Wer an Motorola denkt, hat oft solide Mittelklasse-Smartphones im Kopf, doch mit dem neuen Motorola Edge 70 zielt der Traditionshersteller direkt auf die Oberklasse ab.
Schon beim Auspacken wird klar, dass man hier ein Erlebnis für alle Sinne bieten möchte, denn die Experience beim Unboxing riecht einfach unfassbar gut, was die Stimmung von der ersten Sekunde an hebt. Während Branchenriesen wie Apple oder Samsung den Lieferumfang immer weiter zusammenstreichen, legt Motorola löblicherweise eine MagSafe-kompatible Schutzhülle, das passende SIM-Tool sowie ein USB-C auf USB-C Kabel bei. Motorola setzt hier ein Zeichen gegen den Minimalismus-Trend der Konkurrenz.
Ein Handschmeichler aus Glas und Silikon
Das erste Mal in der Hand gehalten, fällt sofort die beeindruckende Schlankheit des Geräts auf, die fast schon surreal wirkt. Mit einer Dicke von gerade einmal 5,9 Millimetern und einem Gewicht von 159 Gramm ist das Edge 70 spürbar leichter und dünner als viele Konkurrenzmodelle wie das iPhone 16 Pro Max. Im Vergleich zum Vorgänger, dem Edge 60, hat Motorola das Gehäuse um beachtliche 2 Millimeter abgespeckt und 20 Gramm an Gewicht eingespart. Der Rahmen besteht aus hochwertigem Aluminium, während die Rückseite mit einem sogenannten Silikon-Finish überzeugt. Diese textile Struktur fühlt sich nicht nur extrem hochwertig an, sondern ist auch erfreulich resistent gegen Fingerabdrücke und liegt absolut rutschfest in der Hand.
Das Smartphone wirkt trotz der geringen Maße sehr robust, was auch die IP68 und IP69 Zertifizierung unterstreicht, wodurch das Gerät sowohl gegen dauerndes Untertauchen in bis zu eineinhalb Metern Tiefe als auch gegen Staub geschützt ist. Farblich hat man die Wahl zwischen Varianten wie Cloud Dancer, Lilpad, Gadget Cray oder dem hier getesteten Bronze-Grün.
Helle Freude mit kleinen Schatten
Das Herzstück der Interaktion ist das 6,67 Zoll große P-OLED Display, das fast die gesamte Front einnimmt. Mit einer Auflösung von 1220 x 2712 Pixeln und einer Pixeldichte von 446 ppi liefert Motorola hier eine scharfe Qualität. Die Bildwiederholrate von 120 Hz sorgt für butterweiche Animationen beim Scrollen, während die Unterstützung von HDR Plus für satte Kontraste und lebendige Farben garantiert.
Ein technisches Highlight ist die Water-Touch-Technologie, die es ermöglicht, das Display selbst mit nassen, öligen oder feuchten Fingern präzise zu bedienen, was besonders im Arbeitsalltag oder bei Regen ein echter Vorteil ist. In der Spitze erreicht das Panel stolze 4500 Nits, doch hier liegt auch ein kleiner Kritikpunkt. Im normalen Alltagsmodus pegelt sich die Helligkeit bei etwa 1800 Nits ein, was im direkten Vergleich mit Konkurrenten wie dem Huawei 15T Pro unter extrem greller Sonne etwas zu wenig sein könnte. Der optische Fingerabdrucksensor ist direkt im Display auf einer angenehmen Höhe integriert und reagiert äußerst zuverlässig.
Kamera-Performance: Dreifach-Power für Vlogger
Motorola macht bei der Kamera keine halben Sachen und verbaut sowohl auf der Rückseite als auch auf der Frontseite Sensoren, die 4K-Aufnahmen mit 60 FPS ermöglichen. Die Hauptkamera nutzt den modernen Samsung GNJ Sensormit einer Lichtstärke von f/1.8, der für detailreiche und lichtstarke Aufnahmen sorgt. Ergänzt wird das System durch einen 50 Megapixel Weitwinkel-Sensor, bei dem kurioserweise der identische Samsung S5K JNS Chip wie in der Frontkamera zum Einsatz kommt.
Diese Symmetrie in der Bildqualität ist besonders für Content Creator ein Segen, da der Wechsel zwischen Front- und Hauptkamera kaum qualitative Unterschiede bei den Videos oder der Farbwiedergabe zeigt. Das integrierte Mikrofon liefert dabei einen soliden Ton, der für den Alltag völlig ausreicht. Alle Kameras unterstützen die hohe Auflösung, was die Flexibilität beim Filmen massiv erhöht und den Nutzer nicht dazu zwingt, nur die Hauptkamera für hochwertige Clips zu verwenden.
