Wer an Leica denkt, hat sofort das ikonische rote Logo, präzise Mechanik und diesen ganz speziellen Bildlook im Kopf, den Fans weltweit fast schon religiös verehren. Mit dem neuen Leitz Phone, das in enger Kooperation mit Xiaomi entstanden ist, wagt die Traditionsmarke aus Wetzlar nun den nächsten großen Schritt im Mobilfunkmarkt.
Es ist kein Geheimnis, dass die Hardware tief im Kern von Xiaomi stammt, doch Leica betont stolz, dass das Design und die Seele des Geräts in Deutschland entstanden sind. Es handelt sich hierbei nicht um ein bloßes Rebranding, sondern um eine tiefgreifende ästhetische und funktionale Anpassung an die Leica Philosophie. Wir haben das edle Stück Technik, das mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 1999 Euro wahrlich kein Schnäppchen ist, durch den harten Alltag gejagt. Dabei wollten wir wissen, ob der stolze Preis durch das besondere Erlebnis gerechtfertigt wird oder ob man hier lediglich für einen Namen bezahlt.
Design und Haptik zwischen Tradition und Moderne
Schon beim Auspacken wird klar, dass Leica hier ein Erlebnis verkaufen möchte, das weit über das bloße Einschalten eines Smartphones hinausgeht. Die Verpackung ist minimalistisch und edel gestaltet, fast so als würde man eine echte M-Kamera in Empfang nehmen. Das Smartphone selbst sticht sofort aus der Masse der glatten Glas-Flundern heraus. Ein kantiger, fein geriffelter Aluminiumrahmen sorgt für eine Griffigkeit und eine mechanische Anmutung, die man bei modernen Geräten oft schmerzlich vermisst. Es fühlt sich massiv und extrem wertig an, auch wenn die Rückseite aus glasfaserverstärktem Polycarbonat besteht.

Ein absolutes Highlight für Liebhaber mechanischer Details ist der im Lieferumfang enthaltene Objektivdeckel aus solidem Metall. Er hält magnetisch auf der riesigen, kreisrunden Kameraeinheit und schützt das wertvolle Glas vor Staub und Kratzern. In der Praxis ist das ständige Abnehmen und Aufsetzen zwar etwas fummelig und man fragt sich ständig, wohin mit dem Deckel während des Fotografierens, aber der Style-Faktor ist schlicht unschlagbar.
Ein Display mit Fokus auf Effizienz und Klarheit
Auf der Front erwartet uns ein gewaltiges 6,9 Zoll großes OLED-Panel, das fast die gesamte Vorderseite einnimmt. Interessanterweise hat man sich hier bewusst gegen die absolute Pixel-Schlacht entschieden, die manche Konkurrenten führen. Statt einer WQHD-Plus-Auflösung kommt eine 1,5K-Auflösung von 2608 x 1200 Pixeln zum Einsatz, was zu einer Pixeldichte von etwa 416 PPI führt.
Dank der modernen LTPO-Technologie passt sich die Bildwiederholfrequenz dynamisch zwischen 1 und 120 Hz an. Das sorgt für eine butterweiche Bedienung beim Scrollen durch lange Webseiten oder soziale Feeds, spart aber Energie, wenn das Bild statisch bleibt. Unter dem Display verrichtet ein Ultraschall-Fingerabdrucksensor extrem flink seinen Dienst und entsperrt das Gerät selbst mit leicht feuchten Fingern zuverlässig. Die Farbdarstellung ist ab Werk eher natürlich und weniger knallig abgestimmt, was Fotografen entgegenkommt, die ihre Bilder bereits auf dem Smartphone farbecht beurteilen wollen. Die Ränder um den Bildschirm sind extrem schmal, was dem Gerät trotz der Größe eine moderne Optik verleiht.
Die inneren Werte und das Problem mit der Bloatware
Unter der Haube steckt nichts anderes als pure, brachiale Power. Der aktuell leistungsstärkste Snapdragon 8 Elite Prozessor treibt das System an und wird von satten 16 GB Arbeitsspeicher unterstützt. Damit ist das Leitz Phone für jede erdenkliche Aufgabe gerüstet, sei es der Schnitt von hochauflösenden 4K-Videos direkt auf dem Handy oder das Multitasking mit unzähligen offenen Apps.
Mit 1 Terabyte internem UFS 4.1 Speicher hat Leica zudem sichergestellt, dass selbst exzessive Fotografen, die im verlustfreien RAW-Format schießen, nicht so schnell an ihre Speicherplatzgrenzen stoßen. Die Performance im Alltag ist über jeden Zweifel erhaben, Apps öffnen ohne jede Verzögerung und Ruckler sind ein absolutes Fremdwort. Das Kühlsystem arbeitet dabei effizient, sodass das Gehäuse selbst bei längerer Belastung nur moderat warm wird.
Ein dicker Wermutstropfen bleibt jedoch die vorinstallierte Drittanbieter-Software. Bei einem exklusiven Luxusgerät für 2000 Euro haben Werbe-Apps wie Candy Crush, AliExpress oder Opera News absolut nichts verloren. Das wirkt deplatziert und trübt den ansonsten so hochwertigen Premium-Eindruck massiv. Man möchte ein Kunstwerk kaufen und findet beim Auspacken Werbeflyer darin so fühlt sich das leider an.
