereits als abgeschlossenes Bond Abenteuer, aber die Mechaniken schreien durchaus danach, mehrfach gespielt zu werden. Wenn IO Interactive hier ähnlich konsequent nachlegt wie bei seinen besten Hitman Inhalten, könnte 007 First Light über die kommenden Monate deutlich wachsen.
Wichtig ist aber: Zum Testzeitpunkt bewerten wir vor allem das Basisspiel. Die Roadmap klingt vielversprechend, ersetzt aber keine Bewertung des aktuellen Zustands. Versprechen sind schön, fertige Inhalte sind besser. Dennoch macht es Hoffnung, dass IO Interactive Bond offenbar nicht nur als Einzelmission versteht, sondern als Plattform für weitere Agentengeschichten.
Klang, Klasse und kontrollierte Gefahr
Akustisch ist 007 First Light sehr stark. Die Musik versteht, dass Bond nicht nur durch bekannte Motive funktioniert, sondern durch Haltung. Der Soundtrack verbindet orchestrale Spannung, moderne elektronische Akzente und dieses leicht luxuriöse Gefühl, das man sofort mit der Marke verbindet. Die Musik drängt sich selten auf, hebt aber viele Szenen deutlich an.
Die Sprachausgabe überzeugt ebenfalls. Die englische Fassung wirkt besonders natürlich, aber auch die deutsche Lokalisierung ist solide umgesetzt. Wichtig ist vor allem, dass die Figuren nicht wie reine Missionsgeber klingen. Gespräche haben Rhythmus, kleine Spitzen und gelegentlich jenen trockenen Humor, den Bond braucht. Nicht jeder Dialog ist ein Volltreffer, aber die Tonalität stimmt fast durchgehend.
Das Sounddesign trägt viel zur Atmosphäre bei. Gedämpfte Schritte in Hotelkorridoren, entfernte Gespräche, Alarme, Waffen, Motoren und elektronische Signale ergeben ein dichtes Klangbild. Gerade mit guten Kopfhörern macht das einen Unterschied. In Stealth Passagen hilft der Klang sogar spielerisch, weil sich Bewegungen und Bedrohungen besser einordnen lassen.
Nicht jeder Schuss ist ein Treffer
So gelungen 007 First Light insgesamt ist, es gibt klare Schwächen. Die größte ist die gelegentliche Unentschlossenheit zwischen Systemspiel und Blockbuster Erlebnis. Wenn IO Interactive Räume öffnet und uns selbst denken lässt, ist das Spiel am stärksten. Wenn es zu sehr auf lineares Spektakel setzt, bleibt manchmal nur hochwertige Inszenierung mit vergleichsweise normalem Gameplay.
Auch die Gegner KI könnte besser sein. Sie ist nicht schlecht, aber sie erreicht nicht durchgehend jene Glaubwürdigkeit, die man sich in einem Spionagespiel wünscht. Manche Situationen lassen sich zu leicht ausnutzen, andere wirken unnötig pingelig. Dazu kommt, dass die Action in längeren Gefechten etwas von ihrer Wucht verliert. Kurze, harte Eskalationen passen perfekt zu Bond. Dauerhafte Schießereien wirken dagegen weniger besonders.
Technisch ist vor allem die Bildqualität im Performance Modus auf der Standard PlayStation 5 der wichtigste Kritikpunkt. Die höhere Bildrate ist spielerisch klar vorzuziehen, aber die weichere Darstellung muss man akzeptieren. Wer maximale Schärfe will, bekommt sie eher im Quality Modus, bezahlt dann aber mit spürbar trägerem Spielgefühl.
Erzählerisch hätte sich das Spiel außerdem manchmal noch mehr Mut leisten dürfen. Der junge Bond ist interessant, weil er nicht fertig ist. Diese Unfertigkeit hätte man an einigen Stellen stärker ausreizen können. Das Spiel zeigt Risse in der Figur, glättet sie aber gelegentlich zu schnell wieder. Es bleibt ein Bond Abenteuer und kein Charakterdrama. Das ist verständlich, aber ein bisschen mehr Risiko hätte der Geschichte nicht geschadet.
Fazit: Der erste Schluck sitzt
007 First Light ist kein perfektes Spiel, aber ein sehr guter Neustart für James Bond als Videospielheld. IO Interactive versteht die Figur, ohne sie bloß zu konservieren. Dieser Bond ist jung, arrogant, verletzlich, gefährlich und noch nicht ganz dort, wo er einmal sein wird. Genau das macht ihn spannend. Die Kampagne bietet starke Schauplätze, gute Stealth Mechaniken, wuchtige Actionmomente, stilvolle Gadgets und eine Inszenierung, die sich über weite Strecken wirklich nach Bond anfühlt.
Am besten ist das Spiel, wenn es uns leise in einen Raum setzt und darauf vertraut, dass wir selbst einen Weg finden. Dann blitzt die große Stärke von IO Interactive auf. Nicht alles erreicht dieses Niveau. Einige Setpieces sind mehr Spektakel als Spiel, die KI hat Luft nach oben, und die PlayStation 5 Version verlangt im Performance Modus sichtbare optische Kompromisse. Trotzdem überwiegt klar der positive Eindruck.
Wer Bond mag, bekommt hier keine lieblose Lizenzarbeit, sondern ein ernst gemeintes modernes Agentenabenteuer. Wer Hitman liebt, sollte weniger Sandbox Tiefe erwarten, bekommt dafür aber mehr Tempo, mehr Figurenbindung und mehr Blockbuster Energie. Und wer auf PlayStation 5 einfach ein hochwertiges, stilvolles Action Abenteuer sucht, findet in 007 First Light einen der spannendsten Genre Beiträge des Jahres.
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Bildquelle: IO Interactive
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007 First Light
007 First Light ist ein starker Neustart für James Bond als Videospielheld. IO Interactive trifft Ton, Stil und Agentenfantasie erstaunlich gut, auch wenn KI, Bildschärfe im Performance Modus und manche Actionpassagen nicht ganz makellos sind.


















