Ein Hauch von Luxus in der Mittelklasse: Das Nothing Phone (4a) Pro im Check

Edles Finish für unter 500 Euro: Warum das neue Nothing Phone (4a) Pro optisch in der Oberklasse spielt, technisch aber ein klassischer Grenzgänger bleibt.

Es ist endlich angekommen und die Spannung war nach den ersten Teasern und Leaks der letzten Wochen förmlich greifbar. Das Nothing Phone (4a) Pro liegt bei uns endlich bereit zur Begutachtung.

Wer die Strategie der Marke Nothing seit ihrer Gründung verfolgt, der weiß, dass Firmengründer Carl Pei ein Meister darin ist, Erwartungen zu schüren und das angestaubte Smartphone-Design radikal herauszufordern. Das neue Modell macht hier absolut keine Ausnahme und wirft bereits beim ersten Einschalten eine entscheidende Grundsatzfrage auf: Haben wir es hier wirklich noch mit einem klassischen Vertreter der vernünftigen Mittelklasse zu tun oder klopft Nothing mit diesem Gerät bereits so lautstark an die Pforte der Premium-Oberklasse, dass die Konkurrenz nervös werden muss?

Es ist ein Gerät, das nicht einfach nur Hardware bietet, sondern eine klare Vision davon vermittelt, wie sich moderne Technik im Alltag anfühlen sollte.

Aluminium-Kur für die Fingerspitzen

Der erste haptische Eindruck beim Herausnehmen aus der Verpackung ist schlichtweg beeindruckend und stellt vieles in den Schatten, was man in dieser Preisregion gewohnt ist. Nothing setzt beim (4a) Pro konsequent auf ein vollständiges Aluminiumdesign, das eine kühle Eleganz ausstrahlt und sich in der Hand unglaublich massiv und doch grazil zugleich anfühlt. Besonders auffällig und im wahrsten Sinne des Wortes spürbar ist die extrem geringe Bautiefe.

Nothing Phone (4a) ProMit gerade einmal 7,95 mm knackt das Gehäuse die magische Marke von 8 mm, was in Kombination mit den präzisen Kanten für ein haptisches Erlebnis sorgt, das man sonst eher von handgefertigten Designobjekten kennt. Das Gerät wirkt filigran und versprüht einen Premium-Vibe, den man üblicherweise nur bei Smartphones jenseits der Tausend-Euro-Marke findet. Die allgemeine Verarbeitungsqualität wirkt absolut makellos, jede Aussparung sitzt perfekt und das Material lässt Platzhirsche wie das Samsung Galaxy S26 Ultra in puncto reiner Eleganz und Handschmeichler-Qualitäten zumindest ebenbürtig erscheinen.

Allerdings bringt diese kompromisslose Materialwahl der Gehäuserückseite einen handfesten technischen Nachteil mit sich, den man vor dem Kauf kennen sollte. Durch das durchgehende Aluminiumgehäuse muss man konstruktionsbedingt vollständig auf Wireless Charging verzichten. Das ist ein Punkt, an dem sich die Geister der Nutzerschaft unweigerlich scheiden werden. Während mancher Power-User das kabellose Laden fest in seinen täglichen Workflow auf dem Schreibtisch oder im Auto eingeplant hat, lässt sich dieser Kompromiss angesichts der fantastischen optischen Erscheinung für viele Ästheten wohl verschmerzen.

Nothing positioniert das Gerät hier ganz klar für Menschen, die bereit sind, für ein einzigartiges, metallisches Äußeres und eine extrem schlanke Silhouette auf ein gewisses Komfortfeature der Kunststoff- oder Glas-Konkurrenz zu verzichten. Es ist eine bewusste Entscheidung für Form über reine Funktion.

Lichtgestalt mit Schattenseiten

Auf der Frontseite erwartet uns ein großzügiges 6,83 Zoll großes Display, das mit einer knackigen 1,5K Auflösung (Full HD Plus) und einer butterweichen Bildwiederholrate von bis zu 144 Hz aufwartet. Die Displayränder sind für diese Preisklasse erstaunlich dünn gehalten, was den modernen und fast randlosen Look des Geräts unterstreicht und das Eintauchen in Inhalte begünstigt.

Geschützt wird das hochwertige Panel allerdings lediglich durch Gorilla Glas 7i. Hier bleibt ein kleiner fader Beigeschmack, denn das deutlich robustere Victus Glas wäre gerade für ein Pro-Modell sicherlich die angemessenere Wahl gewesen, um die Langlebigkeit zu garantieren. Auch bei der offiziellen Zertifizierung gegen das Eindringen von Wasser und Staub zeigt sich Nothing mit IP65 eher zurückhaltend. Ein vollwertiger IP67-Schutz, der auch kurzes Untertauchen verzeiht, hätte dem Pro-Label und dem ansonsten so hochwertigen Anspruch besser zu Gesicht gestanden.

