EZVIZ CB8 Lite 4G im Test: Die autarke 360 Grad Lösung für Funklöcher

Wer Sicherheit an Orten ohne Strom und WLAN braucht, kommt an der neuen CB8 Lite 4G kaum vorbei. Wir haben geprüft, ob das Solar-Duo im harten Alltag überzeugt oder ob der Lite-Version vorzeitig der Saft ausgeht.

In einer Welt, in der wir gefühlt alles per App steuern, ist die autarke Überwachung der letzte Endgegner. Wer eine abgelegene Einfahrt, einen Stall oder ein Gartenhaus ohne WLAN und Strom absichern will, landet schnell bei spezialisierten Lösungen. EZVIZ schickt hier das CB8 Lite 4G Kit ins Rennen. Ich habe mir die Kamera genau angeschaut, um zu sehen, ob das Versprechen von totaler Freiheit und 2K-Schärfe im Alltag wirklich hält oder ob der Lite-Zusatz im Namen zu viele Kompromisse bedeutet.

Der erste Kontakt und das Hardware-Gefühl

Wenn man die Kamera aus dem Karton befreit, fällt sofort auf, dass EZVIZ hier einen soliden Job gemacht hat, auch wenn das Gehäuse fast vollständig aus Kunststoff besteht. Mit einem Gewicht von rund 600 Gramm wirkt sie zwar nicht federleicht, aber im Vergleich zu den massiven Profi-Modellen merkt man den Rotstift bei der Materialwahl. Es klappert zwar nichts, aber das haptische Erlebnis ist eher zweckmäßig als luxuriös.

EZVIZ CB8 Lite 4GDie Optik der kugelrunden Kameraeinheit an der massiven Halterung wirkt modern, wenngleich sie durch die Ausmaße von etwa 157 x 102 x 148 mm am Montageort durchaus auffällt und nicht gerade als dezent bezeichnet werden kann. Im Lieferumfang findet man neben der Kamera das 5 Watt Solarpanel, das über USB-C angeschlossen wird. Dass EZVIZ hier konsequent auf den modernen Anschluss setzt, ist lobenswert, da man so im Notfall auch handelsübliche Powerbanks nutzen kann. Weniger lobenswert ist das Fehlen eines Netzteils für die erste Ladung, was bei einem Preis von knapp 150 Euro bis 190 Euro je nach Angebot etwas knauserig wirkt.

Die Montage ist dank der beiliegenden Schablonen schnell erledigt, wobei ich mir für die Mastmontage stabilere Metallschellen gewünscht hätte, da die beiliegenden Kunststoffteile bei frostigen Temperaturen im Winter zum spröden Bruch neigen könnten. Positiv hervorzuheben ist das vier Meter lange Kabel des Solarpanels, das genug Spielraum lässt, um die Kamera im Schatten und das Panel in der prallen Sonne zu platzieren.

Konnektivität ohne Grenzen

Das eigentliche Highlight ist natürlich das 4G-Modul in Kombination mit Wi-Fi 6 Support. In meinem Test hat der Wechsel zwischen den Welten erstaunlich gut funktioniert. Wer die Kamera im Gartenhaus ohne Router betreibt, schiebt einfach eine Nano-SIM ein und ist sofort online. Die Verbindung steht meist nach wenigen Sekunden und der Fernzugriff klappt flüssig. Die Kamera unterstützt dabei die gängigen europäischen LTE-Frequenzbänder wie B1, B3, B7, B8 und B20, was eine hohe Netzabdeckung garantiert.

Besonders spannend ist der integrierte Always-On Video Modus 2.0 (AOV). Normalerweise schlafen Akkukameras tief und fest, bis ein Sensor sie weckt. Das führt oft dazu, dass man nur noch die Rückseite der Person sieht, die gerade durchs Bild gelaufen ist. Die CB8 Lite 4G nimmt stattdessen in extrem niedrigen Bildraten kontinuierlich auf und schaltet erst bei einer Erkennung in den Vollgas-Modus mit 2K+ Auflösung (2560 x 1440 Pixel) um. Das ist ein echter Gamechanger für die lückenlose Überwachung, da man so auch die Sekunden vor dem eigentlichen Alarmereignis im Blick hat.

Allerdings sollte man beachten, dass dieser Modus den Datenverbrauch über das Mobilfunknetz in die Höhe treibt, weshalb ein Tarif mit mindestens fünf bis zehn Gigabyte Datenvolumen ratsam ist, wenn man häufiger in den Livestream schaltet oder viele Ereignisse speichert.

Bildqualität und intelligente Augen

Die Bildqualität bei Tag ist für diese Preisklasse hervorragend. Der 1/3 Zoll Progressive Scan CMOS Sensor liefert in Kombination mit der F1.6 Blende knackige Details und die Farben wirken natürlich. Dank der 340 Grad horizontalen und 80 Grad vertikalen Drehung bleibt kein Winkel verborgen, wobei die Steuerung über die App zwar präzise, aber mit einer minimalen Verzögerung reagiert.

Beeindruckend ist das Smart Tracking, das Personen erkennt und ihnen folgt. Die KI-gestützte Erkennung filtert dabei sehr zuverlässig zwischen Menschen, Fahrzeugen und wackelnden Blättern im Wind, was die Zahl der nervigen Fehlalarme auf dem Smartphone drastisch reduziert. Bei Nacht bietet die Kamera zwei Modi: klassisches Infrarot in Schwarz-Weiß mit einer Reichweite von bis zu 15 Metern oder die Farbnachtsicht durch zwei integrierte Scheinwerfer. Letztere fungieren gleichzeitig als Abschreckung, denn die Kamera kann bei ungebetenem Besuch ein Blitzlicht und eine Sirene aktivieren.

