Es ist endlich angekommen und die Spannung war nach den ersten Teasern und Leaks der letzten Wochen förmlich greifbar. Das Nothing Phone (4a) Pro liegt bei uns endlich bereit zur Begutachtung.
Wer die Strategie der Marke Nothing seit ihrer Gründung verfolgt, der weiß, dass Firmengründer Carl Pei ein Meister darin ist, Erwartungen zu schüren und das angestaubte Smartphone-Design radikal herauszufordern. Das neue Modell macht hier absolut keine Ausnahme und wirft bereits beim ersten Einschalten eine entscheidende Grundsatzfrage auf: Haben wir es hier wirklich noch mit einem klassischen Vertreter der vernünftigen Mittelklasse zu tun oder klopft Nothing mit diesem Gerät bereits so lautstark an die Pforte der Premium-Oberklasse, dass die Konkurrenz nervös werden muss?
Es ist ein Gerät, das nicht einfach nur Hardware bietet, sondern eine klare Vision davon vermittelt, wie sich moderne Technik im Alltag anfühlen sollte.
Aluminium-Kur für die Fingerspitzen
Der erste haptische Eindruck beim Herausnehmen aus der Verpackung ist schlichtweg beeindruckend und stellt vieles in den Schatten, was man in dieser Preisregion gewohnt ist. Nothing setzt beim (4a) Pro konsequent auf ein vollständiges Aluminiumdesign, das eine kühle Eleganz ausstrahlt und sich in der Hand unglaublich massiv und doch grazil zugleich anfühlt. Besonders auffällig und im wahrsten Sinne des Wortes spürbar ist die extrem geringe Bautiefe.

Allerdings bringt diese kompromisslose Materialwahl der Gehäuserückseite einen handfesten technischen Nachteil mit sich, den man vor dem Kauf kennen sollte. Durch das durchgehende Aluminiumgehäuse muss man konstruktionsbedingt vollständig auf Wireless Charging verzichten. Das ist ein Punkt, an dem sich die Geister der Nutzerschaft unweigerlich scheiden werden. Während mancher Power-User das kabellose Laden fest in seinen täglichen Workflow auf dem Schreibtisch oder im Auto eingeplant hat, lässt sich dieser Kompromiss angesichts der fantastischen optischen Erscheinung für viele Ästheten wohl verschmerzen.
Lichtgestalt mit Schattenseiten
Auf der Frontseite erwartet uns ein großzügiges 6,83 Zoll großes Display, das mit einer knackigen 1,5K Auflösung (Full HD Plus) und einer butterweichen Bildwiederholrate von bis zu 144 Hz aufwartet. Die Displayränder sind für diese Preisklasse erstaunlich dünn gehalten, was den modernen und fast randlosen Look des Geräts unterstreicht und das Eintauchen in Inhalte begünstigt.
Im Inneren des Gehäuses werkelt der Snapdragon 7 Gen 4. Das ist ohne Frage solide und moderne Technik, auch wenn Performance-Enthusiasten und Hardcore-Gamer vielleicht insgeheim auf einen Chip der prestigeträchtigen 8er-Serie gehofft hatten. Dennoch rennt das System in den ersten Tests absolut flüssig und bewältigt Multitasking ohne spürbare Gedenksekunden.
Pixel-Power trifft auf Software-Dilemma
Nothing verbaut im (4a) Pro ein vielseitiges Triple-Gespann auf der Rückseite, das auf dem Papier erst einmal keine Wünsche offen lässt. Die Hauptkamera löst mit 50 Megapixeln auf und sorgt dank einer optischen Bildstabilisierung für ruhige Aufnahmen auch aus der freien Hand. Flankiert wird sie von einer ebenfalls mit 50 Megapixeln auflösenden Periskop-Telekamera, die einen immerhin 3,5-fach optischen Zoom sowie bis zu 140-fachen digitalen Zoom ermöglicht sowie einer 8 Megapixel Ultraweitwinkelkamera.
Ein kritischer und durchaus strenger Blick muss jedoch auf die langfristige Softwarepolitik geworfen werden. Das Gerät wird ab Werk mit Nothing OS 4.0 auf Basis von Android 16 ausgeliefert. Während die Benutzeroberfläche selbst durch ihre Schnelligkeit, das minimalistische Design und den Verzicht auf unnötige Bloatware absolut überzeugt, enttäuscht das offizielle Update-Versprechen für ein Gerät des Jahres 2026.
Wenn Design den Geldbeutel diktiert
Die Preisgestaltung des neuen Modells ist ein Thema, das in der Community sicherlich für hitzige Diskussionen sorgen wird. Der Einstieg in die Welt des (4a) Pro beginnt offiziell bei 479 Euro, allerdings muss man sich hier mit einer eher schmalen Speicherausstattung von 8 GB RAM und 128 GB begnügen. Wer jedoch die deutlich zukunftssicherere und dem Pro-Namen entsprechende Variante mit 12 GB RAM und 256 GB Speicher bevorzugt, muss bereits 549 Euro investieren.
Damit ist das Gerät im direkten Vergleich zum Vorgänger spürbar teurer geworden, was einen Aufpreis von fast 80 Euro bedeutet. Carl Pei rechtfertigt diese Preissteigerungen durch die massiv gestiegenen Materialkosten für das Aluminium und das eigenständige, aufwendige Design. Man muss diesen Aufpreis also wirklich wollen und die ästhetische Komponente wertschätzen.
Wer über das schmerzlich vermisste kabellose Laden und die etwas magere Update-Garantie hinwegsehen kann, erhält ein Stück Technik, das sich in Sachen Exklusivität und Charakter nicht hinter den großen Flaggschiffen verstecken muss. Es ist vielleicht nicht das vernünftigste Handy, das man für knapp 550 Euro kaufen kann, aber ganz sicher eines der aufregendsten und charakterstärksten Geräte der aktuellen Saison.
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