Im Inneren des Gehäuses werkelt der Snapdragon 7 Gen 4. Das ist ohne Frage solide und moderne Technik, auch wenn Performance-Enthusiasten und Hardcore-Gamer vielleicht insgeheim auf einen Chip der prestigeträchtigen 8er-Serie gehofft hatten. Dennoch rennt das System in den ersten Tests absolut flüssig und bewältigt Multitasking ohne spürbare Gedenksekunden.

Ein optisches Highlight bleibt die ikonische Rückseite: Das Plateau für die Kameras und die berühmte Glyph Matrix sind im Vergleich zu den Vorgängern sichtlich gewachsen. Die charakteristischen Leuchtstreifen bieten aktuell zwar etwas weniger spielerische Sonderfunktionen als noch beim regulären Nothing Phone 3, aber das gesamte Layout wirkt dadurch deutlich erwachsener und weniger verspielt.

Pixel-Power trifft auf Software-Dilemma

Nothing verbaut im (4a) Pro ein vielseitiges Triple-Gespann auf der Rückseite, das auf dem Papier erst einmal keine Wünsche offen lässt. Die Hauptkamera löst mit 50 Megapixeln auf und sorgt dank einer optischen Bildstabilisierung für ruhige Aufnahmen auch aus der freien Hand. Flankiert wird sie von einer ebenfalls mit 50 Megapixeln auflösenden Periskop-Telekamera, die einen immerhin 3,5-fach optischen Zoom sowie bis zu 140-fachen digitalen Zoom ermöglicht sowie einer 8 Megapixel Ultraweitwinkelkamera.

Die ersten Test-Schnappschüsse wirken lebendig und liefern bei Tageslicht sehr ordentliche Ergebnisse mit guter Dynamik. Ein ausführlicher Kameratest in den kommenden Wochen muss jedoch erst noch zeigen, wie gut die Bildverarbeitung mit Bildrauschen in schwierigen Low-Light-Situationen umgeht. Für Videocalls und Selbstporträts steht zudem eine klassisch in das Display integrierte 32 Megapixel Frontkamera zur Verfügung, die einen soliden Job erledigt.

Ein kritischer und durchaus strenger Blick muss jedoch auf die langfristige Softwarepolitik geworfen werden. Das Gerät wird ab Werk mit Nothing OS 4.0 auf Basis von Android 16 ausgeliefert. Während die Benutzeroberfläche selbst durch ihre Schnelligkeit, das minimalistische Design und den Verzicht auf unnötige Bloatware absolut überzeugt, enttäuscht das offizielle Update-Versprechen für ein Gerät des Jahres 2026.

Lediglich drei Jahre OS-Updates anzubieten, ist in einer Zeit, in der Nachhaltigkeit und Langlebigkeit immer wichtiger werden, schlichtweg zu wenig. Auch wenn Nothing zusätzlich sechs Jahre Sicherheitsupdates garantiert, bedeutet das im Klartext, dass nach Android 19 voraussichtlich Schluss mit neuen Funktionen sein wird. Wer sein Smartphone gerne über einen Zeitraum von vier oder fünf Jahren mit der jeweils aktuellsten Android-Version nutzen möchte, stößt hier leider an eine künstliche Grenze, die nicht mehr zeitgemäß wirkt.

Wenn Design den Geldbeutel diktiert

Die Preisgestaltung des neuen Modells ist ein Thema, das in der Community sicherlich für hitzige Diskussionen sorgen wird. Der Einstieg in die Welt des (4a) Pro beginnt offiziell bei 479 Euro, allerdings muss man sich hier mit einer eher schmalen Speicherausstattung von 8 GB RAM und 128 GB begnügen. Wer jedoch die deutlich zukunftssicherere und dem Pro-Namen entsprechende Variante mit 12 GB RAM und 256 GB Speicher bevorzugt, muss bereits 549 Euro investieren.

Damit ist das Gerät im direkten Vergleich zum Vorgänger spürbar teurer geworden, was einen Aufpreis von fast 80 Euro bedeutet. Carl Pei rechtfertigt diese Preissteigerungen durch die massiv gestiegenen Materialkosten für das Aluminium und das eigenständige, aufwendige Design. Man muss diesen Aufpreis also wirklich wollen und die ästhetische Komponente wertschätzen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Das Nothing Phone (4a) Pro ist kein Smartphone für den klassischen Preis-Leistungs-Rechner, sondern ein Gerät für echte Individualisten und Design-Liebhaber. Es bietet eine optische und haptische Einzigartigkeit, die es so kein zweites Mal am Markt gibt und die sich im Alltag einfach phänomenal anfühlt. Mit dem üppig dimensionierten 5080 mAh starken Akku ist man zudem bestens für lange Tage gerüstet.

Wer über das schmerzlich vermisste kabellose Laden und die etwas magere Update-Garantie hinwegsehen kann, erhält ein Stück Technik, das sich in Sachen Exklusivität und Charakter nicht hinter den großen Flaggschiffen verstecken muss. Es ist vielleicht nicht das vernünftigste Handy, das man für knapp 550 Euro kaufen kann, aber ganz sicher eines der aufregendsten und charakterstärksten Geräte der aktuellen Saison.

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