KI-Power „Made in Germany“: Anker stellt eigenen Thus-Chip vor

Durch die Verschmelzung von Speicher und Rechenleistung verspricht Anker eine 150-fache Performance-Steigerung für zukünftige Kopfhörer-Generationen.

Der Elektronikhersteller Anker Innovations hat heute einen bedeutenden technologischen Meilenstein verkündet und seinen ersten eigenen KI-Chip namens Thus vorgestellt.

Während das Unternehmen bisher vor allem für Ladegeräte und mobiles Zubehör bekannt war, markiert dieser Vorstoß in die Halbleiterentwicklung eine völlig neue Ära. Besonders spannend ist dabei der Produktionsstandort, denn Anker lässt die neuen Prozessoren im Rahmen seines globalen Netzwerks direkt in Deutschland fertigen.

Anker ThusDer Name Thus leitet sich übrigens von der buddhistischen Formulierung Thus have I heard ab, was so viel bedeutet wie so habe ich gehört und für die unverfälschte Weitergabe von Wissen steht. Genau diesen Anspruch erhebt Anker auch für seine Hardware: Informationen sollen direkt und ohne Verzögerung verarbeitet werden.

Abschied von der klassischen Computerarchitektur

Technisch bricht Anker mit dem neuen Chip radikal mit der Vergangenheit. Seit rund 80 Jahren basieren fast alle modernen Computer auf der sogenannten Von-Neumann-Architektur, bei der Speicher und Prozessor physisch voneinander getrennt sind. Das Problem dabei ist, dass Daten ständig hin und her geschoben werden müssen, was gerade bei komplexen neuronalen Netzen enorm viel Energie frisst.

Bei kompakten Geräten wie Kopfhörern, die nur eine winzige Batterie besitzen, werden oft über 90 Prozent der Energie allein für diesen Datentransport verbraucht. Der Thus-Chip löst dieses Problem durch das Compute-in-Memory-Prinzip. Dabei wird die Rechenleistung direkt in die NOR-Flash-Speicherzellen integriert. Das Modell muss sich also nicht mehr bewegen, da die Berechnung direkt dort stattfindet, wo die Daten liegen.

Massive Leistungssteigerung für den Audio-Bereich

Der erste Einsatzbereich für die neue Plattform ist das Segment der Audio-Produkte. Hier sind die Anforderungen besonders hoch, da Funktionen wie die Geräuschunterdrückung in Echtzeit bei minimalem Stromverbrauch laufen müssen. Laut Anker liefert der neue Chip bei der Unterdrückung von Umgebungsgeräuschen eine bis zu 150-mal höhere KI-Rechenleistung als bisherige High-End-Modelle der Marke Soundcore. Dies ermöglicht den Wechsel von einer einfachen, regelbasierten Signalverarbeitung hin zu großen, lokal laufenden neuronalen Netzen.

Foto: Anker

Eine der ersten Funktionen, die davon profitiert, ist Clear Calls. Hierbei sorgen acht Mikrofone und zwei spezielle Knochenschallsensoren dafür, dass die eigene Stimme selbst in extrem lauten Umgebungen wie Flughäfen oder Bars kristallklar isoliert wird.

Eine Plattform für die Zukunft des Internets der Dinge

Anker sieht in Thus weit mehr als nur ein Bauteil für Kopfhörer. Der Chip ist als langfristige Plattform konzipiert, die schrittweise in das gesamte Ökosystem des Unternehmens einfließen soll. Nach dem Start im Audio-Bereich ist geplant, die Technologie auch in mobile Gadgets und verschiedene IoT-Geräte zu integrieren. Ein großer Vorteil der verwendeten Technologie ist zudem der geringe Platzbedarf, da die gewählte Architektur nur etwa ein Sechstel der Fläche herkömmlicher Lösungen benötigt.

Wer wissen möchte, welche konkreten Produkte als erstes mit dem neuen Super-Chip ausgestattet werden, muss sich noch ein wenig gedulden. Die offizielle Vorstellung der ersten Geräte findet am 21. Mai 2026 im Rahmen des Anker Day-Events in New York City statt.

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