Xenoblade Chronicles X Definitive Edition (Switch 2) im Test: Miras monumentales Erwachen

Mehr als nur ein Remaster: Warum die grafischen Upgrades und spielerischen Anpassungen dieses Epos zum Pflichtkauf für RPG Fans machen

Es gab wohl kaum ein Spiel im Nintendo Katalog, das so sehr nach einer Neuauflage geschrien hat wie Xenoblade Chronicles X. Während die Hauptreihe auf der Switch Rekorde feierte und mit dem dritten Teil ihren vorläufigen emotionalen Höhepunkt erreichte, blieb das gewaltige Open World Epos jahrelang auf der Wii U gefangen wie in einem goldenen Käfig.

Mit der Xenoblade Chronicles X: Definitive Edition landet der Titel nun endlich auf der Nintendo Switch 2 und wir haben uns in den letzten Wochen durch die unendlichen, teils gnadenlosen Weiten von Mira gekämpft. Es ist ein Spiel der Extreme geblieben, das nun endlich die Hardware Power bekommt, die es für seine monumentalen Ambitionen schon immer gebraucht hat.

Monolith Soft liefert hier glücklicherweise keinen simplen Port ab, der nur die Auflösung hochschraubt. Stattdessen haben die Entwickler tief in die Code Struktur eingegriffen, um viele der alten Lasten über Bord zu werfen und gleichzeitig den harten Kern dessen zu bewahren, was dieses Projekt so einzigartig und eigenwillig macht. Man merkt an jeder Ecke, dass dieses Spiel ursprünglich als technisches Experiment gedacht war, das die Grenzen des Machbaren verschieben sollte. Auf der neuen Konsole fühlt es sich nun so an, als könne das Spiel zum ersten Mal befreit aufatmen, ohne von technischer Atemnot ausgebremst zu werden.

Ein technischer Sprung in die neue Generation

Xenoblades Chronicles X Definitive Edition Switch 2Der erste Blick auf die weiten Ebenen von Primordia lässt absolut keinen Zweifel daran, dass die Hardware der Nintendo Switch 2 hier ganze Arbeit leistet und die alte Wii U Version wie eine verblasste Erinnerung wirken lässt. Wo das Original noch mit heftigem Kantenflimmern, verwaschenen Texturen und massiv aufploppenden Objekten zu kämpfen hatte, erstrahlt Mira nun in einer nativen 4K Auflösung im Dock Modus. Die Texturen der bizarren außerirdischen Flora und der oft gigantischen Fauna wurden sichtlich überarbeitet und wirken weitaus plastischer und detailreicher.

Besonders beeindruckend ist das neue globale Beleuchtungssystem, das bei den dynamischen Wetterwechseln für echte Gänsehautmomente sorgt. Wenn ein elektromagnetischer Sturm über die Noctilum Wälder fegt und die Neonfarben der biolumineszenten Pflanzen den Boden in ein giftiges Violett tauchen, zeigt das Spiel seine volle visuelle Pracht. Die Bildrate bleibt dabei glücklicherweise bei konstanten 60 Bildern pro Sekunde, was besonders bei den schnellen, oft chaotischen Kämpfen einen massiven Unterschied zum Original macht.

Auch die Weitsicht wurde drastisch erhöht, sodass man nun Monster am Horizont sieht, die früher erst wenige Meter vor der eigenen Nase materialisiert wären. Das sorgt nicht nur für eine bessere Optik, sondern erhöht auch den spielerischen Nutzwert bei der Planung der eigenen Route durch gefährliches Terrain.

Die Faszination der Erkundung ohne Grenzen

Das Herzstück bleibt die gigantische Spielwelt, die in fünf völlig unterschiedliche, nahtlos ineinander übergehende Kontinente unterteilt ist. New Los Angeles dient dabei als riesiger, pulsierender Hub, von dem aus wir die Reste der Menschheit vor dem endgültigen Aussterben bewahren müssen. Die spielerische Freiheit ist nach wie vor das größte Pluspunkt des Titels und sucht ihresgleichen im gesamten Genre. Es gibt kaum unsichtbare Barrieren und wer mutig oder leichtsinnig genug ist, kann schon sehr früh im Spiel in Gebiete vordringen, in denen Monster mit Level 90 patrouillieren. Diese vertikale Freiheit wird durch das überarbeitete Navigationssystem unterstützt, das nun weitaus weniger frustriert als auf der alten Hardware.