Die Audioqualität des Zwei-Wege-Talks ist überraschend klar, sodass man sich mit dem Postboten unterhalten kann, ohne dass es wie eine Blechdose klingt. Ein kleiner Kritikpunkt bleibt die Bitrate, die bei maximal 4 Mbps gedeckelt ist, was bei schnellen Bewegungen im Bild zu leichten Artefakten führen kann.

Energiehunger und Ausdauer

Der verbaute Akku leistet 5.200 mAh. Das klingt erst einmal ordentlich, ist aber im Vergleich zur Standard-CB8 mit ihren 10.400 mAh nur die halbe Portion. Hier zeigt sich, warum das Solarpanel im Kit so wichtig ist. Wer den AOV-Modus nutzt und viele Bewegungen aufzeichnet, kommt ohne Sonne kaum länger als 15 Tage aus, da die dauerhafte Bereitschaft des 4G-Modems und die Sensorik am Akku nagen.

Dank des 5 Watt Solarpanels relativiert sich das Problem jedoch schnell. Laut Hersteller reichen bereits zwei Stunden direkte Sonneneinstrahlung pro Tag aus, um die Kamera dauerhaft autark zu betreiben. Hätte ich die Kamera im Frühling getestet wäre das sicherlich kein Problem, aber in dunklen Wintermonaten oder bei schattiger Montage wird es etwas eng. Man sollte die Kamera daher so platzieren, dass man sie zur Not einfach abnehmen kann, falls der Akku unter die kritische Marke fällt. Glücklicherweise ist die Ladebuchse durch eine dicke Gummikappe geschützt, was der IP65-Zertifizierung entspricht und die Technik effektiv vor Regen und Staub schützt.

Die App und der Datenschutz-Dämpfer

Die EZVIZ-App ist mächtig, aber nicht frei von Kritik. Die Menüs sind teilweise etwas verschachtelt und die Übersetzungen ins Deutsche wirken an einigen Stellen etwas holperig. Was mich jedoch wirklich stört, ist die fehlende Möglichkeit, echte Privatsphären-Zonen zu schwärzen. Man kann zwar Erkennungsbereiche markieren, aber das Bild selbst wird nicht maskiert. In Deutschland ist das rechtlich ein heikles Thema, wenn man öffentliche Wege oder das Nachbargrundstück nicht vollständig aus dem Sichtfeld bekommt.

Auch die fehlende ONVIF-Unterstützung schmerzt, da man die Kamera so nicht einfach in ein bestehendes NAS-System oder einen universellen NVR einbinden kann. Man ist also entweder auf die lokale Speicherung per MicroSD-Karte (bis 512 GB) angewiesen, wobei man hier auf hochwertige Karten setzen sollte, oder man nutzt das kostenpflichtige Cloud-Abo.

Das EZVIZ CloudPlay bietet zwar Sicherheit gegen Diebstahl der Kamera, schlägt aber mit Preisen zwischen fünf Euro und zehn Euro pro Monat zu Buche, was die Gesamtkosten über die Jahre spürbar nach oben treibt. Wer jedoch nur lokal speichert, kommt völlig ohne Zusatzkosten aus.

Mein Fazit

Die EZVIZ CB8 Lite 4G ist eine spezialisierte Problemlöserin für alle, die dort Augen und Ohren brauchen, wo kein Kabel hinführt. Die Kombination aus 4G-Konnektivität, Solar-Power und der 360-Grad-Rundumsicht macht sie zu einem sehr flexiblen Sicherheitswerkzeug. Man muss jedoch mit dem etwas kleineren Akku im Vergleich zum großen Bruder und der eher zweckmäßigen Kunststoff-Haptik leben können.

Wer eine solide Stand-alone-Lösung sucht und kein Problem mit der EZVIZ-eigenen App-Welt hat, bekommt hier ein technisch ausgereiftes Paket, das vor allem durch die KI-Personenerkennung und den innovativen AOV-Modus überzeugt. Es ist die perfekte Wahl für das entlegene Wochenendhaus oder die Baustelle, sofern man die rechtlichen Grenzen bei der Bildaufnahme im Blick behält.

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Test

EZVIZ CB8 Lite 4G

7.8 Punkte

Eine leistungsstarke und zuverlässige LTE-Überwachungskamera, die vor allem durch ihre einfache Installation und die clevere Personenerkennung punktet, aber bei der Software noch etwas Feinschliff vertragen könnte.

PROS

  • Vollkommen autarker Betrieb durch LTE und Solar
  • Hervorragende 2K Bildqualität und Farbnachtsicht
  • Präzises KI-Tracking von Personen und Fahrzeugen
  • Einfache Installation und schnelle Einrichtung

CONS

  • Akkukapazität im Vergleich zum Standardmodell halbiert
  • Keine Maskierung von Privatsphären-Zonen möglich
  • Keine Unterstützung für ONVIF oder NAS-Systeme
  • Etwas verschachtelte App mit holpriger Übersetzung

Fazit

  • Bildqualität 8
  • Konnektivität 9
  • Akkulaufzeit & Solar 7
  • Software & Features 7
  • Preis-Leistung 8
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