Mehr als ein Solarakku: SigenMate kombiniert Speicher, Notstrom und KI Steuerung

Der neue SigenMate 2700 Ultra lässt sich mit bestehenden Mikrowechselrichtern kombinieren und auf bis zu 56,4 kWh Gesamtkapazität erweitern.

Balkonkraftwerke erzeugen ihren Strom hauptsächlich tagsüber. Der tatsächliche Energiebedarf vieler Haushalte steigt allerdings erst am Abend, wenn Beleuchtung, Fernseher, Computer und Küchengeräte genutzt werden. Ohne Speicher wird ein Teil der produzierten Energie deshalb ins öffentliche Netz abgegeben, anstatt im eigenen Haushalt verbraucht zu werden.

Sigenergy möchte dieses Problem mit dem neuen SigenMate 2700 Ultra lösen. Das kompakte Energiesystem vereint Speicher, Hybridwechselrichter, Solareingänge, Notstromversorgung und intelligente Energiesteuerung in einem Gerät. Der SigenMate richtet sich sowohl an Besitzer bestehender Balkonkraftwerke als auch an Einsteiger, die direkt mit einem erweiterbaren System beginnen möchten.

Darüber hinaus kann das Gerät als Stromquelle für Garten, Werkstatt, Camping oder empfindliche Haushaltsgeräte verwendet werden. Damit positioniert Sigenergy den SigenMate nicht ausschließlich als klassischen Balkonkraftwerk Speicher, sondern als vielseitige Energielösung für unterschiedliche Alltagssituationen.

Bis zu 4.000 Watt Solarleistung

In der Grundausstattung besitzt der SigenMate 2700 Ultra eine Speicherkapazität von 2,688 kWh. Zum Einsatz kommen 105 Ah Lithium Eisenphosphat Zellen, die sich durch ihre hohe thermische Stabilität und lange Lebensdauer für stationäre Energiespeicher eignen.

Ungewöhnlich hoch fällt die mögliche PV Eingangsleistung von bis zu 4.000 Watt aus. Vier unabhängige MPPT Tracker ermöglichen es, mehrere Modulgruppen mit unterschiedlichen Ausrichtungen oder Verschattungssituationen anzuschließen. Ein Modul in der Morgensonne muss dadurch nicht zwangsläufig die Leistung eines anderen Moduls begrenzen, das erst später am Tag optimal beschienen wird.

Die maximale Ladeleistung beträgt 1.800 Watt, die Entladeleistung liegt bei bis zu 1.400 Watt. Im normalen Netzbetrieb speist der SigenMate bis zu 800 Watt ein.

Bestehende Balkonkraftwerke sollen sich ebenfalls nachrüsten lassen. Laut Sigenergy ist das System mit gängigen Mikrowechselrichtern unterschiedlicher Hersteller kompatibel. Bereits vorhandene Solarmodule und Wechselrichter müssen somit nicht automatisch ersetzt werden.

Speicher wächst mit dem Energiebedarf

Ein wichtiger Bestandteil des Konzepts ist die modulare Erweiterbarkeit. Nutzer können zunächst mit einer Kapazität von 2,688 kWh starten und später zusätzliche Batteriemodule ergänzen.

An ein Hauptgerät lassen sich bis zu sechs weitere SigenMate BAT 2700 Module anschließen. Dadurch steigt die Speicherkapazität einer Einheit auf bis zu 18,8 kWh. Werden drei Systeme parallel betrieben, sind theoretisch sogar bis zu 56,4 kWh möglich.

Für ein gewöhnliches Balkonkraftwerk ist eine solche Kapazität meist deutlich überdimensioniert. Die flexible Erweiterbarkeit kann dennoch interessant sein, wenn später zusätzliche Solarmodule, eine größere Anlage oder weitere elektrische Verbraucher hinzukommen. Nutzer müssen sich beim Kauf somit nicht dauerhaft auf die ursprüngliche Speichergröße festlegen.

Zwei Steckdosen und integrierte Notstromfunktion

Der SigenMate 2700 Ultra verfügt über zwei integrierte Steckdosen. Über diese können Haushaltsgeräte direkt mit Strom versorgt werden. Im Netzbetrieb steht eine Passthrough Leistung von bis zu 3.600 Watt zur Verfügung.

Im Inselbetrieb liefert ein einzelnes System dauerhaft bis zu 1.400 Watt. Für kurze Lastspitzen stehen während zehn Sekunden bis zu 1.800 Watt bereit. Zwei parallel verbundene Einheiten erreichen bis zu 2.800 Watt, drei Systeme bis zu 3.600 Watt.

Besonders interessant ist die integrierte unterbrechungsfreie Stromversorgung. Sigenergy nennt eine Umschaltzeit von 0 Millisekunden. Bei einem Stromausfall sollen direkt angeschlossene Computer, Router, Netzwerkspeicher oder andere empfindliche Geräte ohne Neustart weiterlaufen.

Die Funktion gilt allerdings nur für Verbraucher, die mit den Steckdosen des SigenMate verbunden sind. Eine komplette Wohnung wird bei einem Netzausfall nicht automatisch versorgt.