Die Definitive Edition fügt zudem eine extrem sinnvolle Schnellreise Funktion hinzu, die dank des neuen Speichermediums Ladezeiten von unter drei Sekunden ermöglicht. Das Gefühl der absoluten Einsamkeit und der echten Entdeckung auf einem fremden, oft feindseligen Planeten fängt auch heute noch kein anderes Rollenspiel so konsequent ein. Man fühlt sich nicht wie ein Tourist, sondern wie ein Pionier, der jeden Meter Land hart erkämpfen muss. Die Welt von Mira wirkt organisch und lebendig, was vor allem an der cleveren Platzierung der Ökosysteme liegt, die auch ohne das Eingreifen des Spielers miteinander zu interagieren scheinen.

Kampfmechaniken und die Macht der Skells

Das Kampfsystem ist eine hochkomplexe Mischung aus Echtzeit Positionierung, präzisem Timing und taktischem Ressourcenmanagement. Wer die anderen Xenoblade Teile kennt, wird sich zwar in den Grundzügen schnell zurechtfinden, doch X setzt weitaus stärker auf Individualisierung durch verschiedene Waffenklassen und ein tiefgreifendes Klassensystem. Ein echtes Highlight sind natürlich die Skells, die riesigen, transformierbaren Kampfroboter, die wir im späteren Spielverlauf endlich selbst steuern dürfen. Sobald man die Fluglizenz erhält, ändert sich das komplette Spielgefühl und die vertikale Erkundung erreicht eine völlig neue Dimension, die einem den Atem raubt.

In der Definitive Edition wurden die quälenden Grind Phasen für die Versicherung dieser teuren Roboter zum Glück deutlich entschärft, was den allgemeinen Spielfluss massiv verbessert und zum Experimentieren einlädt. Dennoch bleibt das System in seinen Details sperrig und erfordert eine beachtliche Einarbeitungszeit, da das Spiel einen immer noch mit unzähligen Untermenüs, Werten und versteckten Mechaniken bombardiert, die im Spiel selbst kaum ausreichend erklärt werden. Man muss bereit sein, sich in die Materie einzuarbeiten, wird dann aber mit einer taktischen Tiefe belohnt, die ihresgleichen sucht. Das Spielgefühl, wenn man mit einem Trupp aus vier Skells gleichzeitig einen der gigantischen Weltbosse angreift, ist auch Jahre nach dem ersten Release unübertroffen.

Die Schwachstellen in der Erzählstruktur

Trotz der technischen Brillanz und der spielerischen Freiheit muss man die Story weiterhin durchaus kritisch betrachten. Xenoblade Chronicles X ist kein klassisches, durchinszeniertes Story RPG wie die nummerierten Nachfolger der Serie. Die Haupthandlung rund um die Suche nach dem Lebensspeicher dient oft nur als grober Rahmen für die unzähligen, oft weitaus interessanteren Harmoniemissionen und Nebenaufgaben. Unser Hauptcharakter bleibt ein stummer Avatar, was die emotionale Bindung zu den dramatischen Ereignissen oft spürbar erschwert. Die Definitive Edition versucht zwar mit neuen Epilog Inhalten und zusätzlichen Zwischensequenzen mehr Licht ins Dunkel des berüchtigten Cliffhangers von damals zu bringen, doch die grundlegende Inszenierung der alten Szenen wirkt im Vergleich zu modernen Standards manchmal etwas hölzern und steif.

Wer eine epische, charaktergetriebene Studie wie in Teil 3 erwartet, könnte enttäuscht werden, da der Fokus hier ganz klar auf der Welt, der Politik innerhalb von New Los Angeles und der harten Besiedlung des Planeten liegt. Es ist eine Geschichte über das Überleben als Kollektiv, nicht über das Schicksal eines einzelnen Helden. Das muss man mögen, um mit der Erzählweise warm zu werden, doch die Welt selbst erzählt durch ihr Design oft mehr als viele der geschriebenen Dialoge.