Vollgepackt bis zum Rand
Unter der Haube verrichtet der Snapdragon 7 Gen 4 im effizienten 4-Nanometer-Verfahren seinen Dienst, unterstützt von üppigen 12 GB LPDDR5X RAM. Diese Kombination sorgt für eine absolut ruckelfreie Performance, egal ob beim Multitasking, bei aufwendiger Bildbearbeitung oder bei anspruchsvollen Spielen mit der Adreno 722 Grafikkarte. Der interne Speicher von 512 GB bietet massig Platz für Apps und Medien, ist allerdings leider nicht erweiterbar. Softwareseitig kommt bereits Android 16 mit der hauseigenen Halo UI zum Einsatz.
Motorola verspricht hier 4 Jahre Betriebssystem-Upgrades und 6 Jahre Sicherheitsupdates, was eine gute Langlebigkeit garantiert. Ein markantes Feature ist die dedizierte KI-Taste, die den direkten Zugriff auf die Moto AI ermöglicht. Das Gerät ist vollgepackt mit Funktionen zur KI-gestützten Bilderstellung und Videobearbeitung. Ob man die KI-Taste im Alltag wirklich braucht oder sie eher als unnötiges Gimmick empfindet, bleibt dem Nutzer überlassen, da das Smartphone fast schon zu viele KI-Features bietet.
Schnellladen als Lebensretter
Trotz des extrem dünnen Gehäuses verbaut Motorola einen überraschend starken 4800 mAh Akku. Dank des 68 Watt Schnellladens lässt sich das Smartphone in nur 40 Minuten von Null auf Hundert Prozent bringen. Bereits ein kurzes Laden von 15 Minuten reicht aus, um wieder auf etwa 15% der Kapazität zu kommen, was laut Tester für einen halben Tag Nutzung genügt. Auch Wireless Charging bis maximal 15 Watt wird unterstützt, allerdings ist hierfür die mitgelieferte Hülle zwingend erforderlich, da das magnetische Zubehör ohne diesen Schutz nicht sicher am Gerät haftet.
In Sachen Konnektivität lässt das Edge 70 mit 5G, Bluetooth 5.4, NFC für kontaktloses Bezahlen und Unterstützung für moderne Musikkodex wie LDAC oder APTX keine Wünsche offen. Zudem besteht die Möglichkeit, zwei SIM-Karten gleichzeitig zu nutzen, wobei sowohl Nano-SIM als auch eSIM unterstützt werden. Die Dolby Atmos Stereo-Lautsprecher runden das Paket ab und bieten trotz der schmalen Bauweise einen sehr ordentlichen Klang.
Fazit: Mut zur Lücke und zur Stärke
Das Motorola Edge 70 ist ein beeindruckendes Stück Technik, das vor allem durch seine extreme Schlankheit und die hervorragende Haptik aus der Masse hervorsticht. Motorola beweist Mut, indem sie ein Smartphone liefern, das nicht nur leistungsstark ist, sondern auch haptisch und sogar olfaktorisch ein Erlebnis bietet. Die Entscheidung, auf hochwertige Kamerasensoren an Front und Heck zu setzen, macht es zu einem Geheimtipp für Vlogger, die Wert auf 4K-Qualität in jeder Situation legen.
Dennoch gibt es berechtigte Kritikpunkte: Die Abhängigkeit von der Schutzhülle für magnetisches Zubehör trübt das ansonsten makellose Design etwas, da die schicke Rückseite darunter versteckt wird. Auch die Displayhelligkeit im Normalbetrieb könnte im Hochsommer an ihre Grenzen stoßen.
Wer jedoch ein extrem dünnes, handliches und dennoch kraftvolles Smartphone sucht, das zudem noch mit einem vorbildlichen Lieferumfang punktet, kommt am Edge 70 kaum vorbei. Es ist ein ehrliches Gerät, das zeigt, dass High-End-Features auch in einem Gehäuse von weniger als 6 Millimetern Platz finden können.
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Test
Motorola Edge 70
Ein technisch potentes Design-Statement, das zeigt, dass extreme Schlankheit und moderne Oberklasse-Features kein Widerspruch sein müssen.
PROS
- Extrem dünnes 5,9 mm Gehäuse
- 4K Video bei allen Kameras
- IP68/IP69 Schutz
- Sehr schnelles Laden
CONS
- Displayhelligkeit im Alltag ausbaufähig
- MagSafe nur mit Hülle