Die Kamera: Wenn Technik auf Optik-Tradition trifft
Das Herzstück und der eigentliche Grund für den Kauf ist natürlich das Kamerasystem. Der 1-Zoll-LOFIC-Hauptsensor mit 50 Megapixeln fängt eine Lichtmenge ein, von der die meisten anderen Smartphones nur träumen können. Das sorgt für einen natürlichen Schärfeverlauf und ein echtes Bokeh, das optisch entsteht und nicht erst künstlich durch Software errechnet werden muss. Besonders spannend und ein Alleinstellungsmerkmal ist der mechanische Ring um das Kameramodul. Er lässt sich physisch drehen und bietet ein dezentes haptisches Feedback, womit man intuitiv den Zoom, die Belichtungskorrektur oder den Weißabgleich steuern kann. Das vermittelt ein Gefühl von echter Fotografie und macht im Alltag richtig Laune, da man weniger auf dem Display herumwischen muss.
Besonders der Essential Modus, der das Verhalten einer klassischen Leica M3 in Schwarz-Weiß oder einer M9 mit ihrem speziellen CCD-Sensor simuliert, liefert Bilder mit einem ganz eigenen, fast schon analogen Charakter und wunderbaren Kontrasten. Es gibt auch eine digitale Signatur, die die Echtheit der Fotos belegt, was in Zeiten von KI-generierten Bildern immer wichtiger wird. Dennoch muss man kritisch anmerken, dass die Xiaomi-Algorithmen im Hintergrund manchmal immer noch dazu neigen, feine Strukturen durch Rauschunterdrückung etwas zu glatt zu bügeln, was dem strengen Auge eines Leica-Puristen auffallen könnte.
Der Vergleich zum Bruder: Xiaomi 17 Ultra
Man kommt nicht umhin, das Leitz Phone mit seinem technischen Fundament, dem Xiaomi 17 Ultra, zu vergleichen. Das Xiaomi-Modell ist mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von rund 1500 Euro deutlich günstiger positioniert und bietet nahezu die identische Kern-Hardware. Die Unterschiede liegen vor allem in der Philosophie und im äußeren Erscheinungsbild. Während das Xiaomi 17 Ultra eher wie ein klassisches, hochgezüchtetes Flaggschiff-Smartphone mit einer riesigen Kamera wirkt, ist das Leitz Phone ein echtes Design-Statement aus kühlem Metall und funktionaler Riffelung.
Wer rein auf die nackten Zahlen und das Preis-Leistungs-Verhältnis schaut, wird zweifellos zum Xiaomi greifen. Doch für echte Enthusiasten, die eine Symbiose aus modernster Technik und deutschem Kamera-Design suchen, bietet das Leitz Phone genau das Quäntchen mehr Emotion und Exklusivität, das Technik zu einem begehrenswerten Sammlerstück macht.
Ausdauer einer Foto-Maschine
Mit einem massiven 6000 mAh starken Akku, der auf der neuesten Silizium-Kohlenstoff-Technologie basiert, ist das Leitz Phone ein wahrer Langläufer. Selbst bei einem extrem intensiven Tag mit hunderten Fotos, einigen 4K-Videos und ständiger GPS-Navigation kommt man locker durch den Tag und hat am Abend oft noch Reserven von über 40 Prozent. Bei normaler Nutzung sind zwei Tage Laufzeit absolut realistisch.
Fazit: Ein Luxusgut für Enthusiasten
Das Leitz Phone ist kein Gerät für jedermann und will es auch gar nicht sein. Es ist ein Luxusgut für Menschen, die Fotografie als Handwerk verstehen und bereit sind, für exzellentes Design und die Strahlkraft einer Weltmarke wie Leica tief in die Tasche zu greifen. Trotz kleiner Schwächen in der Software-Beigabe und der teils spürbaren Kopflastigkeit ist es eines der faszinierendsten und eigenständigsten Smartphones auf dem aktuellen Markt. Es ist im Kern eine hochprofessionelle Kamera, die zufällig auch telefonieren kann und dabei durch ihre mechanische Qualität und den ikonischen Look besticht.
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Test
Leitz Phone by Leica
as Leitz Phone ist ein faszinierendes Nischenprodukt für Ästheten und Foto-Enthusiasten. Die Symbiose aus brachialer Xiaomi-Hardware und der unverkennbaren Leica-Seele bei Bildlook und Design funktioniert hervorragend. Wer bereit ist, den massiven Aufpreis für Exklusivität zu zahlen, wird belohnt.
PROS
- Überragende Bildqualität durch den riesigen 1-Zoll-Sensor
- Einzigartige Haptik durch geriffelten Aluminiumrahmen
- Enormer Speicherplatz von 1 Terabyte serienmäßig
- Haptischer Drehring für intuitive Kamerasteuerung
- Exklusive Leica-Objektiv-Simulationen mit Charakter
CONS
- Sehr hoher Anschaffungspreis von 1.999 Euro
- Unpassende Werbe-Apps bei einem Luxusprodukt
- Spürbare Kopflastigkeit durch das massive Kameramodul
- Keine WQHD-Plus Auflösung trotz Ultra-Segment