Mit einem Hauptgerät und einem zusätzlichen Batteriemodul soll beispielsweise ein Kühlschrank mit angenommenen 200 Watt etwa 27 Stunden betrieben werden können. Für einen Computer mit 300 Watt nennt Sigenergy ungefähr 18 Stunden, für eine Beleuchtung mit 100 Watt bis zu 54 Stunden. Die tatsächliche Laufzeit hängt vom Verbrauch, dem Ladezustand und den Umwandlungsverlusten ab.

KI berücksichtigt Wetter und Strompreise

Gesteuert wird das System über die mySigen App. Im Mittelpunkt steht der sogenannte SigenAgent, der Wetterprognosen, Verbrauchsmuster, Netzbedingungen und dynamische Stromtarife berücksichtigen soll.

Erwartet das System am nächsten Tag viel Sonnenschein, kann es ausreichend freie Speicherkapazität für den kommenden Solarertrag einplanen. Bei schlechtem Wetter und einem dynamischen Tarif kann der Akku hingegen während besonders günstiger Strompreisphasen aus dem Netz geladen werden.

Nach Angaben von Sigenergy basiert die Plattform auf Erfahrungswerten aus mehr als 30.000 aktiven Energiesystemen in 47 Ländern. Zusätzlich stehen zeitbasierte Betriebsmodi zur Verfügung, sodass Nutzer Ladezeiten und Entladezeiten auch selbst festlegen können.

Über die App lassen sich Energieflüsse, Solarertrag, Akkustand und Netzbezug nachvollziehen. Betriebsdaten werden bei unterbrochener Internetverbindung bis zu 30 Tage lokal gespeichert und später mit der Cloud synchronisiert.

Ob die KI Steuerung im Alltag tatsächlich spürbar mehr Geld spart, hängt stark vom individuellen Verbrauch, dem Stromtarif und der Größe der Solaranlage ab. Der Ansatz ist dennoch interessant, da Nutzer nicht mehr jede Ladeentscheidung manuell treffen müssen.

Für den Außeneinsatz vorbereitet

Der SigenMate 2700 Ultra besitzt die Schutzklasse IP66 und ist damit gegen Staub und kräftige Wasserstrahlen geschützt. Der zulässige Betriebstemperaturbereich reicht von minus 20 bis plus 55 Grad Celsius.

Eine integrierte Batterieheizung soll den Betrieb bei niedrigen Temperaturen unterstützen. Zudem überwacht das System sowohl die Batteriezellen als auch die Leistungskabel auf ungewöhnliche Temperaturentwicklungen.

Für die Kommunikation stehen WLAN 6 mit 2,4 GHz und 5 GHz sowie Bluetooth zur Verfügung. Die Kühlung erfolgt passiv über natürliche Konvektion, wodurch kein dauerhaft hörbarer Lüfter notwendig sein sollte.

Mit einem Gewicht von rund 29 Kilogramm ist das Hauptgerät allerdings keine klassische tragbare Powerstation. Ein zusätzliches Batteriemodul wiegt weitere 25 Kilogramm. Für häufige Ortswechsel ist deshalb ein optionaler Trolley vorgesehen.

Preis und Verfügbarkeit

In Deutschland kann der SigenMate 2700 Ultra über den offiziellen Sigenergy Store, Amazon und ausgewählte Vertriebspartner vorbestellt werden.

Vom 14. bis 28. Juli 2026 gilt ein Aktionspreis von 999 Euro statt 1.199 Euro, jeweils zuzüglich Mehrwertsteuer. Je nach Zusammenstellung sollen Bundle Angebote eine Ersparnis von bis zu 600 Euro ermöglichen.

Während des Vorbestellungszeitraums legt Sigenergy außerdem einen dreiphasigen Sigen Smart Meter kostenlos bei. Für weitere europäische Märkte ist eine Vorbestellungsaktion vom 18. bis 31. August 2026 geplant. Konkrete Preise und Vertriebspartner können sich je nach Land unterscheiden.

Vielseitiger Speicher mit ambitioniertem Konzept

Der SigenMate 2700 Ultra fällt vor allem durch seine Kombination aus hoher PV Eingangsleistung, vier MPPT Trackern, modularer Speicherkapazität, Notstromfunktion und intelligenter Steuerung auf.

Für ein kleines Balkonkraftwerk mit ein oder zwei Modulen dürfte das System teilweise mehr bieten, als tatsächlich benötigt wird. Interessanter erscheint es für Haushalte, die ihre Solaranlage später erweitern möchten, einen dynamischen Stromtarif nutzen oder wichtige Geräte bei Stromausfällen weiter betreiben wollen.

Damit ist der SigenMate weniger ein einfacher Zusatzakku als vielmehr ein kompaktes Energiesystem zwischen Balkonkraftwerk Speicher, Hausspeicher und leistungsfähiger Powerstation. Ob dieses Konzept auch wirtschaftlich überzeugt, wird vor allem von den endgültigen Preisen für Batteriemodule und Erweiterungen abhängen.

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