Ein Mammutprojekt für Langzeitspieler

Der reine Umfang der Xenoblade Chronicles X: Definitive Edition ist schlichtweg erschlagend und kann Neueinsteiger im ersten Moment regelrecht einschüchtern. Wer wirklich alles sehen will, alle Sektoren kartografieren, die Kolonien voll ausbauen und die stärksten Superbosse in der entlegensten Ecke der Welt besiegen möchte, muss locker über 150 Stunden Spielzeit einplanen. Der Online Modus wurde für die neue Konsole komplett modernisiert und bietet nun stabilere Raid Möglichkeiten sowie einen vereinfachten Austausch von Avataren und Ausrüstung.

Auch der ikonische Soundtrack von Hiroyuki Sawano ist natürlich wieder mit an Bord, wobei Nintendo nun endlich eine dringend benötigte Option eingebaut hat, die Lautstärke der Musik in den Zwischensequenzen separat zu regeln. Das war einer der größten Kritikpunkte der weltweiten Fanbase und zeigt deutlich, dass man bei Monolith Soft wirklich auf das Feedback der Community gehört hat.

Es ist ein Spiel für absolute Genießer, die sich gerne stundenlang in komplexen Systemen verlieren und keine Angst vor Tabellen, Optimierung der Ausrüstung und dem Vergleichen von Werten haben. Die Befriedigung, wenn man nach Stunden des Tüftelns endlich den perfekten Skell Build zusammengestellt hat, ist dafür umso größer.

Ein meisterhaftes Comeback?

Monolith Soft beweist mit dieser Neuauflage eindrucksvoll, dass das visionäre Konzept von Xenoblade Chronicles X seiner Zeit schlichtweg um Jahre voraus war. Die Nintendo Switch 2 ist die erste Plattform, die der gewaltigen Vision einer nahtlosen, wunderschönen und zugleich bedrohlichen außerirdischen Welt wirklich in jedem Detail gerecht wird. Es ist kein perfektes Spiel für jedermann, dafür ist es an manchen Stellen immer noch zu sperrig und in der Erzählweise der Hauptstory zu fragmentiert. Aber es bietet eine dichte Atmosphäre und eine spielerische Freiheit bei der Erkundung, die man in dieser kompromisslosen Form kein zweites Mal in der Videospiellandschaft findet.

Wer das Original damals mangels Hardware verpasst hat, kommt an diesem Epos unter keinen Umständen vorbei und selbst eingefleischte Veteranen finden genug sinnvolle Neuerungen und technische Komfortverbesserungen, um erneut hunderte Stunden auf Mira zu verbringen. Es ist das ultimative Paket für Entdecker und ein würdiges, technisch beeindruckendes Showcase für Nintendos neue Hardware Generation. Dieses Spiel fordert viel von seinen Spielern, gibt ihnen aber auch eine Welt zurück, die man so schnell nicht mehr verlassen möchte.

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Test

Xenoblade Chronicles X Definitive Edition (Switch 2)

8.2 Punkte

Die Definitive Edition von Xenoblade Chronicles X ist die ultimative Form eines visionären Spiels. Dank der Switch 2 Power verschwinden technische Hürden und machen Platz für pure Entdeckerfreude. Trotz kleinerer Schwächen in der Erzählstruktur bleibt die Welt von Mira in Sachen Design und Freiheit unerreicht.

PROS

  • Atemberaubende 4K Grafik und stabile Performance
  • Unübertroffenes Gefühl von Freiheit und Entdeckung
  • Komplexes Kampfsystem mit enormem Tiefgang
  • Sinnvolle Komfortverbesserungen bei Grind und Navigation
  • Gigantischer Umfang von weit über 100 Stunden

CONS

  • Stummer Protagonist erschwert emotionale Bindung
  • Hohe Einstiegshürde durch mangelhafte Tutorials
  • Hauptstory wirkt im Vergleich zur Welt fragmentiert

Fazit

  • Grafik & Performance 8
  • Gameplay & Welt-Design 9
  • Umfang & Wiederspielwert 9
  • Sound & Atmosphäre 8
  • Story & Inszenierung 7
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