Rückzug aus der Nische: Samsung zieht beim TriFold die Reißleine

Nach nur drei Monaten im Rampenlicht stellt Samsung den Verkauf seines visionären 10-Zoll-Foldables ein – war die Technik ihrer Zeit zu weit voraus?

Es war eines der spektakulärsten Hardware-Experimente der letzten Jahre, doch nun scheint das Kapitel Galaxy Z TriFold überraschend schnell wieder geschlossen zu werden.

Einem aktuellen Bloomberg-Bericht zufolge zieht Samsung bereits nach rund drei Monaten die Reißleine und nimmt das innovative Foldable aus dem Sortiment. In Südkorea wurde der Verkauf demnach bereits offiziell eingestellt. Für Kunden in den USA bedeutet dies: Das Modell bleibt nur noch so lange erhältlich, bis die verbleibenden Lagerbestände vollständig abverkauft sind.

Samsung Galaxy TriFoldDas Gerät, das mit gleich zwei Scharnieren ausgestattet ist und sich auf eine beeindruckende Displaydiagonale von bis zu 10 Zoll ausklappen lässt, wirkte von Beginn an eher wie ein technisches Prestigeprojekt als wie ein Produkt für den Massenmarkt. Mit einem stolzen Markteinführungspreis von 2.899 US-Dollar beziehungsweise 3,59 Millionen Won sprach das TriFold ohnehin nur eine sehr exklusive Zielgruppe an. Vor allem technikbegeisterte „Early Adopter“ mit entsprechendem Budget dürften sich für dieses experimentelle Smartphone interessiert haben, das die Grenze zwischen Telefon und Tablet fast vollständig aufhob.

Zwischen Scharnier-Akrobatik und Produktionshürden

Samsung hatte das Modell in erster Linie als Machbarkeitsstudie positioniert. Es sollte demonstrieren, was im Bereich der faltbaren Displays technisch aktuell möglich ist. Das riesige, flexibel nutzbare Display sollte insbesondere beim Multitasking neue Maßstäbe setzen und zeigen, wie produktives Arbeiten auf einem Gerät im Taschenformat aussehen kann. Doch genau diese Komplexität wurde dem Gerät nun offenbar zum Verhängnis.

Als Hauptgrund für das schnelle Aus gilt unter anderem die extrem aufwendige und komplizierte Produktion. Die Fertigung eines Displays, das an zwei Stellen gefaltet werden muss und dabei dennoch robust genug für den Alltag bleibt, stellt die Ingenieure vor enorme Herausforderungen. Die daraus resultierenden hohen Produktionskosten und die vermutlich geringen Stückzahlen machen einen langfristigen Weiterbetrieb der Linie derzeit wohl unwirtschaftlich. Ob es jemals einen direkten Nachfolger geben wird, bleibt abzuwarten. Won-Joon Choi, Chef der Mobile-Experience-Sparte, hielt sich diesbezüglich bereits im Februar sehr bedeckt.

Ein digitales Vermächtnis für die Zukunft der Galaxy-Reihe

Doch auch wenn das TriFold als eigenständiges Produkt verschwindet, war die Entwicklung nicht umsonst. Einige der gewonnenen Erkenntnisse und Konstruktionsansätze könnten später in günstigeren Foldable-Modellen wieder auftauchen. Sei es das optimierte Seitenverhältnis oder innovative Lösungen für die Scharnier-Mechanik – die DNA des TriFold wird vermutlich in kommenden Generationen der Z-Flip- oder Z-Fold-Serie weiterleben.

Samsung scheint seinen Fokus nun verstärkt auf klassischere, aber technologisch hochgerüstete Flaggschiffe zu legen. Im Mittelpunkt der kommenden Strategie steht offenbar das Galaxy S26 Ultra. Dieses soll mit fortschrittlichen KI-Funktionen und einem neuartigen „Privacy Display“ die nächste große Bühne besetzen. Während das TriFold also als mutiger Vorstoß in die Geschichte eingeht, bereitet Samsung bereits den Boden für die nächste Hardware-Revolution, die massentauglicher und effizienter zu fertigen ist.

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